Kirchheimbolanden
Kibo erleben auch für Sehbehinderte: Wo das Stadtrelief künftig stehen wird
Tastmodelle der Häuserzeilen, Plätze, Straßen und Gassen, die blinden Besuchern einen Eindruck von den Gegebenheiten vermitteln: Rund 150 dieser Bronzemodelle hat der nordrhein-westfälische Künstler Egbert Broerken mittlerweile installiert. In zahlreichen deutschen Städten von München bis Emden – die nächstgelegene ist Worms – sind solche Reliefs entstanden, teilweise Stadtmodelle, teilweise Einzelobjekte. Auch im europäischen Ausland, etwa in Straßburg, finden sich mittlerweile solche Stadtreliefs, die auch Sehende ansprechen und ihnen Orientierung geben sollen. Kirchheimbolanden wird die erste Stadt in der Pfalz sein.
Nun steht auch fest, wo das Relief künftig stehen wird. Wie es sich im Vorfeld bereits angedeutet hatte, hat sich der Ausschuss für Stadtentwicklung, Wirtschaft, Kultur und Tourismus für den Schlossplatz ausgesprochen – bei Enthaltungen zwar, aber ohne Gegenstimme, wie Stadtbürgermeister Marc Muchow berichtet.
Zu viele Reize auf dem Römerplatz
Am Schlossplatz wiederum gab es einige Möglichkeiten, die von den Ausschussmitgliedern unter die Lupe genommen wurden: vor der Bibliothek beispielsweise, an der Sitzbank unterm Baum oder an der Pflanzanlage in Richtung Schlossgarteneingang. Am Ende fiel die Wahl auf den Gehweg zwischen Parkplatz und Neuer Allee, zwischen Tourist-Info-Schild und Linde. Für den Stadtbürgermeister, der sich von Anfang an für den Schlossplatz ausgesprochen hatte, eine gute Lösung: „Dort wird ja auch ein Zugang zu den neuen Stadtführungen sein.“
Ideengeber Thomas Mayr, Organisator der Donnersberger Literaturtage und mittlerweile Stadtrats- und Ausschussmitglied, der 2020 angeregt hatte, eine solche Bronzeplastik für Kibo gestalten zu lassen, hatte ursprünglich einen Standort auf dem Römerplatz, in der Nähe des Touristik-Büros, im Blick gehabt. Dagegen habe zum einen ein ganz praktischer Aspekt gesprochen, berichtet Muchow: „Das Gelände vor dem Gebäude gehört nicht der Stadt.“ Zum anderen habe es Bedenken gegeben, dass das Relief womöglich nicht richtig zur Geltung komme. „Das wäre zu viel – neben der Wutz, den Sitzmöglichkeiten und bald auch dem Weinstand“, der bereits produziert werde.
Auch früherer Marktplatz als Option
Weitere Plätze in der Stadt seien im Ausschuss diskutiert worden. So zum Beispiel Jamill Sabbaghs Vorschlag, das Stadtrelief vor dem Hochzeitszimmer aufzustellen. Diese Option aber sei als ein wenig „zu weit ab vom Schuss“ empfunden worden. Auch der Platz vor der Paulskirche hatte zur Disposition gestanden. Den früheren Marktplatz hatte Wilfried Pick mit Hilfe des Reliefs wieder etwas mehr in den Fokus rücken wollen. Am Ende ihres Rundgangs durch die Stadt aber war sich die Mehrheit der Ausschussmitglieder sicher, dass es der Schlossplatz werden soll.
Über das Ergebnis werde nun der Stadtrat informiert, schildert Muchow das weitere Vorgehen. Da es sich nicht um eine Entscheidung handele, bei der es eines Ratsbeschlusses bedürfe, und zudem alle Fraktionen beim Rundgang vertreten gewesen seien, geht Muchow davon aus, dass das Relief nun bald auf dem Schlossplatz stehen wird. Das Objekt, das einen Innenstadt-Ausschnitt zeigt mit der Neumayerstraße als Grenze im Norden und Osten und der Bahnhofstraße in Süden, ist noch im Vorjahr beim Künstler in Auftrag gegeben worden. Es soll etwa Mitte 2023 fertig werden. Es sind genug Spenden eingegangen, um die 34.000 Euro teure Bronzeplastik zu finanzieren.