Donnersbergkreis Liesel, das Nutella und die Nasa

„Nanny Liesel“ im rosafarbenen Oberteil Mitte der 1970er Jahre im Kreise ihrer Schützlinge. Karen, damals drei Jahre alt, ist au
»Nanny Liesel« im rosafarbenen Oberteil Mitte der 1970er Jahre im Kreise ihrer Schützlinge. Karen, damals drei Jahre alt, ist auf dem Foto das dritte Kind von rechts. Ganz links ist ihr älterer Bruder Brian .

Karen James aus dem US-Bundesstaat Maine zählt zu den führenden Fachleuten, wenn es darum geht, Pflanzenarten anhand ihrer Gene zu bestimmen. Die Fachfrau für das sogenannte „DNA Barcoding“ lebte Mitte der 1970er als Tochter eines US-Offiziers in Mackenbach – und hatte nun über Twitter ihrer früheren deutschen „Nanny“ ein rührendes Kompliment gemacht.

Am Anfang stand das Nutella. Ende Januar kursierte in den Sozialen Netzwerken ein Video: Darin lieferten sich Kunden eines französischen Supermarkts eine regelrechte Schlacht um die Bestände der bekannten Nuss-Nougat-Creme, die ungewohnt günstig zu haben war. Die Rabattschlacht fand auch Eingang bei Twitter. Karen James nahm den dortigen „Nutella-Trend“ zum Anlass, über das Online-Medium in mehreren Etappen eine sehr persönliche Geschichte zu erzählen, die ebenfalls mit dem beliebten Brotaufstrich zu tun hat. „Als ich ein kleines Kind war, lebten wir Mitte der 1970er in einem Apartment in Mackenbach. Mein Vater war auf der Airbase Ramstein stationiert“, berichtet sie. „Liesel, die weltbeste Babysitterin, kümmerte sich manchmal über mehrere Tage hinweg um mich, wenn meine Eltern und mein Bruder zum Skifahren in der Schweiz waren.“ Dabei machte die pfälzische Tagesmutter Karen nicht nur mit Gummibärchen, sondern auch mit Nutella vertraut, wie die Amerikanerin auf Twitter berichtet: „Sie wirkte auf mich wie ein übernatürliches Wesen – ähnlich der Weißen Hexe, die Edmund in den Narnia-Büchern mit Türkischem Honig verzaubert. Nur dass Liesel eben kein bisschen böse war, sondern lustig und nett. Sehr nett sogar – ich war total vernarrt in sie!“ Einige Zeit danach zog Familie James zurück in die Staaten, nach Virgina, wo Karens Vater im Pentagon arbeitete. „Aber: Nirgendwo Nutella!“, schildert die Amerikanerin ihre Sehnsucht nach dem „German Brotaufstrich“, der vor der Globalisierung und dem Internet in den USA nicht zu bekommen gewesen sei. Jahre später habe ihre Mutter ihr einmal zu Weihnachten ein kleines Glas Nutella geschenkt, das sie für viel Geld in einem Import-Shop erstanden hatte. „Ich verehrte es wie einen Schatz und wurde von nostalgischen Gefühlen regelrecht überwältigt.“ Auch der Wunsch, die frühere Babysitterin wieder zu sehen, sei erwacht. „Leider habe ich nie wieder etwas von Liesel gehört. Vielleicht gibt es sie ja noch und sie erinnert sich daran, wie sie einst ein kleines amerikanisches Mädchen verwöhnte, dessen Vater auf der Air Base gearbeitet hat. Ich würde ihr gerne danken für ihre Güte (und das Nutella), mehr über ihr Leben erfahren und sie fragen, ob sie sich noch an mich und meine Familie erinnert“, schreibt Karen auf Twitter. Karen ist die Tochter von John und Linda James und hat einen älteren Bruder namens Brian. Aus dem kleinen Mädchen von damals ist eine international renommierte Botanikerin geworden. Die heute 44-Jährige ist in einem Labor in Bar Harbor im äußersten Nordosten der USA beschäftigt. Sie arbeitet unter anderem mit der Weltraumbehörde Nasa zusammen und gehört sogar dem erweiterten Bewerberkreis für zukünftige Astronauten-Missionen an. Zahlreiche Westpfälzer reagierten auf die Geschichte der Amerikanerin. Obwohl sie nur den Vornamen „Liesel“ kannte und lediglich ein 40 Jahre altes Foto zur Suche beisteuern konnte, erkannten etliche Bürger die Tagesmutter und identifizierten sie als Lieselotte Korek. Ein Wiedersehen wird es leider nicht geben, denn Liesel Korek ist bereits 2009 verstorben, wie die Weilerbacher Verbandsgemeindeverwaltung auf RHEINPFALZ-Anfrage bestätigte. Die Nanny-Suche endet also ohne Happy End.

x