Kirchheimbolanden RHEINPFALZ Plus Artikel Carola Rackete ruft zu entschlossenem Handeln für den Klimaschutz auf

Carola Rackete liest aus ihrem Buch „Handeln statt Hoffen – Aufruf an die letzte Generation“.
Carola Rackete liest aus ihrem Buch »Handeln statt Hoffen – Aufruf an die letzte Generation«.

Durch ihre Rettungsmissionen von Flüchtlingen im Mittelmeer, erlangte Carola Rackete große Aufmerksamkeit in Deutschland. Die Aktivistin setzt sich aber auch sehr für Veränderungen von Klima- und Umweltpolitik ein. Darüber sprach sie am Freitagabend in der Paulskirche in Kirchheimbolanden und eröffnete damit die Friedenstage der Stadt. Veränderung fängt für sie im Kleinen an, reiche aber noch lange nicht, um wirklich etwas zu bewegen.

„Handeln statt Hoffen – Aufruf an die letzte Generation“ – so lautet der Titel von Carola Racketes Buch, in dem es um viele Umweltthemen geht. „Mit der letzten Generation sind wir alle gemeint, alle die noch etwas tun können“, sagt Rackete zu Beginn. Und damit seien nicht nur Einzelmaßnahmen gemeint. Das sei zwar ein guter Anfang, sein eigenes Leben umzustellen, konsumkritisch zu sein und seine Entscheidungen ökologisch zu treffen, aber das reiche nicht. „Alle Menschen müssen sich politisch engagieren, mit dabei sein. Unsere Aufgabe ist es, ihnen dafür die richtigen Werkzeuge zu geben, ihnen zu zeigen, wohin sie sich wenden können, wenn sie etwas verändern wollen.“

Rackete kommt gerade aus Utzerath, einem Dorf in der Vulkaneifel, wo ein Bauer dagegen kämpft, enteignet zu werden, weil auf seinem Grundstück Braunkohle gewonnen werden soll. Sie ruft alle auf dorthinzukommen, um zu protestieren und den großen Energiefirmen den Kampf anzusagen. Auch auf die Politik müsse ständig Druck ausgeübt werden. „Wir müssen einfordern, dass das 1,5-Grad-Ziel eingehalten wird, müssen ständig neue Themen im Umwelt- und Klimaschutz setzen.“ Selbst bei einer grünen Regierung habe sie momentan keine Hoffnung, dass das ohne stetigen Druck auf die Parteien funktionieren kann. Ein Problem dabei ist in Racketes Augen die große schweigende Mehrheit, die sich nicht engagiert.

„Eine Frau, die den Preis verdient hat“

Im Dezember bekommt Carola Rackete den Friedenstagepreis der Stadt Kirchheimbolanden verliehen. Da sie in Norwegen wohnt, wurde der Termin für die Lesung aus ihrem Buch vorgezogen. „Es freut mich immer sehr, Auszeichnungen von kleineren Orten zu bekommen, weil das zeigt, dass das zivilgesellschaftliche Engagement, das Verständnis dafür überall ist“, erzählt Rackete, die aber lange nicht jeden Preis annimmt. Preise, die sie für Seenotrettung bekommt, reicht sie an die Organisation Sea Watch weiter. „Diesen Preis habe ich gerne angenommen, weil das gesamte zivilgesellschaftliche Engagement für die verschiedenen Themen gesehen wurde.“

Der Vorschlag, Carola Rackete mit dem Friedenstagepreis auszuzeichnen, kam von Jakob Grünewald aus Rüssingen. „Ich habe eine Dokumentation über die Rettungsaktion von Flüchtlingen im Mittelmeer gesehen. Daraufhin habe ich meinem Vater vorgeschlagen, das Buch von Carola Rackete meiner Schwester zu Weihnachten zu schenken“, erzählt der 18-Jährige. „Letztendlich habe ich es aber zuerst gelesen und war total fasziniert davon. Ich dachte, das ist eine Frau, die den Kirchheimbolandener Friedenstagepreis verdient hat.“ Seine Idee kam an, und so wurde der Preis an Rackete vergeben.

Lebhafte Diskussion

Weitere Themen, die Carola Rackete an diesem Abend zur Diskussion stellt, waren Klimawandel und Migration, der Natur- und Artenschutz und die richtige Strategie bei Protesten. Die Veranstalter und Carola Rackete selbst waren freudig überrascht, wie viele Menschen zu der Lesung am Freitagabend gekommen waren. Die Paulskirche war – bei entsprechenden Corona-Abständen – voll belegt. „Das Publikum hat wirklich sehr engagierte Fragen gestellt, und es hat mich auch gefreut, dass viele junge Leute da waren, die sich für gesellschaftliche Veränderung und Gerechtigkeit einsetzen“, sagte Rackete. Jakob Grünewald fand die Begegnung mit der Umweltaktivistin eindrucksvoll: „Ich fand es sehr aufschlussreich, weil sie wirklich sehr kritisch gerade die Zusammenhänge zwischen globaler Vernetzung und dem Klimawandel als strukturelles Problem aufdeckt hat.“

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