Donnersbergkreis
Gartenkolumne: Welchen Künstlern die Natur als Quelle der Inspiration diente
Was mich immer wieder fasziniert, ist die Strahlkraft meines Gartens auf die persönliche Kreativität. Mit dieser erfüllenden Erfahrung stehe ich sicherlich nicht alleine da, viele Gartenbesitzer dürften das ähnlich erleben. So liebe ich es, im Sommer – umgeben von all der blühenden Pracht – draußen am Laptop zu arbeiten. Dies liefert mir ganz nebenbei stets neue Foto-Motive. In meinem ersten Gartenjahr bekam mein „Bullerbü“ dann auch gleich einen Auftritt in den sozialen Medien.
Es gibt viele berühmte Vorbilder. Schon lange träume ich von einem Besuch des berühmten Künstlergartens von Claude Monet in Giverny. Sein Refugium in der Nähe von Paris hat den französischen Impressionisten zu zahlreichen seiner weltberühmten Werke inspiriert. Aktuell gibt es Monets Garten in Deutschland sogar in einer digitalen 360-Grad-Ausstellung zu erleben. Die Idee dieser immersiven Erfahrung finde ich zwar reizvoll. Persönlich spricht mich dann aber doch mehr ein (altmodisch analoger) Besuch des Originals an.
Max Liebermann: Garten als Inspiration für mehr als 200 Werke
Ähnlich wie Monet war auch der deutsche Impressionist Max Liebermann ein Gartenliebhaber. Der Garten seiner Sommerresidenz am Berliner Wannsee animierte den Maler zu mehr als 200 Werken. Die Villa und der Garten sind heute Museum und können von der Öffentlichkeit besichtigt werden.
In Granville an der nordfranzösischen Küste liegt der Garten von Christian Dior. Im englischen Stil angelegt, lieferte dieser dem späteren Modezaren von Jugend an Ideen. 1925 entwarf er für das Gelände eine Teichanlage und eine Pergola. Heute befindet sich auf dem Anwesen ein Museum mit Duftstationen und einer Ausstellung über Leben und Wirken des legendären Modeschöpfers.
„Schwiegermüttersessel“ und andere Kakteen
Eine Freundin erzählte mir von ihrem Besuch im „Jardin de Cactus“ des spanischen Künstlers César Manrique. Der Maler und Bildhauer hat auf seiner Heimatinsel Lanzarote in einem ehemaligen Steinbruch unzählige Kakteen angepflanzt. Besonderer Blickfang dort sind die kugeligen Exemplare, auch als „Schwiegermüttersessel“ bekannt. Zum Zeitpunkt ihrer Blüte stelle ich mir einen Besuch in Manriques Garten mit seinen insgesamt 4500 Kakteenarten atemberaubend vor.
Auch große Literaten fühlten sich oft angeregt durch ihre Gartenliebe. Eine besonders innige Beziehung zur Natur hatte bekanntermaßen Johann Wolfgang von Goethe. Als dieser im Jahr 1776 nach Weimar zog, lebte der junge Schriftsteller zunächst in einem kleinen Gartenhaus. Dort widmete er sich mit Hingabe dem dazugehörigen kleinen Stück Land. Später bezog er ein größeres Haus, ebenfalls von einem Gartengrundstück umgeben. Beide Areale existieren bis heute und können besichtigt werden. Der kleine Garten am „Mia-Hermann-Hesse-Haus“ in Gaienhofen am Bodensee ist ebenfalls erhalten. Der spätere Literaturnobelpreisträger hatte Anfang des 20. Jahrhunderts das Gelände an seinem Wohnhaus eigenhändig konzipiert. Auch die Pflege von Nutzgarten und Blumenrabatten übernahm Hesse selbst.
Die Liste berühmter Künstlergärten ließe sich beliebig fortführen. Auch außerhalb Europas gibt es zahllose Beispiele für beeindruckende Refugien und persönliche Gartenträume bekannter Persönlichkeiten. Über Jahrhunderte hinweg dienten sie ihren Besitzern als Rückzugsort, Quelle der Inspiration und Freiluftatelier. Auf diese Weise macht die Natur uns Menschen in der Tat ein doppeltes Geschenk.
Infos zu den Gärten:Claude MonetMax LiebermannCésar ManriqueGoethes GartenhausMia-Hermann-Hesse-Haus
Die Serie
Die Hobbygärtnerin Jeannette Anthes gibt alle 14 Tage in der Donnersberger Lokalausgabe der RHEINPFALZ Tipps rund ums Gärtnern. Sie lebt in Kirchheimbolanden und hat selbst einen traumhaft schönen Garten – eben wie in Bullerbü. Hier geht es zur vorherigen Folge der Serie „Tipps aus Bullerbü“: Was die Blumen uns zu sagen haben.