Börrstadt
Gemeinde muss Zaun um jüdischen Friedhof ersetzen
In der Nordpfalz gibt es zahlreiche jüdische Friedhöfe. Was sie grundsätzlich von christlichen Friedhöfen unterscheidet, ist das Recht der ewigen Ruhe. Das bedeutet, dass die Gräber nicht abgeräumt und die Friedhöfe nicht aufgelassen werden dürfen. Deshalb finden sich auf vielen jüdischen Friedhöfen noch alte Grabsteine, zum Teil aus dem 18. Jahrhundert.
Das macht sie einerseits zu wertvollen Kulturdenkmälern, die selbstverständlich unter Denkmalschutz stehen, bedeutet andererseits aber auch eine ganz besondere Verantwortung: Die Ruheorte müssen gepflegt und instandgehalten werden. Das ist in Deutschland eine kommunale Pflichtaufgabe, was bedeutet, dass sich in der Regel die Ortsgemeinden darum kümmern.
Für diese Aufgabe gibt es jährlich Pflegepauschalen, die aber oft unter den tatsächlichen Kosten liegen. Ungeachtet dessen bleibt der Friedhof als Einrichtung im Besitz der jeweiligen jüdischen Kultusgemeinde. Für die Nordpfalz ist das die Kultusgemeinde der Rheinpfalz mit Sitz in Speyer.
Der Beauftragte der Kultusgemeinde für die insgesamt 80 pfälzischen Friedhöfe ist Slava Nechitajlo. Er wird ehrenamtlich unterstützt von Eberhard Dittus, dem Beauftragten für Gedenkstättenarbeit der Evangelischen Kirche der Pfalz. Sie überwachen die Betreuung der Friedhöfe und beraten die Ortsgemeinden bei der Instandsetzung.
Friedhof nur kurz in Gebrauch
Der jüdische Friedhof in Börrstadt befindet sich auf einer kleinen Anhöhe in der Nähe des kommunalen Friedhofs. Angelegt wurde er um 1840. Davor nutzten die Börrstadter Juden, die in der Gemeinde seit 1733 nachweisbar sind, den Friedhof in Steinbach mit. Weil im 19. Jahrhundert zahlreiche jüdische Bürger des Orts ab- und auswanderten und die jüdische Gemeinde bereits 1854 aufgelöst wurde, war der Börrstadter Friedhof tatsächlich nur kurze Zeit in Gebrauch. Nach 1885 lebten jedenfalls keine Juden mehr im Dorf.
Endgültig zerstört wurde der Friedhof 1937 von Nationalsozialisten. Grabsteinreste und die Steine der Mauer sollen als Fundamente eines damals gebauten Arbeitsdienstlagers verwendet worden sein. 1964 wurde das Grundstück wieder hergerichtet, ein Gedenkstein aufgestellt und das Gelände mit einem Holzzaun eingefriedet.
Um diesen Zaun geht es aktuell. Er ist zwar noch weitgehend intakt, aber morsch, verpilzt und stellenweise angefault. Darauf haben die beiden Friedhofsbeauftragten die Gemeinde jetzt aufmrksam gemacht. Außerdem haben sie angeregt, dass es entsprechende Hinweisschilder geben sollte. Sowohl Wegweiser innerorts als auch eine Erklärtafel am Eingang des Kulturdenkmals.
Eine grobe Schätzung ergab, dass alles zusammen um die 5000 Euro kosten könnte, von der Gemeinde zu bezahlen. Die aber schreibt ohnehin schon rote Zahlen. Deshalb hofft Ortsbürgermeister Torsten Windecker auf Hilfe. „Alles, was die Gemeinde entlasten kann, ist willkommen“, sagt er. Das könne eine Geld- oder Materialspende sein, das könne aber auch freiwillige Mitarbeit am Arbeitseinsatz sein, „denn eine Firma zu bestellen, käme natürlich viel teurer“, so der Ortschef.
Ideal wäre natürlich der Vorschlag von Eberhard Dittus, dass nämlich ein Holzverarbeitungsbetrieb das Material zum Selbstkostenpreis besorgen oder spenden könnte. Er werde zunächst einmal in Frage kommende Betriebe ansprechen, sagte Windecker dazu. Was die freiwillige Arbeit angehe, da sei er optimistisch: „Wir haben einen Rentnertrupp im Ort, der könnte sich da einbringen.“
Jetzt muss aber als erstes eine Kostenkalkulation erstellt werden, danach kann man auch die Suche nach möglichen Fördertöpfen gehen. Das Thema wird jedenfalls in der nächsten Zeit den Gemeinderat beschäftigen.