Göllheim
Gewerbepark: Bauarbeiten sollen im Juli beginnen
Alteingesessene sprechen immer noch vom „Feistel“. Dabei hat das Gelände, auf dem früher die Pyrotechnik-Firma ihren Sitz hatte, seitdem schon mehrfach den Besitzer gewechselt. Aktuell gehört das Areal der Firma Panattoni mit Sitz in Hamburg, dem nach eigenen Angaben europaweit führenden Projektentwickler für Industrie- und Logistikimmobilien.
In Göllheim will das Unternehmen den „Panattoni-Park Kaiserslautern-Ost“ entstehen lassen – der Name, erinnert in seiner Distanz zum namensgebenden Ort ein wenig an den Flughafen „Frankfurt-Hahn“ und lässt ahnen, in welchen Dimensionen man in Hamburg denkt. Wie das Unternehmen mitteilt, hat man den Standort Göllheim gewählt, weil er sich mit seiner Nähe zu Kaiserslautern, Mannheim, Frankfurt sowie der gesamten Rhein-Neckar-Region mit etwa 550.000 Einwohnern in einem der wichtigsten europäischen Logistikkorridore zwischen Südwestdeutschland, Nordfrankreich und Benelux befinde. Die geplante Immobilie werde über eine „flexible Nutzungs- und hohe Drittverwendungsfähigkeit“ verfügen.
Dachflächen mit Photovoltaik
Zielgruppen für den Panattoni-Park sind laut dem Unternehmen die Branchen Automotive, Chemie, Pharma, Informationstechnologie, E-Commerce und Handel. Das Baugrundstück ist insgesamt knapp 161.000 Quadratmeter groß. Wegen der Unebenheiten im Gelände wird auf unterschiedlichen Höhenebenen gebaut. Die Gesamtmietfläche soll 63.000 Quadratmeter betragen, verteilt auf zwei Immobilien mit sieben Einheiten. Pro Einheit ist eine Fläche von 6200 bis 8200 Quadratmetern vorgesehen. Die Nutzhöhe der Gebäude, also bis zur Unterkante Binder, soll zehn Meter betragen. Die Hallen werden nach dem derzeitigen Plan über 54 Ladetore sowie sieben ebene Zugangstüren verfügen. Auf den Außenflächen sollen 20 Lkw-Stellplätze sowie 256 Auto-Stellplätze entstehen.
Auf den Dächern der Gebäude ist eine Photovoltaik-Anlage geplant, mit dem so erzeugten Strom sollen auch Ladestationen für Elektrofahrzeuge versorgt werden. Beheizt werden die Gebäude mittels einer Wärmepumpe. Der Außenbereich soll naturnah, etwa mit Wildblumenwiesen, gestaltet werden.
Am Anfang stand die Feuerwerksfabrik
Der Panattoni-Park steht am Ende einer langen Transformation. Am Anfang war das Gelände der Sitz der „Pyrotechnischen Fabrik F. Feistel KG“, einem Hersteller von pyrotechnischer Munition und Feuerwerkskörpern. Die Firma war ein Familienunternehmen. Nach dem plötzlichen Tod des Gründers Fritz Feistel mit nur 49 Jahren im Jahr 1979 wurde sie 1981 von der in Osnabrück ansässigen und in derselben Branche tätigen Piepenbrock-Dienstleistungsgruppe übernommen. Der Markenname Feistel blieb erhalten. 1983 erweiterte Piepenbrock den Standort in Richtung der östlich liegenden Umgehungsstraße um Gebäude für Produktion, Lager und Versand und zählte damit bundesweit zu den modernsten Herstellern pyrotechnischer Produkte. In Göllheim konnten bis zu zwölf Millionen Raketen im Jahr gepresst und geheftet werden.
1999 verkaufte Piepenbrock die pyrotechnische Produktion an die Bremerhavener Firma Comet, behielt aber das Gelände. 2001 beendete Comet die Herstellung von Feuerwerkskörpern, und ein Teil des Geländes wurde zum Gewerbepark umgestaltet. Die Vermarktung übernahm die Firma Piepenbrock. Auf diese Weise siedelte sich beispielsweise 2015 die Firma Sonima, ein Dienstleister für die Autoindustrie, im ehemaligen Verwaltungsgebäude an. Der größere Teil des Geländes war allerdings kontaminiert, außerdem standen dort noch diverse Munitionsbunker und andere bauliche Altlasten. Um es vermarktbar zu machen, musste das Areal komplett saniert und zurückgebaut werden.
„Laufende Gespräche“ mit möglichen Mietern
Als ein Vertreter der Firma Panattoni das Bauvorhaben im November 2022 dem Göllheimer Gemeinderat präsentierte, stellte sich auch bereits der ins Auge gefasste Mieter vor: Die Firma Fiege, ein Logistikdienstleister aus dem Münsterland, die in Worms eine Niederlassung betreibt. Das Unternehmen bietet unter anderem Lieferkettenmanagement für Industriebetriebe, Lebensmittelhersteller, Reifenhersteller, Gesundheits- und Medienkonzerne an. Dazu gehören auch Lagerhaltung, Konfektionierung und Verpackung von Produkten samt Export. Unter anderem erledigt Fiege die europaweite Abwicklung für den Bosch-Geschäftsbereich Bosch Power Tools.
Ob Fiege aktuell immer noch im Gespräch ist, wollte Panattoni auf RHEINPFALZ-Nachfrage allerdings nicht mitteilen: „Wir führen gerade laufende Gespräche zu potenziellen Anmietungen. Die Interessenten dürfen wir nicht benennen“, sagte eine Sprecherin. Auch in Bezug auf die Summen, die das Unternehmen in Göllheim investieren will, hüllte sie sich in Schweigen: Investitionssummen würden grundsätzlich nicht genannt. Mit der Fertigstellung sei im ersten Quartal 2025 zu rechnen.