Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Nachhaltige Holzhäuser sollen Wohnungsbedarf für Flüchtlinge decken

Die Erstaufnahmeeinrichtung in Steinbach: Von hier aus soll’S für möglichst viele Geflüchtete in geschützte vier Wände gehen.
Die Erstaufnahmeeinrichtung in Steinbach: Von hier aus soll’S für möglichst viele Geflüchtete in geschützte vier Wände gehen.

Mit kleinen Häusern in Holzmodulbauweise soll der wachsende Raumbedarf für Flüchtlinge im Donnersbergkreis gedeckt werden. Die Wohngelegenheiten sollen quer durch den Kreis verteilt entstehen. Das Thema Containerdörfer ist dennoch noch nicht vom Tisch.

„Das ganz normale Flüchtlingsgeschehen wie in früheren Jahren gibt es natürlich auch noch“, sagt Reiner Bauer, Wirtschaftsförderer und Kreisentwickler. Aber klar, die Menschen, die aus der Ukraine flüchten, kämen noch hinzu und bildeten derzeit die „mit Abstand größte Gruppe“. Rund 750 Geflüchtete seien in den vergangenen vier Monaten in der Region untergekommen, sagt Bauer. Einige davon lebten noch in der Aufnahmeeinrichtung in der Steinbacher Jugendherberge, die meisten aber hätten eine Bleibe gefunden – hauptsächlich auf dem freien Wohnungsmarkt, wo Kommunen und Deutsches Rotes Kreuz bei der Vermittlung unter die Arme griffen.

Zusätzlicher Wohnraum wird benötigt

Doch Wohnraum ist allgemein stark nachgefragt. „Es gibt noch Leerstände“, weiß Bauer, „aber wir müssen uns Gedanken machen“. Zu einer Verdrängung auf dem Wohnungsmarkt dürfe es nicht kommen, sagt er – sprich, dass am Ende ein Wettbewerb entsteht zwischen privaten Interessenten und Kommunen, die Geflüchtete unterbringen wollen. „Daher brauchen wir in jedem Fall zusätzliche Kapazitäten.“

Ende Mai hatte Landrat Rainer Guth angekündigt, dass eines oder mehrere Containerdörfer im Donnersbergkreis entstehen könnten, die Planungen begonnen hätten. Noch ehe eine Entscheidung bezüglich etwaiger Standorte gefallen sei, prüfe der Kreis nun jedoch eine weitere Variante, schildert Bauer: kleinere Häuser in Holzmodulbauweise, die nicht als größere Siedlung, sondern dezentral an verschiedenen Standorten errichtet werden sollen.

Den großen Vorteil dieser Variante sieht der Standortentwickler der Kreisverwaltung in der Nachhaltigkeit: Denn solche Bauten könnten konkret auf eine Folgenutzung ausgerichtet werden. „Sie können später als Ferienwohnungen dienen oder als Appartements für junge Leute“, schlägt Bauer vor. Eine weitere Möglichkeit sei, die Holzhäuser an „campusorientierten Standorten sozialer Einrichtungen“ zu errichten und später für Wohngruppen zu nutzen.

Später womöglich Jugendräume

Auf zwei Säulen soll das Vorhaben laut Reiner Bauer stehen: Zum einen sollen sich private Investoren beteiligen, zum anderen Kommunen. „Da benötigen wir eine gute Mischung für optimale Leistungsfähigkeit“, sagt er. Für alle Bauherren gilt der gleiche Plan: Nach einer Vereinbarung mit dem Sozialamt stellt der Investor das Grundstück, erwirbt oder errichtet den Wohnraum. Das Sozialamt mietet das Objekt für einen zuvor festgelegten Zeitraum und behebt vor der Rückgabe etwaige Schäden. Somit sei schon ein Teil der Investitionskosten durch die vereinbarten Mietzahlungen gedeckt. Kommunen könnten die Bauten langfristig beispielsweise als Jugendraum nutzen. Auch sei es denkbar, sie langfristig für Geflüchtete zu vermieten – oder für Betreuungsprojekte des Sozial- oder Jugendamts oder auch ganz allgemein als bezahlbarer Wohnraum.

Bauer macht weitere Vorteile dieses neuen Plans aus: „Vereinzelte Standorte wären für die Integration viel besser als ein Containerdorf.“ Und: Sollte sich der Platzbedarf für Flüchtlinge irgendwann nachhaltig reduzieren, „könnte man stufenweise umnutzen. Das wäre bei einem Containerdorf auch schwierig.“ Zudem würde diese Lösung auf eine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung treffen, ist sich Bauer sicher.

Unternehmen und Bürgermeister sind interessiert

Mit einigen lokalen Holzbauunternehmen sowie den Bürgermeistern der Verbandsgemeinden hat er bereits gesprochen. Von beiden Seiten sei der Vorschlag als interessant erachtet worden. Im Idealfall könnten die Gebäude aus lokalem Holz von lokalen Unternehmen errichtet werden, dank der Bauweise schnell bezugsfähig sein. Unabhängig davon seien aber selbstredend auch „ganz normale Mietobjekte weiterhin interessant“, unterstreicht der Standortentwickler.

Und auch die Container sind noch nicht vom Tisch. „Wenn es richtig schnell gehen müsste“, sagt Bauer und verweist auf die unsicheren Wirtschafts- und Sicherheitslage, „dann hat man Container heute gekauft und im Idealfall morgen da stehen.“ Ob es in einem solchen Fall gleich ein Dorf würde oder mehrere kleine Lösungen, das stehe aber in den Sternen.

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