Donnersbergkreis
Gartenkolumne: Wie Tulpen den Frühling bereichern
Der meteorologische Frühlingsbeginn hat mir in diesem Jahr gleich doppelten Grund zur Freude beschert. Der ersehnte Gartenrückschnitt war abgeschlossen, mein „Bullerbü“ kommt nun wieder adrett daher. Als Zugabe gab's dann noch eine sonnige, warme Woche. Das Gartenjahr kann starten!
Jetzt warte ich auf die ersten Tulpen. Sie gehören zu meinen absoluten Favoriten. Auch während meiner langen Stadtwohnungszeit waren sie ständiger Gast in der Blumenvase. Heute sehe ich Schnittblumen mit etwas anderen Augen. Insbesondere die bemitleidenswerten, in Cellophan gequetschten Gebinde an der Supermarktkasse. Aber dieses Thema vielleicht mal an anderer Stelle.
Tulpenzwiebeln verteilen sich in meinem Garten wahllos an den unterschiedlichsten Stellen. Zuverlässig treiben sie jedes Jahr in allen möglichen Farben und Formen aus – ein Fest für Auge, Seele und Kamera.
Von Tulpen geht eine besondere Faszination aus. Wenn man beispielsweise auf die Kunst blickt, fühlten sich viele Maler von der eleganten Zierpflanze inspiriert. In meiner beruflichen Zeit in der Filmbranche hatte ich mit dem Historienfilm „Tulpenfieber“ zu tun. Dieser spielt vor dem Hintergrund der berühmten „Tulpenmanie“ während des 17. Jahrhunderts. Die handelsfreudigen Niederländer hatten die Tulpe seinerzeit als Liebhaberobjekt eingeführt und in den sozial gehobenen Kreisen kultiviert.
Tulpenkrise – die erste Spekulationsblase
Der Tauschhandel unter den zunehmend tulpenverrückten Holländern führte in der Folge zum kommerziellen Handel mit den Zwiebeln. Dieser nahm in den 1630er Jahren bizarre Ausmaße an. Die Tulpenzwiebel wurde zum Spekulationsobjekt, für das Höchstpreise gezahlt wurden. Auf dem Höhepunkt der Entwicklung wurden für drei besonders begehrte Zwiebeln angeblich bis zu 30.000 Gulden geboten. Im Vergleich: Das jährliche Durchschnittseinkommen der Niederländer lag damals bei 150 Gulden. Anfang 1637 brach der Tulpenmarkt schließlich über Nacht zusammen. Die erste gut dokumentierte Spekulationsblase der Wirtschaftsgeschichte war geplatzt.
Ihrer besonderen Beziehung zur Tulpe sind die Niederländer dennoch bis heute treu geblieben. Wer kennt sie nicht – die blühenden Meere aus Tulpenfeldern bei unseren holländischen Nachbarn. Über Dreiviertel der weltweiten Tulpenproduktion (die in beeindruckenden 1200 Sorten kultiviert werden) kommt heute aus den Niederlanden.
Geschätzt gibt es um die 150 Tulpenarten in zahlreichen Hybridformen. Sie gehören zur Familie der Liliengewächse und sind in Nordafrika, Europa und bis nach Zentralasien verbreitet. Ihre Hauptblütezeit beträgt leider nur gute zwei Wochen im April. Aber umso schöner und wertvoller ist die kurze Zeit für das Tulpenfieber im eigenen Garten.
Einen wahren Tulpenschatz gibt es übrigens jedes Jahr in der zweiten Aprilhälfte im benachbarten Rheinhessen zu bestaunen: Am Gau-Odernheimer Lieberg befindet sich das größte natürliche Wildtulpenvorkommen nördlich der Alpen. Ein „Kuraufenthalt“ zur Behandlung von akutem Tulpenfieber ist daher dringend empfohlen.
Die Serie
Die Hobbygärtnerin Jeannette Anthes gibt alle 14 Tage in der Donnersberger Lokalausgabe der RHEINPFALZ Tipps rund ums Gärtnern. Sie lebt in Kirchheimbolanden und hat selbst einen traumhaft schönen Garten – eben wie in Bullerbü. Hier geht es zur vorherigen Folge der Serie „Tipps aus Bullerbü“: Welchen Künstlern die Natur als Quelle der Inspiration diente.