Jakobsweiler
Marc Wagner strampelt für Bäume im Donnersbergkreis
Früh morgens – es ist noch dunkel – fährt Marc Wagner mit dem Fahrrad zur Arbeit, als ihn plötzlich ein Hund angreift und in den Knöchel beißt. Der Hund trifft ihn „zum Glück“ nur am Knochen und verletzt damit keine Sehnen in Fuß oder Bein. Jeder andere hätte vermutlich nach diesem Vorfall aufgegeben, nicht aber Marc Wagner. Er telefoniert mit seiner Frau, steht auf und fährt die restlichen 26 Kilometer zu seinem Arbeitsplatz.
Marc Wagner ist Bewegungsmanager im Donnersbergkreis, erster Vorsitzender der Vikings Muay Thai in Marnheim und fährt jeden Dienstag mit dem Fahrrad 30 Kilometer zur Arbeit nach Kaiserslautern. Und das Ganze ohne E-Bike. Es gibt mehrere Gründe, warum er sich seit Juli diesen Strapazen aussetzt. Zum einen möchte er Geld sammeln, um Bäume zu pflanzen. Dafür sucht er Spender, die pro Kilometer einen Festbetrag zahlen. Zum anderen möchte er die Fahrradwege im Donnersbergkreis testen. Dafür wählt er unterschiedliche Wege für seine Fahrt von Jakobsweiler nach Kaiserslautern.
Radwege: null bis fünf Sterne
„Manche Fahrradwege sind sehr gut ausgebaut“, erzählt der Bewegungsmanager. „Da würde ich vier bis fünf Sterne geben. Andere Fahrradwege verdienen aber keinen einzigen Stern.“ Denn die Wege haben zum Teil Löcher, sind geschottert oder gar nicht vorhanden. An mehreren Stellen muss Marc Wagner deshalb über vielbefahrene Straßen strampeln, auf denen Autofahrer ihn dicht überholen. „Da hast du das Totenhemd an“, sagt Wagner und erzählt, wie er von Autofahrern auch mal beim Abbiegen oder Rückwärtsausparken übersehen wird.
Marc Wagner organisiert auch die Baumguard-Aktion mit – eine Bewegungsaktion im Donnersbergkreis. „Es ist ein zusätzliches Angebot zu den Vereinen, für Menschen, die keinen Sport machen“, sagt er. Die Teilnehmer können kostenlos fünfzehn Aktionen absolvieren, bei zehn erfolgreich abgeschlossenen gibt es eine Siegerurkunde. Bei 15 eine Ehrenurkunde. In einen Baumguard-Pass wird für jede bestandene Station ein Aufkleber geklebt. Unter den Teilnehmern mit Urkunde werden Gutscheine verlost.
Die Stationen reichen von Thaiboxen über einen Bienenlehrfahrt bis hin zu einer Schatzsuche in der Erlebniswelt Imsbach. Die Baumguard-Aktion wird von vierzehn Institution unterstützt und organisiert. Darunter sind neben Sportvereinen auch das Forstamt, die freiwillige Feuerwehr und die Landfrauen. Bislang wurden schon mehr als 500 Baumguard-Pässe verteilt. „Wahrscheinlich sind es aber einige mehr, die ohne Pass die Stationen machen“, meint Wagner.
Bei „Sterne des Sports“ ausgezeichnet“
Das Projekt hat mehrere positive Effekte: Die Stationen sorgen nicht nur dafür, dass Menschen aller Altersgruppen sich mehr bewegen, sondern fördern auch die Vereine. So zum Beispiel auch die Freiwillige Feuerwehr, die dringend Mitglieder braucht. Die Gutscheine, die am Ende verlost werden, sollen dem Einzelhandel rund um den Donnersberg helfen.
Beim Wettbewerb „Sterne des Sports“ des Deutschen Olympischen Sportbunds und der Volks- und Raiffeisenbanken gab’s dafür kürzlich die mit 2000 Euro dotierte Bronze-Auszeichnung – auf lokaler Ebene. Als nächstes geht es dann auf Silber-Ebene, der Landesebene, weiter. Mit dem Preisgeld sollen – natürlich – Bäume gepflanzt werden.
Wagner braucht kein Hollywood mehr
Bis dahin strampelt Marc Wagner weiter auf seinem Fahrrad. Insgesamt, so sagt er, hatte er mehr positive als negative Erlebnisse bei seinen Fahrten. „Einmal ist mir ein Bus mit Abstand hinterhergefahren“, erzählt Wagner, „Ich habe mich gewundert, wieso er nicht überholt, bis mir klar geworden ist, dass er hinter mir bleibt, um mich zu schützen.“
Auf seinen Arbeitswegen ist für Marc Wagner noch ein ganz persönlicher Grund fürs Fahrradfahren hinzugekommen: „Man bekommt den Ehrgeiz, sich immer mehr steigern zu wollen“, sagt der Sportler. So konnte er es zum Beispiel nicht lassen, einen E-Bike Fahrer zu überholen. Außerdem bekomme er auf dem Rad viel mehr zu sehen als beim Autofahren. „Hollywood reizt mich nicht mehr“, sagt er und berichtet von seinen Erlebnissen. Mehrere Male flog ein Rotmilan mit ihm einen Teil der Strecke. Jeden Morgen sieht er Störche in ihrem Nest. Er hat schon Rehe entdeckt, Füchse und Feuersalamander. Wegen einer Froschwanderung musste er auch schon Slalom fahren. Auf seinen Fahrten lässt er die Seele baumeln und entdeckt Aussichtspunkte im Donnersbergkreis, von denen er noch gar nichts wusste. „Manchmal sitze ich auf dem Fahrrad und bin dankbar“, sagt der vierfache Familienvater.
Nachahmer westpfalzweit gesucht
Marc Wagner lädt jeden dazu ein, selbst mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren oder ihn auf einer seiner Fahrten zu begleiten. „Es ist ein Abenteuer“, befindet er. Zwei Freunde machen bereits mit. Einer fährt mit dem Rad nach Ludwigshafen zur Arbeit, der andere fährt in seiner Freizeit und spendet eine Pauschale. „Toll wäre es, wenn sich aus allen Landkreisen Leute anschließen würden“, sagt er. „Es geht darum etwas zu tun. Nicht nur zu reden.“ Wer ihn unterstützen und der Umwelt etwas Gutes tun möchte, kann pro Kilometer einen Festbetrag spenden. Von dem gesammelten Geld werden weitere Bäume im Donnersbergkreis gepflanzt.
Info
Marc Wagner fährt jeden Dienstag mit dem Fahrrad von Jakobsweiler nach Kaiserslautern. Für die zweimal 30 Kilometer braucht er auf der Hinfahrt eineinhalb Stunden, auf der Rückfahrt zwei Stunden. Um Geld für eine Baumpflanzaktion zu sammeln, sucht er Menschen, die pro dokumentierten Kilometer (per App) einen Festbetrag spenden. Noch bis Mitte Dezember möchte Wagner fahren. Wenn seine Kraft und Zeit es zulassen gerne auch noch donnerstags. Mit Unterstützung des Vereins Zukunftsregion Westpfalz sucht er nicht nur Sponsoren, sondern auch weitere Freiwillige, die ihren Arbeitsweg mit dem Fahrrad zurücklegen und damit Spenden generieren wollen – auch mindestens einen Einzelstarter oder ein Team in Stadt und Landkreis Kaiserslautern, im Kreis Kusel, dem Landkreis Südwestpfalz und den Städten Pirmasens und Zweibrücken. Die geleisteten Kilometer aller Teilnehmer werden am Ende addiert, veröffentlicht und „hoffentlich gut entlohnt“, wie er sagt. Interessierte Sponsoren oder Aktive können sich bei ihm melden unter vikings-muaythai@gmx.de.