Donnersbergkreis
Kinder in der Krise: Online gegen Depression
Die 23-jährige Alina Diehl studiert Soziale Arbeit an der Hochschule Mannheim. Neben den Erkrankungen interessiert sie auch die Versorgung der Jugendlichen und jungen Erwachsenen im ländlich geprägten Donnersbergkreis. Man geht davon aus, dass rund 20 Prozent der Jugendlichen im Leben an mindestens einer psychischen Störung erkranken. Depressionen und Angststörungen führen die Liste der Erkrankungen an.
Die Deutsche Depressionshilfe gibt den Anteil der Zwölf- bis 17-Jährigen, die mit depressiven Störungen belastet sind, mit drei bis zehn Prozent an. Das bedeutet, dass – auch ohne Corona – in jeder Schulklasse im Schnitt zwei Schüler mit einer behandlungswürdigen Depression sitzen.
Große Unwissenheit über Hilfsangebote
Die Untersuchungen von Alina Diehl haben gezeigt, dass Isolation und Einsamkeit während der Lockdowns dazu führen, dass sich psychische Problematiken unter Schülern verschärfen: „Psychische Störungen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind in ihrer Aktualität und Relevanz unumstritten, auch wenn diese Tatsache nicht die Aufmerksamkeit bekommt, die sie benötigt. Für die Zukunft sollten Schulen, Jugendhilfe, das psychiatrische Versorgungssystem und die Sozialen Arbeiter diesen Umstand verstärkt in den Blick nehmen.“
Sie konstatiert ein großes Unwissen bei den Betroffenen beziehungsweise der Bevölkerung allgemein über verfügbare Hilfsangebote. Als problematisch beschreibt Alina Diehl den geringen Stellenschlüssel, speziell was präventive Angebote betrifft. Soweit Hilfsangebote im ländlichen Raum vorhanden sind, waren sie aufgrund der Lockdown-Situation häufig nicht greifbar. Bereits jetzt klagen zum Beispiel Psychotherapeuten über eine nicht zu bewältigende Nachfrage, das bestätigen auch niedergelassene Therapeuten im Donnersbergkreis.
Hilfe im Internet
Daher wurden Beratungsangebote im Internet deutlich ausgebaut. Zum Beispiel www.fideo.de: Eine Informationsseite der Deutschen Depressionshilfe, die sich speziell an Jugendliche wendet, einen Selbsttest zur eigenen Einschätzung und den direkten Austausch mit Experten und anderen Jugendlichen anbietet. Oder jugend.bke-beratung.de: Eine Seite der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung, die sich ebenfalls an Jugendliche mit Gesprächsbedarf wendet und diese in Form von Foren, Gruppen- und Expertenchats aufzufangen versucht. Unter eltern.bke-beratung.de finden auch Eltern gezielt Ansprechpartner und Unterstützung in schwierigen Erziehungssituationen.