Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Möglichkeiten für Menschen mit psychischen Belastungen

Wollen für Menschen in Not da sein: Alianet Schönfeld (links) und Susanne Frenzl vom sozialpsychiatrischen Dienst.
Wollen für Menschen in Not da sein: Alianet Schönfeld (links) und Susanne Frenzl vom sozialpsychiatrischen Dienst.

Die Suche nach einem Termin beim Psychotherapeuten gestaltet sich oftmals zäh. Der sozialpsychiatrische Dienst beim Gesundheitsamt will Abhilfe schaffen.

Durchschnittlich fünf Monate dauere es, bis ein Mensch mit einer psychischen Belastung einen Termin bei einem Therapeuten bekomme, hat die Bundespsychotherapeutenkammer ermittelt. „Das ist deutlich zu lang“, findet Peter Andreas Staub. Er ist Psychotherapeut und Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Rheinland-Pfalz und setzt sich seit Jahren dafür ein, die Bedarfsplanungen zu ändern. Wie sieht es im Donnersbergkreis mit der therapeutischen und psychiatrischen Versorgung aus?

Belastende Situationen erfordern schnelle Unterstützung

Die 23-jährige Julia aus Rockenhausen ist verzweifelt. Seit Wochen versucht sie, einen Termin in einer psychotherapeutischen Praxis zu bekommen – oder wenigstens auf einer Warteliste zu landen. „Es ist offensichtlich aussichtslos“, sagt sie. „In erreichbarer Nähe habe ich kein einziges akzeptables Angebot gefunden. Bis zu einem Jahr beträgt die Wartezeit.“ Ein wenig erleichtert fügt sie hinzu: „Aktuell besteht die Aussicht auf einen Platz in einer Südpfälzer Praxis – immerhin schon in drei Monaten.“

Im Donnersbergkreis mit seinen rund 76.000 Einwohnern gibt es 16 Psychotherapeuten und acht Kinder- und Jugendpsychotherapeuten. Die Situation ist wie überall: Es ist schwierig bis unmöglich, relativ schnell oder überhaupt einen Termin in einer therapeutischen oder psychiatrischen Praxis zu bekommen. Wer sich in einer belastenden Situation befindet, die sich oft unangekündigt einstellt, braucht aber meistens schnell Unterstützung. Die Aussicht auf einen Termin in etlichen Monaten wirkt da eher deprimierend.

Mehrere Selbsthilfegruppen im Kreis

Etwas Abhilfe schaffen die drei Sozialpädagoginnen im Gesundheitsamt in Kirchheimbolanden, die beim sozialpsychiatrischen Dienst arbeiten und zeitnah Hilfe anbieten. Susanne Frenzl, Sofie Pawlitza und Alianet Schönfeld sind an jedem Arbeitstag in der Woche erreichbar. „Bei uns kann man anrufen, wenn man in schwierigen Lebenslagen Unterstützung benötigt“, erklärt Frenzl. „Das muss nicht unbedingt der Betroffene selbst sein, auch Angehörige können sich an uns wenden.“ Meist lasse sich ein Termin für ein Gespräch innerhalb einer Woche arrangieren, in dem es allerdings nicht um Diagnostik oder Therapie gehe, sondern um Beratung und Begleitung, ergänzt Alianet Schönfeld und erläutert weiter: „Oft ist es gut, wenn man überhaupt schon einmal die Möglichkeit hat, sich jemandem anzuvertrauen und sein Herz auszuschütten. Selbstverständlich unterliegen wir der Schweigepflicht.“ Aber dabei bleibe es nicht, berichten die Sozialpädagoginnen: „Weitere Treffen können vereinbart werden, bei denen über die Aktivierung von vorhandenen Ressourcen, Alternativen und Perspektiven gesprochen wird. Und wir vermitteln auch gern den Kontakt zu den existierenden Selbsthilfegruppen.“

Im Donnersbergkreis gibt es welche in Winnweiler, Kirchheimbolanden und Rockenhausen, in Göllheim sowie zwei in Eisenberg. Informationen mit Kontaktdaten finden sich auf den Internetseiten der Kreisverwaltung. „Das sind Gruppen, die jedem offenstehen, der bei psychischen Belastungen Unterstützung braucht“, erklärt Susanne Frenzl. „Sie werden gut angenommen und tun den Teilnehmenden nach unserer Erfahrung gut. Auch hier sind die Gespräche selbstverständlich vertraulich.“

Kontakt zum Team „Zuhause-Behandlung“

Manchmal werde auch der Kontakt zum Team „Zuhause-Behandlung“ in Rockenhausen hergestellt. Das ist eine multiprofessionell aufgestellte Gruppe von zwölf Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Pfalzklinikums, die psychiatrisch und therapeutisch ausgebildet sind: Psychotherapeuten, Ärzte, Pfleger, Krankenschwestern. Sie kümmern sich um Patienten, die eigentlich stationär behandelt werden müssten, für die aus unterschiedlichen Gründen ein Krankenhausaufenthalt aber nicht möglich ist. „Aktuell sind 20 Patienten in der Akutversorgung, 40 gibt es in der Langzeitbetreuung“, berichtet Teamleiter Thorsten Lenz.

Susanne Frenzl und Alianet Schönfeld sind sehr froh darüber, dass es diese Anlaufstelle gibt: „Der Kontakt gestaltet sich unkompliziert und effektiv. Und das ist vor allen Dingen deswegen gut, weil der Bedarf an therapeutischer Betreuung nach unserer Wahrnehmung nicht nur nicht abnimmt, sondern stetig steigt.“

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