Donnersberg
Hochwasser: Nordpfälzer Welle der Hilfsbereitschaft
Als 2014 etliche Gemeinden im und um das Moscheltal von einem verheerenden, zum Glück aber keine Menschenleben fordernden Hochwasser heimgesucht wurden – auch damals sprachen Experten übrigens von einem „Jahrtausend-Unwetter“ –, haben die Betroffenen eine gewaltige, über Wochen und Monate andauernde Solidarität und Anteilnahme erlebt. Im ganzen Kreis, aber auch weit darüber hinaus waren in ungezählten Aktionen Sach- und Geldspenden gesammelt worden.
Daran hat sich auch Michael Cullmann, Bürgermeister der VG Nordpfälzer Land, erinnert, nachdem er die furchtbaren Bilder aus den Katastrophengebieten im Norden und Westen unseres Landes sowie in Nordrhein-Westfalen gesehen hat, „Wir haben damals so großartige Unterstützung von allen Seiten erfahren – ein klein wenig davon möchten wir nun zurückgeben“, sagte Cullmann gestern im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Aus diesem Grund hat die VG entschieden, mit mehreren spontan organisierten Benefizkonzerten die Hochwasser-Geschädigten finanziell zu unterstützen.
Den Auftakt macht am Dienstag, 20. Juli, ab 20 Uhr, die Gesangvereinskapelle Rockenhausen auf dem dortigen Marktplatz. „Wir wollen ohne großen bürokratischen Aufwand helfen, es wird – nicht zuletzt aus Corona-Gründen – auch keine Bewirtung geben“, hofft Cullmann, dass viele Besucher dem Aufruf folgen und Geld in die aufgestellten Spendenkassen werfen werden. Das Orchester unter der Leitung von Heiko Opp wird rund eine halbe Stunde lang musizieren.
Es gelten die üblichen Hygienevorschriften, darüber hinaus sind aber keine Bedingungen – wie die Vorlage eines negativen Tests oder eines Impfnachweises – zu erfüllen. Weitere Veranstaltungen seien in Planung, unter anderem hätten bereits die Alsenzer Nordpfalzmusikanten ihr Mitwirken zugesagt. „Die Termine werden so schnell wie möglich bekannt gegeben“, so der VG-Chef.
Donnersberger Initiative und Lions Club sammeln Geld
Monetär helfen will und wird auch die Donnersberger Initiative für Menschen in Not. Der Verein um den ersten Vorsitzenden Jamill Sabbagh hat eine Soforthilfe von 10.000 Euro zugesagt, außerdem eine Spendenaktion gestartet. Letzteres gilt ebenfalls für den Lions Club Winnweiler: „Die Unwetterkatastrophe hat nicht nur die örtliche Infrastruktur beschädigt, sondern auch vielen Mitmenschen innerhalb weniger Minuten ihr gesamtes Hab und Gut genommen. Schnelle und unbürokratische Hilfe ist in dieser Situation sehr wichtig, wozu auch der Lions Club Winnweiler betragen möchte“, teilt David Fischer mit. Die Spenden sollten „zeitnah“ den Betroffenen übermittelt werden, „entweder direkt über eigene Kontakte des Lions Clubs Winnweiler oder über den zwischenzeitlich eingerichteten Hilfsfonds der Stiftung der Deutschen Lions“, so Fischer. Weitere Informationen gibt es per E-Mail an fluthilfe@lions-club-winnweiler.de.
Geld ist das eine – aber die Menschen, denen zum Teil nur noch die Kleider auf dem Leib geblieben sind, benötigen auch dringend Sachspenden. Und hier sind binnen kürzester Zeit schon beeindruckend viele Initiativen gestartet werden. Bereits am Freitagmorgen hatte die Feuerwehr Sankt Alban dazu aufgerufen, verschiedene Artikel im Delwer Bürgertreff abzugeben – was auf riesige Resonanz gestoßen ist. Die Ortsgemeinde Göllheim und die CDU in Kirchheimbolanden haben ebenfalls Sammelstellen eingerichtet, der DRK-Ortsverein Münchweiler und die Feuerwehr in Rockenhausen baten speziell um die Abgabe von in den Hochwasser-Gebieten dringend benötigten Hygieneartikeln. Und das sind nur die Aktionen, die der RHEINPFALZ bislang bekannt sind.
Hartmüller: „So etwas habe ich noch nicht erlebt“
Der Göllheimer Ortsbürgermeister Dieter Hartmüller nannte am Sonntag in einer E-Mail an die RHEINPFALZ die Hilfsbereitschaft „überwältigend, ich habe so etwas noch nicht erlebt“. Ab Freitag war die Abgabe von Utensilien möglich – in erster Linie waren Kleidung, Schuhe, Geschirr und Kinderspielzeug erwünscht. „Das Haus Gylnheim mit Nebenzimmer war voll bis in die letzte Ecke, bereits am Samstagnachmittag mussten wir wegen Überfüllung schließen“, schreibt Hartmüller.
Schon am Samstagabend seien dann zwei große und drei Klein-Lkw mit Hilfsgütern nach Kelberg in die Eifel gestartet. Auch die Transporter samt Fahrer seien kostenlos zur Verfügung gestellt worden, informiert Hartmüller. Er weist darauf hin, dass derzeit keine Kleidung mehr angenommen werden kann. „Die Lager im Krisengebiet sind total überfüllt. Es kann wegen der dortigen Zustände nicht oder nur begrenzt ausgeliefert werden“, so der Ortschef. Wenn dies erfolgt sei, würden eventuell wieder neue Sachspenden benötigt.
Lediglich Hygieneartikel und Getränke könnten aktuell noch von der Feuerwehr mitgenommen werden. Eine Abgabe sei am Montag, 9 bis 15 Uhr, am Haus Gylnheim möglich. Hartmüller betont, dass nicht nur in Göllheim die Menschen ihr Mitgefühl so vielfältig zum Ausdruck bringen: „Auch in den Nachbargemeinden laufen überall super Aktionen. Trotzdem ist alles nur ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn man diese Zustände in der Eifel-Region sieht.“
Nordpfälzer Feuerwehren packen in der Eifel mit an
Apropos: Die Situation hat eine weitere Gruppe mit Rettungskräften aus unserem Kreis persönlich erlebt. Während ein Einsatzverband mit rund 35 Donnersberger Feuerwehrleuten – darunter sogar Schüler des Wilhelm-Erb-Gymnasiums – vor allem in und um Trier mit anpackte, waren Einheiten aus der VG Nordpfälzer Land mit 34 Personen und sechs Fahrzeugen in der 1700-Einwohner-Gemeinde Irrel in der Südeifel an den Aufräumarbeiten beteiligt.
Hier haben Aktive aus Rockenhausen, Dörnbach, Katzenbach, Finkenbach-Gersweiler, Niederhausen und Münsterappel mit technischem Gerät, Pumpen und Aggregaten die örtliche Wehr unterstützt. „Wir waren eingesetzt, um Straßen zu räumen, Häuser leer zu pumpen, Schlamm zu schaufeln, Trümmer zu beseitigen und Eigentum zu sichern“, teilt Torsten Schlemmer mit. Der Waldgrehweilerer war von Donnerstag bis in die Nacht auf Samstag vor Ort.
Die Helfer aus der Nordpfalz seien „warmherzig“ empfangen worden, „an jeder Ecke“ habe man Dankbarkeit für die Unterstützung erfahren. Auch habe die Zusammenarbeit mit den Feuerwehr-Kollegen aus der Eifel hervorragend funktioniert. Dabei seien sogar „neue Freundschaften und Kontakte geknüpft sowie Treffen vereinbart“ worden. Ein kleiner zwischenmenschlicher Lichtblick inmitten großen Leids ...
Spendenkonten
- Donnersberger Initiative für Menschen in Not; Iban: DE 13 5405 1990 0030 0110 01; Sparkasse Donnersberg; Stichwort: Flutopfer Kreis Ahrweiler.
- Verein der Freunde des Lions Club Winnweiler; Iban: DE 88 5405 1990 0190 0192 99; Sparkasse Donnersberg; Stichwort „Fluthilfe“.