Dörnbach / Imsweiler
Fragen und Antworten zum Rettungshubschrauber: Wird „Christoph 66“ ein Dörnbacher?
Was ist aktueller Stand in Sachen Rettungshubschrauber für die Westpfalz?
Der rheinland-pfälzische Innenminister Ebling hatte Ende April mitgeteilt, dass der Rettungshubschrauber „Christoph 66“ auch künftig von der ADAC Luftrettung betrieben und langfristig bei Rockenhausen stationiert wird. Der Vertrag ist 25 Jahre (bis 2048) gültig. Der Helikopter ist zusätzlich seit dem Vorjahr mit einer Rettungswinde – Seillänge 90 Meter, Traglast 250 Kilogramm – ausgestattet, die laut ADAC-Pressesprecher Jochen Oesterle im ersten Halbjahr bereits 55 Mal zum Einsatz kam.
Die Konzession beinhaltet auch den Bau und Betrieb einer neuen Luftrettungsstation, die bis 2026 fertig sein soll. Bis dahin wird weiter vom Flugplatz Imsweiler – ein Sonderlandeplatz für Segel-, Ultraleicht- und Motorflugzeuge mit einem Gesamtgewicht von bis zu zwei Tonnen – aus gestartet; hier ist die Maschine 2021 interimsweise stationiert worden. Dafür wurden am Flugplatz mehrere Container sowie eine Fläche zum Starten und Landen errichtet.
Das Einsatzgebiet von „Christoph 66“ umfasst Stadt und Kreis Kaiserslautern sowie die Kreise Kusel, Birkenfeld und Donnersberg. Ferner werden Verlegungstransporte von Klinik zu Klinik – sogenannte Sekundärtransporte – in Rheinland-Pfalz und im Saarland ausgeführt.
Wo wird die neue Station gebaut?
In der Pressemitteilung des Ministeriums vom 27. April war etwas schwammig die Rede davon, dass die Station „im Bereich Dörnbach/Imsweiler“ angesiedelt wird. Tatsächlich liegt das vom ADAC ins Auge gefasste Grundstück größtenteils auf Dörnbacher Gemarkung, wie Oesterle auf RHEINPFALZ-Anfrage bestätigt. Ein kleiner Streifen gehöre zwar noch zu Imsweiler, die Station selbst werde aber auf Gebiet des Rockenhausener Ortsteils gebaut. Die Fläche befindet sich auf einer Anhöhe, Luftlinie zirka 400 Meter vom Flugplatz entfernt. Die Distanz zu den ersten Dörnbacher Häusern im Imsweilerweg und in der Bitzerstraße beträgt ebenfalls unter einem halben Kilometer.
Gibt es Kritik an diesem Standort?
Der RHEINPFALZ sind Stimmen aus Dörnbach bekannt, die aus natur- und lärmschutzrechtlichen Gründen Bedenken haben. Insgesamt sei es aber in der Gemeinde noch relativ ruhig, sagte Ortsvorsteher Georg Nickel auf Anfrage: „Viele wissen ja bislang nicht wirklich Bescheid, auch ich kenne die genauen Pläne noch nicht.“ Allerdings frage er sich schon, warum mitten in der Natur – zudem in exponierter Lage – eine komplett neue Station gebaut werden soll. „Wasser, Kanal, Strom – das muss ja alles dorthin gelegt werden“, so Nickel. Das wäre weiter „unten“ am Flugplatz seiner Ansicht nach deutlich einfacher. Auch er befürchtet eine Zunahme des Lärmpegels im Dorf, vor allem in den nahe gelegenen Straßen. Sein Fazit zum Standort: „Begeisterung sieht anders aus.“
Der Imsweilerer Ortsbürgermeister Peter Ziepser sagt, zwar stelle der neue Standort in Bezug auf Lärm für die Bürger seiner Gemeinde vielleicht sogar eine Verbesserung dar. Seinem Eindruck nach hätten jedoch in den letzten beiden Jahren die Menschen in allen umliegenden Gemeinden „gelernt, mit der Geräuschquelle umzugehen“. Dass diese nun „verschoben wird und die Dörnbacher Bürger damit mehr belastet werden“, sei ihm unverständlich. Je nach Windrichtung müsse die Maschine beim Starten und Landen Kurven fliegen und könnte dabei deutlich näher als bisher an die Wohnbebauung herankommen. Zudem seien mit Inbetriebnahme der Station auch Nachtflüge von „Christoph 66“ vorgesehen. „Es geht um Menschenleben, da muss man Verständnis aufbringen“, so Ziepser. Schlaf sei aber ebenfalls gesund und wichtig. „Daher sollte man gut planen und überlegen, wohin man baut.“
Was sagt der ADAC dazu?
Oesterle verweist darauf, dass „alle notwendigen Lärmgutachten eingeholt und Schutzmaßnahmen geprüft worden sind“. Beispielsweise soll die zweigeschossige Station als Lärmschutzwand dienen, indem der Helikopter aus Richtung Dörnbach hinter dem Gebäude starten und landen werde. Auch handele es sich bei dem Hubschrauber „um den Leisesten seiner Leistungsklasse“. Weiterhin sagte Oesterle, beim Bau der Station werde großen Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. „Wir stehen dazu in Kontakt mit der Gesellschaft für nachhaltiges Bauen.“ Eine Photovoltaikanlage soll den zum Betrieb erforderlichen Strom erzeugen, eine Dachbegrünung sei ebenfalls vorgesehen.
Hätte es eine Alternative gegeben?
Ziepser zufolge hätten der Flugsportverein sowie eine Privatperson angrenzend an die Landebahn Flächen anbieten können. Das Gelände befindet sich sogar noch etwas unterhalb in einer Senke – für die umliegenden Orte änderte sich seiner Einschätzung nach in Sachen Lärm nicht viel und es ergäbe sich ein zusammenhängender Komplex mit dem Flugplatz. „Gegebenenfalls hätten die Imsweilerer bei Nordwestwind mehr Rotorgeräusche abbekommen.“ Allerdings seien der Gemeinderat und die Bürger in die Überlegungen involviert gewesen – Widerstände wären kaum zu erwarten gewesen. Ihm sei unverständlich, warum der ADAC diese Möglichkeit nicht genutzt hat. Dennoch ist dem Ortschef wichtig: „Ich freue mich, dass der Hubschrauber in der Westpfalz bleibt und bin nicht beleidigt, wenn er nicht mehr in Imsweiler stationiert wird. Das wäre kleingeistiges Denken.“ Ihm gehe es darum, „dass vielen Menschen geholfen wird, aber trotzdem so wenige wie möglich dadurch belästigt werden“.
Sagt der ADAC, warum dieser Standort nicht zum Zug kam?
Konkret zu dieser Fläche äußert sich Oesterle nicht. Grundsätzlich sei es jedoch „ein sehr komplexes, aufwändiges Verfahren, so eine dauerhafte Luftrettungsstation auf den Weg zu bringen.“ Sehr viele Gebiete in der Region seien „akribisch untersucht“, 16 dann in die nähere Auswahl gekommen. „Lärm, Naturschutz, Infrastruktur, flugbetriebliche Aspekte – es sind viele Parameter, die hier eine Rolle spielen“, so Oesterle. Nach Abwägung aller Argumente sei der Standort bei Dörnbach am besten für die Station geeignet.
Wieso kann der Hubschrauber nicht dauerhaft am Flugplatz Imsweiler stationiert bleiben?
Das hat eine Dörnbacherin das Innenministerium als für die Luftrettung zuständige Behörde gefragt – und zur Antwort erhalten, der „derzeitige Interimsbetrieb von ,Christoph 66’ erfolgt im Rahmen einer zeitlich befristeten Außenstart- und -landeerlaubnis. Der Sonderlandeplatz Imsweiler verfügt nicht über die luftverkehrsrechtlich erforderliche Genehmigung für den dauerhaften Betrieb eines Hubschraubers.“ Dafür wäre, so das Ministerium weiter, ein Genehmigungsverfahren nötig, „bei dem es unter anderem sowohl auf die luftverkehrsrechtliche Geeignetheit des Standortes als auch auf natur- und lärmschutzrechtliche Gesichtspunkte ankommt“. Oesterle ergänzt, die Suche für den Dauer- beinhalte gegenüber dem Interimsbetrieb „nochmal in allen Bereichen höhere Anforderungen. Das ist eine multifaktorale Sache, da kann man nicht nur einen Aspekt betrachten.“
Ist schon definitiv klar, dass die Station an der vom ADAC bevorzugten Stelle errichtet wird?
Nein. Zunächst „müssen die üblichen Bau- und Landeplatzgenehmigungsverfahren durchlaufen werden“, betont Oesterle – mit der Möglichkeit für Gemeinden, Organisationen, Verbände und Bürger, Einwände gegen die Pläne zu erheben. Man wolle dabei die Bevölkerung „frühzeitig unterrichten und mitnehmen“, deshalb sei für Ende Juli, Anfang August eine Informationsveranstaltung in der Rockenhausener Donnersberghalle geplant. Wichtig ist ihm dabei der Hinweis, „dass die Zusammenarbeit am jetzigen Standort sehr gut ist, dass wir uns freuen, in der Region bleiben zu dürfen und uns hier sehr wohl fühlen.“