Göllheim RHEINPFALZ Plus Artikel Im Göllheimer Gewerbepark Ruhweg soll groß gebaut werden

Blick auf das ehemalige Feistel-, dann Piepenbrock-Areal am Ruhweg. Das Gelände wurde zurückgebaut, dekontaminiert und ist jetzt
Blick auf das ehemalige Feistel-, dann Piepenbrock-Areal am Ruhweg. Das Gelände wurde zurückgebaut, dekontaminiert und ist jetzt baureif.

Alteingesessene sprechen immer noch vom „Feistel-Gelände“. Dabei haben die knapp 20 Hektar im Gewerbepark Ruhweg in Göllheim inzwischen schon mehrfach den Besitzer gewechselt. Aktuell gehört das Areal einem Projektentwickler für Logistikimmobilien, der dort im kommenden Jahr zwei Hallen bauen will. Die Pläne hat er kürzlich im Gemeinderat präsentiert.

Ortsbürgermeister Dieter Hartmüller freut sich, dass das ehemalige Areal der Firma Feistel, später Piepenbrock, das inzwischen „Gewerbepark Ruhweg“ heißt, wohl bald wieder genutzt wird. „Seit über 15 Jahren wird versucht, dieses große Gelände an Interessierte zu vermarkten, wozu es auch verschiedene Ideen gab, die aber nie weiterverfolgt wurden. Daher sind wir froh, dass es jetzt zu diesem Abschluss gekommen ist“, sagte Dieter Hartmüller der RHEINPFALZ vor der jüngsten Gemeinderatssitzung. Für das Gewerbegebiet Göllheim werde das „umfassend positive“ Folgen haben, zumal weitere 35 Hektar Gewerbegebiet mittelfristig bereits in Planung seien.

Bei dem neuen Besitzer des Geländes handelt es sich um die Firma Panattoni mit Hauptsitz in Hamburg. Firmenvertreter Lukas Imdahl, der das Projekt im Rat präsentierte, schränkte im Nachgang gegenüber der RHEINPFALZ allerdings ein, dass die Pläne zwar feststünden, die Verträge jedoch teilweise noch nicht unterzeichnet oder in Kraft getreten seien. Auch die Baugenehmigung sei noch nicht erteilt. Aus diesem Grund wollte er zum gegenwärtigen Zeitpunkt auch noch keine Details mitteilen, nach denen die RHEINPFALZ ihn gefragt hatte.

Projektentwickler für Logistikimmobilien

Die Panattoni Development Company aus Kalifornien ist seit 2014 mit ihrem europäischen Zweig auf dem deutschen Markt aktiv – laut Eigenauskunft inzwischen als größter Projektentwickler von Logistikimmobilien in Europa mit fünf Standorten und 120 Mitarbeitern. Bauen will das Unternehmen in Göllheim im kommenden Jahr zwei flexibel nutzbare und noch weiter ausbaufähige Industriehallenkomplexe auf zwei Ebenen. An ihrem höchsten Punkt sollen diese Hallen 15 Meter hoch werden – der Bebauungsplan sieht maximal 20 Meter vor.

Weil sich Panattoni, wie Imdahl hervorhob, grundsätzlich dem Nachhaltigkeitsgedanken verschrieben habe, sollen dabei auch Artenschutz- und Geländerenaturierungsmaßnahmen ergriffen werden. Konkret heißt das beispielsweise, dass so wenig Fläche wie möglich versiegelt werden soll. Außerdem soll ein Grüngürtel den bebauten Bereich umschließen, mit einer Baumreihe als Schallschutz. Zudem werden die Dächer der beiden Gebäude mit Photovoltaikmodulen bestückt. Über eine Wärmepumpe können die Hallen dann mit dem selbstproduzierten Strom beheizt werden. Der nicht benötigte Solarstrom soll ins Netz eingespeist werden. Zudem wird auf dem Gelände eine E-Tankstelle entstehen.

Logistikdienstleister will aus Worms expandieren

Als Mieter der beiden Gebäude ist die Firma Fiege, ein Branchenführer auf dem Gebiet der Logistikdienstleistungen mit Hauptsitz im Münsterland, vorgesehen, die mit ihrer Wormser Niederlassung nach Göllheim expandieren möchte. In Worms hat die Firma nach eigenen Angaben an zwei Standorten derzeit rund 2000 Mitarbeiter, insgesamt sind es 23.000. Das Unternehmen bietet unter anderem Lieferkettenmanagement für Industriebetriebe, Lebensmittelhersteller, Reifenhersteller, Gesundheits- und Medienkonzerne an. Dazu gehören auch Lagerhaltung, Konfektionierung und Verpackung von Produkten samt Export. Unter anderem erledigt Fiege die europaweite Abwicklung für den Bosch-Geschäftsbereich Bosch Power Tools. In Worms betreibt die Firma außerdem den mit sechs Millionen Flaschen größten Weinkühlschrank Deutschlands.

Wie Unternehmensvertreter Andreas Beckenbach im Gemeinderat erläuterte, plant Fiege, in Göllheim beide Hallen mit insgesamt 55.000 Quadratmetern Logistikfläche für einen Zeitraum von zehn Jahren zu mieten. Eine Verlängerung sei optional. Es sei vorgesehen, am Göllheimer Standort in einem Zwei-Schicht-System zu arbeiten. Nachtschichten seien ebenso wenig geplant wie Wochenendarbeit. Anfangs soll nur ein kleiner Mitarbeiterstamm für den Aufbau der Niederlassung zuständig sein, danach würden die erforderlichen Arbeitsplätze neu geschaffen, sagte Beckenbach auf eine Frage aus dem Gemeinderat, ob in Göllheim Arbeitsplätze neu entstehen oder aus Worms mitgenommen würden. Es werde auch kein Produktionsvolumen aus Worms abgezogen.

Für die Wahl des Standorts Göllheim gibt es laut Imdahl für die Firma Panattoni zwei ausschlaggebende Faktoren: Zum einen seien im gesamten Rhein-Neckar-Raum keine Gewerbeflächen mehr zu bekommen, zum anderen spreche für Göllheim die Autobahnnähe. Ein weiteres Plus sei die Randlage: „Man fährt mit dem Lkw an keinem Wohnhaus vorbei.“

Am Anfang war das Feuerwerk

Der Gewerbepark Ruhweg steht am Ende einer langen Transformation. Am Anfang war das Gelände der Sitz der „Pyrotechnischen Fabrik F. Feistel KG“, einem Hersteller von pyrotechnischer Munition und Feuerwerkskörpern. Die Firma war ein Familienunternehmen. Nach dem plötzlichen Tod des Gründers Fritz Feistel mit nur 49 Jahren im Jahr 1979 wurde sie 1981 von der in Osnabrück ansässigen und in derselben Branche tätigen Piepenbrock-Dienstleistungsgruppe übernommen. Der Markenname Feistel blieb erhalten. 1983 erweiterte Piepenbrock den Standort in Richtung der östlich liegenden Umgehungsstraße um Gebäude für Produktion, Lager und Versand und zählte damit bundesweit zu den modernsten Herstellern pyrotechnischer Produkte. In Göllheim konnten bis zu zwölf Millionen Raketen im Jahr gepresst und geheftet werden.

1999 verkaufte Piepenbrock die pyrotechnische Produktion an die Bremerhavener Firma Comet, behielt aber das Gelände. 2001 beendete Comet die Herstellung von Feuerwerkskörpern, und ein Teil des Geländes wurde zum Gewerbepark umgestaltet. Die Vermarktung übernahm die Firma Piepenbrock. Auf diese Weise siedelte sich 2015 die Firma Sonima, ein Dienstleister für die Autoindustrie, im ehemaligen Verwaltungsgebäude an. Der größere Teil des Geländes war allerdings kontaminiert, außerdem standen dort noch diverse Munitionsbunker und andere bauliche Altlasten. Um es vermarktbar zu machen, musste das Areal komplett saniert und zurückgebaut werden.

Bereits 2015 wurden die Betonbunker auf dem ehemaligen Feistel-, dann Piepenbrock-Gelände abgerissen.
Bereits 2015 wurden die Betonbunker auf dem ehemaligen Feistel-, dann Piepenbrock-Gelände abgerissen.
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