Donnersbergkreis Probenbesuch: Nachhorchen, was vorgeht im Schlosse ...

„Okay“, bestätigt Dirigent Thomas Zell erstmal das Gehörte – ist aber noch nicht zufrieden. Er beugt sich nachdenklich über die Partitur: „Einmal bitte vor ’Heinrich’, und zwar zwo, vier, sechs, acht Takte, die Klarinetten mit Bassklarinetten und Fagott plus Hörner“, ruft er die Register auf und hebt die Hände für den Einsatz. Samstagvormittag in Vereinsheim vom Musikverein Sembach. Das Sinfonische Blasorchester Donnersberg probt Adrian Werums Donnersberg-Sinfonie.
Der erste Satz mit dem Titel „Der Herr von Falkenstein“ liegt auf den Notenständern. Bis zu der drängenden Stelle, die gerade wiederholt wird, ist musikalisch schon viel passiert. Eine fanfarenartige Eröffnung, die Exposition des Themas kommt dann geradezu feierlich daher, fast wie ein Choral, der freilich Dramatik aufnimmt – und bald übergeht in eine farbig ausgestaltete Spielmannsmusik, die im Hintergrund Dudelsäcke erahnen lässt. Im Anschluss folgt Werum dem Herren von Falkenstein in einem vorwärtsdrängenden Marsch mit fanfarenartigen Klängen. Viel wird da zusammengezogen, effektvoll unterlegt mit viel Gespür für spannungtragende Momente. „Ich brauche immer noch mehr Horn in ... 96. Da haben wir auch Fortissimo draus gemacht“, unterbricht Zell. „Sogar drei ’f’? Echt?“, beantwortet er einen Zuruf. Gelächter aus dem rund 40-köpfigen Orchester, das voll da ist an diesem Vormittag, es herrscht entspannte, aber konzentrierte Arbeitsatmosphäre. Und dann kommt die eingangs erwähnte Stelle, bei der sich Zell die pulsierenden Sechzehntel präziser wünscht. „Könnt ihr noch mehr Augenmerk auf diese Sechzehntel legen, damit man die besser raushört? Da - dadada - da - dadada“, singt er an, wie er sich das Stakkato wünscht, das Herausstechen dieser Noten. Mit dem nächsten Durchlauf ist er dann zufrieden. Es folgt ein unbetitelter zweiter Satz, der atmosphärisch ganz anders gelagert ist, eine Fantasie, schwelgend im Orchesterklang, eine etwas mystische, melancholische, klangschöne Atempause – bevor der dritte Satz dann wieder ganz liedhaft und volkstümlich auftrumpft. Immer wieder mit raffinierten Variationen und rhythmischen Akzenten versetzt, mal die Ränder der Tonalität austestend, mal auch rockig, wird darin nachgehorcht, „was im Schlosse vorgeht“, so das titelgebende Volkslied, das den Abschlusssatz – dem ersten ähnlich, doch mehr aus einem Guss – motivisch beherrscht mit seiner packenden Melodie. Thomas Zell freut sich über die Aufgabe am Pult, immerhin geht es um eine Welturaufführung, damit habe er erstmals zu tun. Die Uraufführung selbst werde am 22. September freilich der Komponist persönlich dirigieren, Werum sei bei den Proben schon dabeigewesen, er, Zelt, schätzt dessen lockere Art. Mit weiteren Stücken der sinfonischen Blasmusik wird das Auswahlorchester, das momentan auf rund 50 Musiker aus den Vereinen des Musikkreises zurückgreifen kann, die etwa viertelstündige Sinfonie ergänzen. Auch Zell freut die Konstellation, in der der Sohn des langjährigen Kreismusikschul-Chefs zu deren 30. Jubiläum beiträgt. „Das ist eine schöne Geschichte.“
