Donnersbergkreis
FFP2-Masken: Zustände zum Teil ziemlich chaotisch
Die Masken werden kostenlos abgegeben an Menschen ab 60 Jahren sowie an Personen mit Vorerkrankungen. Dazu gehören zum Beispiel Asthma, Herz- oder Niereninsuffizienz oder auch Krebs. Jeder Berechtigte hat Anspruch auf drei Masken – und zwar bis zum 6. Januar. Letzteres wurde von Regierung und Apothekerverbänden auch deutlich kommuniziert. Aber wie die erste Corona-Welle im Frühjahr gezeigt hat: Der Mensch ist ein Hamster. Entsprechend werden die Apotheken im Donnersbergkreis seit Dienstag förmlich überrannt.
„Seit gestern herrscht hier Chaos, ein Riesenansturm“, sagte beispielsweise Marc Muchow, Inhaber der Donnersberg-Apotheke in Kirchheimbolanden am Mittwoch. „Innerhalb kürzester Frist mussten wir die Masken besorgen.“ Dabei seien die Informationen sehr spärlich gewesen. „Uns war zunächst gar nicht klar, wo wir die Masken herbekommen würden. Ich ging davon aus, dass es so etwas wie eine zentrale Verteilungsstelle geben würde, etwa bei der Bundeswehr“, so Muchow. „Stattdessen mussten wir alles auf dem freien Markt selbst organisieren.“
Dabei müssen die Apotheker zunächst in Vorleistung gehen. Erst später wird abgerechnet. Wie viel die einzelne Apotheke benötigt, wird anhand der Verkäufe an rezeptpflichtigen Medikamenten im vorausgegangenen Quartal hochgerechnet. „Das Ganze hat dann natürlich nicht mehr viel mit der Realität zu tun“, sagt Muchow. Ausgegangen sind ihm die Vorräte bisher zum Glück nicht. „Es wäre aber gut, wenn jetzt nicht alle Berechtigten auf einmal die Apotheken stürmen würden. Die Leute haben ja Zeit bis 6. Januar.“
„Bleiben Sie bei Ihrer Stammapotheke“
Auch Torben Schreiner aus Albisheim sähe den Lauf auf seine Sonnenapotheke gerne etwas entzerrt: „Bei uns ist seit Dienstag die Hölle los! Vor allem der erste Ansturm war gigantisch, aber auch jetzt kommen die Leute noch geströmt. Wir mussten schon nachbestellen.“ Um auch die anderen Kunden noch vernünftig bedienen zu können, hat er die Maskenausgabe an einen separaten Eingang verlagert, zu dem man über den Hof gelangt.
Seine Sorge: „Wenn der Ansturm nicht abreißt, können wir das irgendwann nicht mehr bewältigen.“ Bedenken hat er vor allem, dass Kunden, die anderswo keine Masken erhalten haben, sich nun auf die Apotheken konzentrieren, die diese vorrätig haben. „Da kommt dann eine kleinere Apotheke schnell ans Limit.“ Deshalb seine Bitte: „Klappern Sie nicht alle Apotheken ab. Bleiben Sie bei Ihrer Stammapotheke, selbst wenn die gerade Lieferschwierigkeiten hat. Und bleiben Sie ruhig – die Maske ist per se ja keine Mangelware. Jeder, der Anspruch hat, wird seine Gratismasken auch bekommen.“
Dass dieser Appell nicht aus der Luft gegriffen ist, zeigt sich in anderen Ortschaften im Kreis. In Rockenhausen, Winnweiler und Göllheim zum Beispiel waren am Dienstag und am Mittwoch noch gar keine Masken angekommen. „Wir haben natürlich bestellt, warten aber noch auf die Lieferung. Ich rechne damit, dass sie am Donnerstag kommt“, teilte Ullrich Geib, Inhaber der beiden Rockenhausener Apotheken, mit. Man hätte das im Vorfeld seitens der Regierung besser organisieren müssen, so seine Kritik. Dem schließt sich Gerhard Böhr an, dem die Adler-Apotheke in Winnweiler gehört. Auch er wartete bisher vergebens auf die Maskenlieferung. „Es ist ein Alptraum – und ein Schnellschuss der Politik“, so sein Urteil. Abgesehen davon, dass die ganze Organisation an den Apotheken hängengeblieben sei, sei es einfach auch ein logistisches Problem: „Es gibt natürlich Unmengen an Firmen, die die Masken herstellen, aber es soll ja auch ein seriöser Anbieter sein.“ Man habe ihm die rechtzeitige Lieferung zugesagt, aber die Masken seien nicht gekommen. „Ich rechne jetzt erst mit nächster Woche.“
Apothekerverbände bitten um Geduld
Auch Astrid Knorr von der Markt-Apotheke in Göllheim wartete am Mittwoch um die Mittagszeit noch auf ihre Masken. „Man hat mir gesagt, sie seien in der Post“, so ihre Auskunft. Sie hofft jetzt auf eine Lieferung am Donnerstag, garantieren kann sie es aber nicht. „Es ist eben ein riesiger Kraftakt, 80 Millionen Menschen innerhalb weniger Tage ihre Masken zur Verfügung zu stellen“, so ihre Einschätzung.
Zu den Lieferproblemen hat sich auch die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) geäußert: „Die meisten Apotheker haben sich innerhalb kürzester Zeit mit Masken eingedeckt. Wenn es irgendwo noch ruckelt, dann bitte ich die Patienten um etwas Geduld. Wir gehen davon aus, dass wir bis Weihnachten die meisten Anspruchsberechtigten mit den ersten drei Masken versorgt haben“, so ABDA-Präsident Friedemann Schmidt auf der Homepage der Vereinigung. Auch Schmidt weist auf die erschwerten Bedingungen hin, unter denen die Apotheken „die Hauruck-Aktion“ bewältigen müssten: „Der zeitliche Vorlauf war extrem kurz.“