Albisheim
Heraus aus der Einsamkeit: So funktioniert die Tagespflege
Tagespflege und Tagesbetreuung – oft mit einem Schwerpunkt für demenzielle Krankheitsbilder – bieten die Kompromisslösung zwischen einer Versorgung zu Hause und der stationären Pflege. Auch wenn sich ältere oder stark erkrankte Menschen vielleicht zunächst davor scheuen, ihre gewohnte Umgebung tagsüber zu verlieren, ist es für die Familien eine enorme Entlastung in ihrer persönlichen Pflegearbeit, wenn das Familienmitglied für einen gewissen Zeitraum gut aufgehoben ist. Zumal eine Tagespflege verspricht, die Besucher medizinisch zu betreuen und auch der Einsamkeit entgegenzuwirken – denn schnell ist ein gesundheitlich nicht mehr voll aktiver Mensch von den Begegnungen des Alltags abgehängt.
Dieser Bedarf ist in den vergangenen Jahren immer mehr gestiegen. Daher war es auch für die Senioreneinrichtung Haus Zellertal in Albisheim ein logischer Schritt, ihren Betrieb mit einer Tagespflege zu ergänzen. „Eigentlich lief das Angebot schon immer mit, seit es unsere stationäre Einrichtung in Albisheim gibt“, erklärt Silke Strack, Leiterin des Hauses Zellertal, das von der Protestantischen Altenhilfe Westpfalz (PAW) betrieben wird. „Von Anfang an gab es immer zwei eingestreute Tagespflege-Plätze, die in den täglichen Ablauf eingegliedert wurden.“
Backen, Gymnastik, Ruhepausen
Im April 2023 eröffnete dann die Tagespflege in vollem Umfang in eigens dafür erbauten Räumlichkeiten, die Yvonne Büchner als Pflegedienstleitung verantwortet. Von montags bis freitags, von 8 bis 16.30 Uhr, kommen die Tagesgäste ins Haus. Die Tagespflege versorgt 16 Gäste mehrmals in der Woche an individuell gewählten Tagen. Diese Flexibilität sei ein großes Plus für Familien und Angehörige, denn nicht jeder möchte jeden Tag die Tagespflege in Anspruch nehmen. „Zurzeit kommen 29 Besucher und Besucherinnen“, berichtet Strack.
„In unserer Tagespflege ist hohe Fachlichkeit gegeben. Eigentlich ist für unsere Besucher hier alles möglich, was zur täglichen Routine gehört“, erklärt Strack. Die Gäste werden morgens entweder von Angehörigen ins Haus gebracht oder vom Fahrservice abgeholt, dann wird gemeinsam gefrühstückt, und das Tagesprogramm beginnt. Gerne helfen die Gäste, die das möchten und noch können, beim Aufräumen oder Tischdecken, bevor es mit der Gymnastik losgeht. Gemeinsames Backen und Erzählen gehören ebenso zum Tagesablauf wie die Mahlzeiten und Ruhepausen.
Bunt gemischte Besucherschar
Auch Körperpflege ist Teil des täglichen Programms, von der Hilfe beim Duschen bis zur Möglichkeit, sich von einem Friseur aufhübschen zu lassen. „Der Friseur kommt ins Haus, podologische Behandlungen können bei uns erledigt werden“, erläutern Yvonne Büchner und Silke Strack. Auch notwendige Physiotherapie könne mit entsprechender Verordnung im Haus absolviert werden.
Vier Vollzeitstellen, mehrere Fahrer, Hauswirtschaftsmitarbeiter und Alltagsbegleiter unterstützen bei voller Auslastung die Pflegekräfte in der Tagespflege Zellertal in Albisheim. Die Besucherschar ist bunt gemischt. Mieter der Wohneinheiten der Abteilung Betreutes Wohnen sind ebenso unter den Gästen wie Besucher aus dem Dorf oder dem Umfeld. „Das alles wird bis auf einen Eigenanteil mit der Pflegekasse abgerechnet und bleibt so finanzierbar“, sagen Büchner und Strack.
Raus aus der Einsamkeit
„Der Bedarf ist steigend, wir haben zurzeit täglich Anfragen. Deshalb bieten wir immer wieder einen Probetag an. Natürlich erfahren auch spontane Besucher, wie der Tag bei uns aussieht“, sagt Yvonne Büchner. Das Alter der Betreuungsgäste reicht von Anfang 70 bis fast 100 Jahre, dementsprechend ist das betreuende Angebot ausgerichtet. „Unsere Gäste haben auch hier die ganze Bandbreite abgedeckt, von nahezu kerngesund bis hoch pflegebedürftig. Viele Besucher kommen tagsüber zu uns, um der häuslichen Einsamkeit zu entgehen.“
Das soziale Miteinander sei es, was die Tagespflege neben der gesundheitlichen Versorgung ausmacht: heraus aus der Einsamkeit, Gespräche mit Gleichgesinnten, gemeinsame Erlebnisse, die oft in der privaten Situation selten geworden sind. Durch die enge, räumliche Verbindung mit dem Seniorenheim Haus Zellertal ist freitags die Teilnahme an Gottesdiensten möglich.
Büro-Hund Nala regelmäßig zu Gast
Wichtig ist es der Tagespflege, Vertrauen, Versorgung, soziale Kontakte und Basiselemente der Alltagsgestaltung zu bieten, auch wenn die Gesundheit und die Lebensumstände der älteren Menschen schwierig werden. Am Nachmittag wird dann wieder der Weg nach Hause angetreten. Zuhause schlafen zu können und in der gewohnten Umgebung zu sein, bringe den Gästen Zufriedenheit.
Die Basis des Konzepts im Haus Zellertal sei die stationäre Einrichtung, erklärt Strack, durch die räumlichen Gegebenheiten sei vieles möglich. Dass das Haus sehr gut in das Dorfgeschehen integriert sei, helfe der Tagespflege, denn die Besuche, die dem Seniorenheim gelten, gelten auch den Gästen der Tagespflege. Darunter ist auch Büro-Hund Nala. Die Hündin schaut regelmäßig bei den Tagesgästen vorbei und holt sich ihre Streicheleinheiten ab. „Natürlich lernen die Tagesgäste so auch unser Seniorenheim kennen, sind mit dem Haus vertraut, wenn eine Kurzzeitpflege ansteht oder doch ein möglicher Umzug notwendig wird.“
Info
Das Haus Zellertal mit der Tagespflege kann bei einem Schnuppertag am Samstag, 19. Oktober, 11 bis 16 Uhr, kennengelernt werden. Anmeldung unter 06355 9548-220.
Die Serie
Immer mehr Menschen sind in Deutschland von Pflegebedürftigkeit betroffen. Das liegt vor allem daran, dass sich die Lebenserwartung stetig erhöht und das Risiko für Pflegebedürftigkeit im Alter steigt. Laut Statistik waren im Dezember 1999 bundesweit rund zwei Millionen pflegebedürftig, im Dezember 2021 waren es bereits fast fünf Millionen. Im Donnersbergkreis gibt es 4335 Pflegebedürftige. Die meisten Menschen werden zu Hause von ihren Angehörigen oder von einem ambulanten Pflegedienst versorgt. Jeder sechste ist in einem Heim zur vollstationären Pflege untergebracht. In einer Serie wollen wir Aspekte von Pflegebedürftigkeit und Pflege aufgreifen. Wir schauen uns die Formen der Versorgung an, sprechen mit Betroffenen und Angehörigen. Wir klären auf, wo es Rat und Hilfe in Sache Pflege gibt und stellen neue Konzepte vor. In der vergangenen Woche ging es in der Serie um die täglichen Aufgaben im ambulanten Pflegedienst. Wer zu diesem Thema Kontakt mit der Redaktion wünscht, kann uns schreiben unter reddonn@rheinpfalz.de oder per Post in die Schlossstraße 8 in Kirchheimbolanden.