Winnweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Planspiel: Schüler debattieren über Deutschlands Atompolitik

21 Schüler und Schülerinnen der Klasse 10b des Wilhelm-Erb-Gymnasiums Winnweiler nahmen am Planspiel „Kernfrage“ zum Umgang mit
21 Schüler und Schülerinnen der Klasse 10b des Wilhelm-Erb-Gymnasiums Winnweiler nahmen am Planspiel »Kernfrage« zum Umgang mit Atomwaffen teil.

Abrüstung oder Abschreckung? Zehntklässler in Winnweiler simulieren Arbeit einer Kommission zur Atompolitik. Die Initiatoren zeigen sich begeistert vom Niveau der Debatte.

Wie soll Deutschland künftig mit Atomwaffen umgehen? Mit dieser Frage haben sich Schülerinnen und Schüler der Klasse 10b des Wilhelm-Erb-Gymnasiums in Winnweiler intensiv beschäftigt. Im Rahmen des Planspiels „Atomwaffen“ simulierten sie die Arbeit einer Expertenkommission, die Empfehlungen für die Bundesregierung erarbeiten sollte. Geschichtslehrerin Kathrin Zöller hatte das Projekt an die Schule geholt.

Fünf Stunden lang schlüpften die 21 Teilnehmer in unterschiedliche Rollen. Im Anschluss erhielten sie großes Lob von den Initiatoren. Das Projekt war zuvor bereits mit Lehramtsstudenten der Rheinland-Pfälzischen Technischen Universität Kaiserslautern-Landau (RPTU) sowie einer Oberstufe erprobt worden. Das Wilhelm-Erb-Gymnasium ist nun eine von zwei Pilotschulen, an denen das Planspiel auch in einer Mittelstufe umgesetzt wurde.

Zwischen Abschreckung und Abrüstung

Die Schüler vertraten unterschiedliche Organisationen und Institutionen. Neben Bundesregierung und Nato waren die Bundeswehruniversität München, die „Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen“ (Ican) sowie das „Globale Institut für Öffentliche Politik“ (GPPi) vertreten.

Begleitet wurde das Planspiel zudem von realen Vertretern verschiedener Organisationen, darunter die Nichtregierungsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“. Die Teilnehmer setzten sich mit einer breiten Palette an Positionen auseinander. Das Spektrum reichte vom Bau eigener deutscher Atomwaffen bis hin zur vollständigen Abrüstung.

Hitzige Diskussionen im Klassenzimmer

Für die Gruppenarbeit standen Strategiepapiere mit unterschiedlichen Argumenten zur Verfügung. Diese wurden diskutiert, bewertet und anschließend der „Bundesregierung“ vorgestellt. In der gemeinsamen Abschlussdiskussion ging es auch „durchaus mal hitzig zu“, stellte Gregor-Walter Drop von der RPTU fest.

Der Professor zeigte sich vom Verlauf der Veranstaltung beeindruckt: „Das Spiel haben wir in einer etwas vereinfachteren Variante zum ersten Mal in einer Mittelstufe umgesetzt. Das, was wir heute an Diskussionsniveau erlebt haben, lag deutlich über dem, was wir erwartet haben“, lobte er die Beteiligten.

Rollenwechsel als Herausforderung

Auch die Schüler zogen eine positive Bilanz. Die beiden „Bundeskanzlerinnen“ Berna Cam und Marlene Glanz sahen sich in ihrer Rolle mit der Herausforderung konfrontiert, neutral zu bleiben: „Wir wollten nicht mit einer vorgefassten Meinung in die Diskussion gehen. Man hätte im Prinzip jeder Position der einzelnen Gruppen zustimmen können, aber es ging ja darum, eine neutrale Position einzunehmen.“ Lina Augustyniak sowie ihre Mitschülerinnen Julia Fitz und Lisa Mejder vertraten die Nato. „Das Spiel war eine sehr gute Erfahrung, um sich in andere Positionen hineinzuversetzen und auch auf Fragen einzugehen, auf die man nicht vorbereitet war“, lautete ihr Fazit.

Die Mitglieder der „Bundesregierung“ zogen nach der 20-minütigen Schlussdiskussion ebenfalls eine positive Bilanz. „Teilweise habt ihr uns ganz schön ins Schwitzen gebracht“, erklärten sie. Die Initiatoren hoffen nun, das Planspiel künftig auch an weitere Schulen in Rheinland-Pfalz bringen zu können.

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