Börrstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Nach vier Jahren: Jüdischer Friedhof hat neuen Zaun

Sieht gut aus: Der neue Zaun um den jüdischen Friedhof in Börrstadt. Im Hintergrund von links: Ortsbürgermeister Torsten Windeck
Sieht gut aus: Der neue Zaun um den jüdischen Friedhof in Börrstadt. Im Hintergrund von links: Ortsbürgermeister Torsten Windecker, Eberhard Dittus, Beauftragter für Gedenkstättenarbeit der Evangelischen Kirche der Pfalz, und Slava Nechitajlo von der jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz in Speyer.

Vier Jahre hat es gedauert, um den maroden Zaun am alten jüdischen Friedhof in Börrstadt zu ersetzen. Dafür ist das Ergebnis jetzt umso ansehnlicher.

Kürzlich in Börrstadt, auf einer Anhöhe außerhalb des Dorfes. Trotz des windigen, regnerischen Morgens steht Ortschef Torsten Windecker die Freude ins Gesicht geschrieben. Endlich kann er Vollzug melden: Anstelle einer morschen, verpilzten, halbverfaulten Holzkonstruktion, der auch noch zahlreiche Latten fehlten, hat der alte jüdische Friedhof wieder einen ordentlichen, stabilen Zaun.

Das macht auch Eberhard Dittus und Slava Nechitajlo Laune. Die beiden sind eigens zur Abnahme des Zauns von Speyer nach Börrstadt gekommen. Nechitajlo ist Mitglied der jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz. Ihr gehören die 80 jüdischen Friedhöfe in der Pfalz, und Nechitajlo ist der offizielle Friedhofsbeauftragte. Unterstützt wird er von Dittus, der für die Gedenkstättenarbeit der Evangelischen Kirche tätig ist. Regelmäßig überprüfen die beiden, ob die Friedhöfe in ihrer Obhut ordnungsgemäß gepflegt und unterhalten werden. Denn das ist nicht Aufgabe der Kultusgemeinde, sondern Pflicht der Kommune, in deren Gemarkung sich der jeweilige jüdische Friedhof befindet.

5000 Euro sind viel, wenn die Kasse leer ist

Genau das war vor vier Jahren das Problem. Auf einer ihrer Besichtigungstouren war den beiden Friedhofsbeauftragten der schlechte Zustand des Börrstadter Zauns aufgefallen, weswegen sie die Gemeinde darauf aufmerksam gemacht hatten. Die tat sich indes nicht leicht mit der Instandsetzung, denn ein neuer Zaun kostet. In diesem Fall geschätzte 5000 Euro. Für eine Gemeinde, die ohnehin rote Zahlen schreibt, keine Kleinigkeit. Zwar gibt es für solche Aufgaben Zuschüsse, die liegen aber meist weit unter den tatsächlichen Kosten. Im Gespräch mit der RHEINPFALZ hatte Windecker damals gehofft, dass sich Spender finden würden. Doch daraus wurde nichts, die Gemeinde Börrstadt blieb auf sich allein gestellt.

Was also tun? – „Letzten Endes haben wir es aus eigener Kraft geschafft“, sagt Windecker. Dabei habe man auch ein klein wenig die Regeln gebeugt: „Zuerst haben wir die Zuschüsse vier Jahre lang angespart. Das wird eigentlich nicht so gerne gesehen, weil man den Zuschuss streng genommen in dem Jahr ausgeben soll, für das man ihn bekommt. Aber wir hatten keine andere Möglichkeit. Als wir das Geld für das Material zusammen hatten, haben wir das Holz besorgt. Die Montage hat dann unser Gemeindearbeiter erledigt, das hat uns viele Arbeitsstunden gespart.“ Windecker selbst nahm anschließend die Wurzelbürste in die Hand und reinigte den Gedenkstein von Dreck, Moos und Flechten.

Friedhof wurde nur kurze Zeit genutzt

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Holzlatten sind solide, und da sie neu sind, leuchten sie noch in einem satten Gelbton, der aber im Laufe der Zeit durch die Witterung verblassen wird. „Das ist ja schon vom Dorf aus zu erkennen“, freut sich Nechitajlo. Dittus weist auf das Potenzial des Friedhofs als Kulturdenkmal hin und regt an, im Dorf eine entsprechende Beschilderung anzubringen. Daran sei bereits gedacht, stimmt Windecker zu, zumal direkt an dem Friedhof einer der Wege zur Wallfahrtskapelle im Wald vorbeiführe, der auch von Wanderern gern genutzt werde. Ein Hinweisschild direkt am Friedhof gibt es bereits.

Somit bleibt auch die Erinnerung an die Börrstadter Juden wach, die seit 1733 in der Gemeinde nachweisbar sind. Der Friedhof entstand um 1840, davor begruben sie ihre Toten in Steinbach. In Gebrauch war die Börrstadter Begräbnisstätte allerdings nur kurz, da die jüdische Gemeinde sich bereits 1854 auflöste und nach 1885 keine Juden mehr im Dorf lebten. Endgültig zerstört wurde er 1937. Die Grabsteinreste und die Steine der damals noch vorhandenen Mauer wurden für den Bau eines Arbeitsdienstlagers verwendet. 1964 wurde das Grundstück wieder hergerichtet: mit dem Gedenkstein und einem einfachen Holzzaun als Einfriedung.

Was den neuen Zaun angeht, so hat Windecker die Hoffnung auf Entlastung der Gemeindekasse durch einige Spenden noch nicht ganz aufgegeben: „Auch kleinere Beträge wären willkommen.“

Spendenkonto

Bank: Sparkasse Donnersberg
IBAN: DE94 5405 1990 0080 0000 45
Verwendungszweck: Jüdischer Friedhof Börrstadt

So sah der Zaun vor knapp vier Jahren aus: Auf den ersten Blick ganz in Ordnung, tatsächlich aber morsch und wacklig.
So sah der Zaun vor knapp vier Jahren aus: Auf den ersten Blick ganz in Ordnung, tatsächlich aber morsch und wacklig.
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