Donnersbergkreis Kirchheimbolanden: Lage bei Borg Warner weiter angespannt

Zusammenrücken in schwieriger Zeit: Geschäftsführung und Betriebsrat von Borg Warner in Kirchheimbolanden sprechen über verschie
Zusammenrücken in schwieriger Zeit: Geschäftsführung und Betriebsrat von Borg Warner in Kirchheimbolanden sprechen über verschiedene Maßnahmen, um auf weitere Absatzrückgänge vorbereitet zu sein.

Die Situation beim amerikanischen Automobilzulieferer Borg Warner ist weiterhin angespannt. Der Dieselskandal hat Auswirkungen auf das Werk in Kirchheimbolanden. Geschäftsführung und Betriebsrat überlegen, wie man den Standort für die Zukunft aufstellen kann. Dabei spielt auch ein Sozialplan eine Rolle.

Das Werk in der Donnersberger Kreisstadt bekommt die Folgen des Dieselskandals seit einiger Zeit zu spüren. Aufträge gehen zurück. Etwa 80 Prozent der in Kirchheimbolanden hergestellten Produkte sind laut Werkleiter Jürgen Adam für Dieselmotoren. „Die Absatzzahlen für Dieselfahrzeuge in Europa waren im Jahr 2018 deutlich rückläufig, und die vorherrschende Meinung ist, dass sich eine Erholung nicht abzeichnet“, sagt Marketingdirektor Günter Krämer.

Vorbereitung auf weitere Rückgänge

Deswegen hatten Werkleitung und Betriebsrat schon vor geraumer Zeit vereinbart, gemeinsam die Situation zu analysieren und dann Maßnahmen treffen zu wollen. Dieser Prozess dauere an, teilte Krämer auf eine Anfrage der RHEINPFALZ mit. „Vorausschauend sprechen Geschäftsführung und Betriebsrat über viele verschiedene Maßnahmen inklusive einem Interessensausgleich und Sozialplan, um auf weitere Absatzrückgänge vorbereitet zu sein“, berichtet der Marketingdirektor. Das Problem sei weiterhin, aus dem Gestrüpp der Informationen und einer fehlenden klaren Gesetzgebung eine möglichst realistische Ableitung für die Zukunft zu machen. Das hatten Werkleiter Adam und Betriebsratsvorsitzender Michael Zimmermann bereits im November bemängelt. „Das Jahr 2019 ist noch jung, und verlässliche Prognosen zum Dieselabsatz in den kommenden Monaten sind aufgrund der derzeitigen unsicheren Lage nicht einfach“, sagt auch Krämer – und fügt hinzu: „Der Standort und alle Verantwortlichen tun alles, um auf zukünftige Entwicklungen vorbereitet zu sein. Dies war immer eine Stärke des Standortes.“

Entwicklungszentrum bringt Vorteile

So sollen nicht nur die Produktionsmengen der Kirchheimbolander Entwicklung E-Booster, ein elektrisch angetriebener Verdichter, erweitert werden. „Auch beschäftigen wir uns seit Längerem intensiver mit Turboladern für Ottomotoren. Den klassischen zweistufigen Turbolader, was das Kernprodukt am Standort Kirchheimbolanden ist, werden wir tendenziell in Zukunft weniger haben“, hatte Adam im November mitgeteilt. Der Trend gehe eher in Richtung einstufige Lader für Ottomotoren. Und er gehe in Richtung Elektromobilität. Borg Warner beliefert bereits Fahrzeughersteller mit Elektromotoren. Zudem stellt das Unternehmen für Hybridfahrzeuge optimierte Turbolader her. Nicht zuletzt wird das auf dem Gelände in der Marnheimer Straße ebenfalls beheimatete weltweite Entwicklungszentrum mit rund 450 Mitarbeitern als großer Vorteil für das Werk in Kirchheimbolanden gesehen. So können in der Kleinen Residenz Prototypen nicht nur entwickelt, sondern auch in Serie produziert werden. Was den Einsatz von Leiharbeitskräften betrifft, so werde man weiter flexibel vorgehen und wie in der Vergangenheit auf Auftragsschwankungen reagieren müssen, kündigt der Marketingdirektor an.

Ziel ist Verkaufsabschluss

Jürgen Adam hat zum 1. Oktober 2018 die Leitung des rund 1850 Mitarbeiter zählenden Werkes in Kirchheimbolanden übernommen. Zuvor war er Leiter eines Borg-Warner-Werkes in Oberboihingen bei Stuttgart. Dort hat sich das Unternehmen Anfang Januar auf einen Verkauf des Standortes mit der Produktlinie Thermostate verständigt – wie auch für den Verkauf eines Standorts in Brasilien. Käufer ist die Arlington Industries Group mit Sitz in Manchester. So sehe man für diese Produktlinie bessere Zukunftsaussichten. Borg Warner selbst will sich auf Antriebssysteme für Hybrid-, Verbrennungs- und Elektrofahrzeuge konzentrieren. Ziel ist es, den Verkauf im ersten Quartal abzuschließen – vorbehaltlich der Freigabe durch die Kartellbehörden.

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