Donnersberger Weinwelten
Martinspforte: Wein von Kunst und Musik veredelt
„Bereits in der sechsten Generation besteht das Weingut als kleiner, feiner Familienbetrieb“, sagt Jörg Bayer stolz zu seinem Weingut in Einselthum, das er mit seinen zehn Hektar Anbaufläche gemeinsam mit seiner Frau Ilona führt. Entwickelt hat es sich aus einer klassischen gemischten Landwirtschaft, die neben dem Weinbau noch Felder und Tiere zum Lebenserwerb versorgen musste. Jörg Bayers Eltern Herbert und Bärbel, sie Geflügelfachfrau und er Winzermeister und Landwirt, stellten dann die Weichen zum heutigen Sekt- und Weingut Martinspforte. Herbert Bayer war es auch, der sich außer zur Erzeugung der Weine zum einen dann als Kunstfreund und zum anderen als Marketing-Fachmann entwickelte.
Ende der siebziger Jahre baute Herbert Bayer seinen Hof um. In der sogenannten „Kuhkapelle“, dem alten Kuhstall mit wunderschönem Kreuzgewölbe, entstand die Vinothek und Weinprobierstube, die immer wieder Ort für die unterschiedlichsten Kunstausstellungen wurde. Herbert Bayer war auch in den frühen Siebzigern maßgeblich mit an der Entstehung der Einselthumer Weinkerwe beteiligt, als einer der Gründerväter sorgte er dafür, dass sein Heimatdorf und das Zellertal in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhundert weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt wurden. Damit einher ging auch die Gründung der Institution der Weinritter, die Menschen mit dem Einselthumer Ritterschlag auszeichneten, die sich als Werbeträger für die Zellertaler Weinwelt profiliert hatten. Herbert Bayer war als sogenannter „Siegelbewahrer“ Motor der Weinritter und stets Ansprechpartner für die Zellertaler Weinhoheiten, seit diesem Jahr hat er das Amt an seinen Sohn Jörg abgegeben.
Teamarbeit gefragt
In der Praxis heißt das, dass sich Jörg Bayer nicht nur um seinen Weinkeller kümmert, sondern auch um die Unterstützung der Zellertaler Weinhoheiten. Das ist langgeübte Familientradition, denn seine Schwester Jutta hatte 1985/86 das Amt der Weinprinzessin inne, seine beiden Töchter Kathrin und Emily waren 2017 und 2018 beziehungsweise 2021 und 2022 Einselthumer Werbefrauen. Nur die jüngste im Bunde, Antonia, konnte sich bis jetzt nicht für eine Prinzessinnenzeit erwärmen, aber allen drei Mädchen ist die Arbeit im elterlichen Weingut nicht fremd. „So einen Betrieb zu stemmen, das ist schon Teamarbeit, und da ist es schön, wenn die Familie mitzieht“, sagt Ilona Bayer, die als Seiteneinsteigerin in die Wein- und Winzerwelt gekommen ist.
Kunst und Wein hat bei Bayers lange Tradition – und der dazugehörige unternehmerische Mut ebenfalls. Als Novum im Zellertal begann Familie Bayer, ihre Weine mit Künstler-Etiketten zu versehen. Dabei erhielten die großen Weine der Martinspforte ihre Visitenkarte von Künstlern aus der Region wie Hermann Hoormann, Karl Unverzagt, Detlov von Borries und Uli Lamp. So manche Kunstausstellung bereicherte den Weingenuss, oft ergänzten sie den Jazz-Frühschoppen, den Bayers im Anschluss an die Weinkerwe im sommerlichen Ambiente eingeführt hatten. Auch hier kamen gute und große Musikernamen zu Gehör, so gehörte die Frankfurter Barrelhouse Jazz-Band viele Jahre mit ihren New-Orleans-Klängen zu den festen Musikgästen, die zahlreiche Gäste allein schon wegen ihrem Sound ins Weingut lockten. Bis, ja, immer wieder, bis Corona alles zum Erliegen brachte – doch schlug die Pandemie in der Martinspforte keine tieferen Wunden. „Dank unserer treuen Weinkunden sind wir sehr gut über die Runden gekommen“, so Bayer. Die jahrelange Kundenpflege der letzten beiden Generationen hatte sich ausgezahlt.
Wieso „Martinspforte“?
Doch wie kam die Martinspforte zu ihrem Namen, der sogar als Markenzeichen beim Patentamt geschützt und eingetragen ist? „In weiser Voraussicht hat dies mein Vater schon 1990 eintragen lassen. Zum einen ist der Name der betreibenden Familie dann nicht so wichtig, zum anderen haben wir damit auch gleich unseren Lagennamen ins Spiel gebracht. So ist das klassisch zeitlos, so wie wir auch unsere Etiketten bis heute gestalten.“ In frühen Zeiten, als in Einselthum noch das Martinsstift zuhause war, gehörte schon der heutige Hof zu seinen Mauern. Da lag es nahe, auch das alte Weingut danach zu benennen.
2007 hat Jörg Bayer noch einmal das Fasslager vergrößert und kann jetzt seiner Weinphilosophie ganz intensiv nachgehen. „Der richtige Wein, zur richtigen Zeit, ins richtige Fass, und dann stimmt es mit der besonderen Güte“, erläutert er. Bereits seit der Jahrtausendwende werden Cabernet-Sorten angebaut, so dass heute neben dem Klassiker Riesling auch rote Tropfen die Palette der Weine bereichern. Besonders stolz sind die Bayers darauf, dass ihr Cabernet Cubin sogar im Weinland Frankreich zu Lob und Anerkennung kam und der renommierte Meininger Verlag regelmäßig die Weine der Martinspforte mit hoher und höchster Punktzahl auszeichnet.
„Innovation gehört dazu“
Ob innovativ im Keller, wie mit seinem Jahrgangscuvee, oder beim Organisieren von Wein- und Kunst-Aktionen, die Bayers scheuen sich nicht vor neuen Wegen. „Innovation gehört dazu“, so Jörg Bayer. So hatte im Sommer CCR, „Clearwater Creedence Revival“ mit Musik der Kultband der 60er und 70er Jahre das Weingut gerockt und Hunderte Besucher angelockt. „Die Stimmung war genial, auch bei den Musikern, die wieder zu uns kommen wollen“, erinnert sich Bayer. Für den Sommer 2024 schwebt ihm eine Art Musikfestival im Zellertal vor, doch da ist er noch in der Planung mit Kollegen und Institutionen. „Wir haben schon Kontakte zu den Künstlervertretern der Animals, Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick and Titch und den Drifters aufgenommen, wenn die alle kommen würden, das wäre schon super“, schwärmt Jörg Bayer. Doch fest steht schon der Auftritt der Glam-Rock-Legende „The Rubettes“ am 21. Juni im nächsten Jahr in der Martinspforte, die in den Siebzigern die internationalen Hitparaden mit Titeln wie Sugar Baby Love oder Juke Box Jive stürmten.
„Das Organisieren solcher Events ist ebenso spannend wie der Wein, und mir fällt immer ein Stein vom Herzen, wenn es wieder geklappt hat“, lacht Ilona Bayer. Sie ist für die Organisation der Veranstaltungen zuständig – doch auch hier läuft wie vieles im Team. Wein ohne Kulturgenuss können sich die Bayers nicht vorstellen und wollen diese Tradition in ihrem Haus noch lange fortführen.
Weinwissen: Zellertal
Das Zellertal hat viele Besonderheiten. Es ist das bundesweit einzige Tal, das zwei Weinbauregionen, nämlich der Pfalz und Rheinhessen, angehört. Es ist das nördlichste Weinbaugebiet der Pfalz und hat sich den Ruf erworben, das i-Tüpfelchen der Deutschen Weinstraße zu sein. Die von zirka 40 Weingütern zwischen Marnheim und Monsheim bewirtschaftete Rebfläche umfasst etwa 100 Hektar mit der Großlage Schnepfenflug vom Zellertal und weiteren bekannten Weinlagen wie Zeller Schwarzer Herrgott, Herrgottsblick, Klosterstück, Königsweg und Kreuzberg. Weine der heute neun Hektar umfassenden Lage „Schwarzer Herrgott“ wurden schon Ende des 19. Jahrhunderts gerühmt und an vornehmen Adressen ausgeschenkt, angeblich sogar im Berliner Hotel Adlon.

Dürfen wir nachschenken?
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