Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Neue Ärzte für die Westpfalz – Moritz Krauß über seine Erfahrungen in einem Jahr in Ungarn

Die Förderer des Projektes „Ärzte für die Westpfalz“ mit den neuen Stipendiaten Carl Robert Burkhart, Regina Falkenstern, Anna M
Die Förderer des Projektes »Ärzte für die Westpfalz« mit den neuen Stipendiaten Carl Robert Burkhart, Regina Falkenstern, Anna Mara Fernandes Schlegel, Julia Birgit Hanewald, Ahmad Kasara, Enver Kaya, Anna Rachel Kister, Yasmin Oemke, Eva Maria Rave und Jasmin Wind.

Ab Oktober geht das Projekt „Ärzte für die Westpfalz“ in die zweite Runde. Zehn Stipendiaten nehmen ihr Studium in der ungarischen Stadt Pécs auf. Für Moritz Krauß aus Lautersheim beginnt dann bereits sein drittes Semester. Er würde es jederzeit wieder machen.

Sieben junge Frauen und drei junge Männer im Alter von 18 bis 23 Jahren erhielten jetzt vom Verein „Ärzte für die Westpfalz“ ihre Stipendienurkunden für ein Medizinstudium an der Universität Pécs in Ungarn. Die Urkunden wurden bei einem Sommerfest im Weingut Boudier-Koeller in Stetten überreicht.

Die Stipendiaten verpflichten sich, nach ihrer medizinischen Ausbildung in der Region tätig zu werden. „Ich bin sehr froh und dankbar für die Möglichkeit, die mir hier gegeben wird,“ so eine Stipendiatin. „Der Beruf Ärztin war schon seit der Kindheit mein Traum. Ich werde alles dafür tun, das Studium erfolgreich zu meistern und meinen Traum zu verwirklichen.“

Arbeitsreiche, aber lohnende Zeit

Landrat Rainer Guth, Vorstandsvorsitzender des Vereins „Ärzte für die Westpfalz“, gratulierte den Stipendiaten und hob die „hervorragende Kooperation“ der Städte, der Kreise, der Kliniken, der Zukunftsregion Westpfalz und der Förderer in der Region hervor. Nicht zuletzt sei „Ärzte für die Westpfalz“ auch ein Beitrag zum innereuropäischen Austausch. Professor Péter Than, Leiter des deutschsprachigen Medizinstudienganges der Universität Pécs, lobte die Zusammenarbeit mit „Ärzte für die Westpfalz“. Es sei beachtlich, wie schnell sich die Initiative von der Idee zur Umsetzung und zur Entsendung der Studierenden entwickelt habe. Die zukünftigen Studierenden stimmte er auf eine arbeitsreiche, aber lohnende Zeit an der Universität Pécs ein.

Einer, der bereits weiß, wie es in Pécs läuft, ist Moritz Krauß aus Lautersheim. Er gehört zu den 15 angehenden Medizinern, die im vergangenen Jahr mit einem Stipendium ausgestattet in die ungarische Universitätsstadt auszogen. Zwei elementare Erfahrungen hat er als Bilanz nach dem ersten Jahr mitgebracht: „Du musst dich durchbeißen“ und „Ich würde es jederzeit wieder machen“.

Ausbildung zum Rettungssanitäter gemacht

Wie etliche seiner deutschen und englischen Kommilitonen in Pécs hatte er bald nach dem Abitur zwar den unbedingten Wunsch, Arzt zu werden, aber leider nicht den Notendurchschnitt, der für ein Medizinstudium in Deutschland gefordert wird. „Ich habe dann eine Ausbildung zum Rettungssanitäter gemacht und anschließend die dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitäter begonnen“, erzählt der 22-Jährige. Das habe ihm zwar viel Spaß gemacht, sein Berufsziel Arzt habe er dabei aber nie aus den Augen verloren. „Ich habe mich zum Test für medizinische Studiengänge angemeldet und auch nach den Aufnahmekriterien für die Privatunis in Deutschland erkundigt“, erzählt Krauß. Doch dann habe er von der Initiative „Ärzte für die Westpfalz“ erfahren. „Da habe ich mich sofort beworben und auch sehr schnell die Zusage erhalten.“

Das erste Semester war „schon ziemlich herausfordernd“ für den angehenden Mediziner. „Zum ersten Mal eine eigene Wohnung, ein anderes Land, eine andere Sprache und dann natürlich jede Menge Stoff zu bewältigen.“ Chemie, Anatomie, Prävention und andere medizinische Unterfächer, dazu stehen Ungarisch und Sport als Pflicht-Nebenfächer auf dem Stundenplan der Erst- und Zweitsemester. Besonders viel Zeit für Wochenend- und Abendaktivitäten bleibe da zwar nicht, aber „abends treffen wir Studenten aus der Westpfalz uns schon auch mal auf ein ungarisches Bier in der Altstadt“, verrät Krauß. Hier haben die meisten von ihnen eine kleine Wohnung bezogen.

Praktisches Jahr in der Heimat

Pécs sei eine sehr schöne Stadt und das Klima dort äußerst angenehm. „Es ist nur eine Autostunde von Kroatien entfernt, wir könnten also wunderschöne Ausflüge ans Meer machen“, sagt Moritz Krauß. „Aber dafür hatten wir bisher einfach noch keine Zeit.“ Dennoch sei der Zusammenhalt der Truppe aus der Westpfalz bestens. „Wir stehen alle in Kontakt untereinander. Man fühlt sich also nie allein.“

Fast 1200 Kilometer von der alten Heimat entfernt bedeutet für Moritz Krauß auf der anderen Seite natürlich auch, dass seine früheren Kontakte nicht mehr regelmäßig gepflegt werden können. „Ich war beispielsweise bei der Feuerwehr aktiv und auch sonst gerne unterwegs. Diese Kontakte und meine Freunde fehlen mir hier schon“, räumt er ein. Aber dass er im Gegenzug die Möglichkeit hat, seinen Traumberuf zu erlernen, das wiege das Heimweh, das gelegentlich mal aufkomme, auch schnell wieder auf. Zumal: das erste Jahr sei ja schon vorbei und schnell vergangen. Und das letzte Jahr der zwölfsemestrigen Studienzeit werde er ohnehin wieder in der Heimat verbringen. „Das Praktische Jahr ist im Fördergebiet, also der Westpfalz“, erklärt Krauß.

Nicht nur Einser-Abiturienten sind geeignet

Und daran anschließend möchte er ohnehin in seiner alten Heimat als Arzt Fuß fassen. Chirurgie oder Notfallmedizin kann er sich als sein künftiges Fachgebiet vorstellen, aber festlegen würde er sich da noch nicht. „Das zeigt sich ja meist im Laufe des Studiums“, sagt Krauß. Ausschlaggebend sei dafür häufig der klinische Teil, bei dem die jungen Mediziner in Krankenhäusern und Praxen eingesetzt werden, um unter Anleitung ihrer erfahrenen Kollegen ihr theoretisches Wissen in der Praxis anzuwenden.

Dass das Projekt „Ärzte für die Westpfalz“ jetzt ins zweite Jahr geht, das freue ihn, sagt der Lautersheimer, denn er halte es für wichtig und sinnvoll, dass nicht nur Abiturienten mit einem Einser-Schnitt in den Arztberuf kommen. „Es wird nach meiner Ansicht zu oft vergessen, wie wichtig auch Empathie in diesem Beruf ist, und die Überzeugung, dass das der absolute Traumjob ist“, sagt Krauß.

Initiative wurde im Jahr 2023 gegründet

Moritz Krauß aus Lautersheim startet im September bereits in sein drittes Semester in Pécs.
Moritz Krauß aus Lautersheim startet im September bereits in sein drittes Semester in Pécs.
Professor Péter Than, Leiter des deutschsprachigen Medizinstudienganges der Universität Pécs, und Landrat Rainer Guth, Vorstands
Professor Péter Than, Leiter des deutschsprachigen Medizinstudienganges der Universität Pécs, und Landrat Rainer Guth, Vorstandsvorsitzender des Vereins »Ärzte für die Westpfalz«.
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