Finkenbach-Gersweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Ferienhäuser am See: Urlaubsresort rund um Viktoriastift geplant

Öffnen sich die Tore zum Viktoriastift in absehbarer Zeit für Erholungssuchende? Es gibt große Pläne für Herrenhaus und Park.
Öffnen sich die Tore zum Viktoriastift in absehbarer Zeit für Erholungssuchende? Es gibt große Pläne für Herrenhaus und Park.

Vorbei der Spuk: Die Geisterjäger sind aus dem Viktoriastift verbannt. Stattdessen sollen bald Urlauber Einzug halten. Ein Ferienpark in der Nordpfalz? Klingt unglaublich.

Frühstück auf der riesigen Terrasse des herrschaftlichen Hauses mit Blick ins Grüne und auf Gersweiler. Cocktails schlürfen im Salon irgendwo hinter der hohen Empfangshalle der Villa – zum Abschluss eines ausgefüllten Tages. Nach Reiten, Golfspielen, Schwimmen und abschließendem Restaurantbesuch gleich nebenan betten die Erholungssuchenden dann ihre müden Häupter im schicken Ferienhäuschen am See. Oder werfen noch den Barbecue-Ofen im Garten an. Klingt nach einem guten Urlaubsplan. Wer sich’s leisten kann und mag, soll so – oder so ähnlich – Erholung in der Nordpfalz finden können. Dafür bürgen soll das Parkresort Palais Victoria.

Vom Urlaubs- und Erholungsresort gibt’s bislang nur Pläne, Skizzen und grobe Modelle. Eine vage Vorstellung erhält, wer auf die Internetseite der eigens für die Entwicklung des Projekts gegründeten Gesellschaft schaut. Dort wird verheißungsvoll geschildert, welch kleines Erholungsparadies da am nördlichen Ortsrand von Finkenbach-Gersweiler entstehen soll.

Projekt schon ein Mal öffentlich präsentiert

Im März 2022 haben die Verantwortlichen der „ppv Grundbesitz GmbH & Co KG“ mit ihren Plänen für große Überraschung gesorgt. Damals hatte die Investorengruppe ihr Vorhaben öffentlich gemacht und vor Ort skizziert. Die im Zuge der Präsentation verlautbarte Pressemitteilung – im Mai 2022 nachgelegt – ist bis heute die einzige geblieben. Mit Informationen zu dem Vorhaben gehen die Verantwortlichen der Gesellschaft, die ihren Sitz im hessischen Griesheim hat, arg sparsam um.

Indes herrscht bei der Investorengruppe offenkundig die Ansicht vor, dass es zurzeit auch wenig Neues gebe. Auf Anfrage verwiesen die Initiatoren darauf, dass das Ferienpark-Vorhaben „selbstverständlich unverändert weiterverfolgt“ werde. Ein rechtskräftiger Bebauungsplan liege ja bekanntlich vor. Allerdings hätten sich die Investoren entschieden, im Bebauungsplan Optimierungen vorzunehmen. Nun warte man auf den Abschluss des Änderungsverfahrens – das sei dann der „Meilenstein für das Vorhaben“. Das Verfahren zur Änderung des Bebauungsplans dauere leider länger als erhofft. „Aber es läuft gut.“

Vor 30 Jahren war ein Reiterhof geplant

Auf Anfragen der RHEINPFALZ hat das Unternehmen wiederholt zügig reagiert. So bestätigt die Projektierer-Gesellschaft in einer Mitteilung, dass auch unter den inzwischen zusehends erschwerten Bedingungen – steigende Zinsen, Verfügbarkeit von Bau- und Handwerksunternehmen etwa – an dem Vorhaben festgehalten werde. Ende vergangener Woche hat zudem die ebenfalls zum Kreis der Projektverantwortlichen zählende Beate Schecker auf Anfrage hin angekündigt, nach Rückkehr von einer dienstlich bedingten Reise in den kommenden Tagen nähere Auskünfte zu erteilen.

Die Betriebswirtin gehört gemeinsam mit ihrem Ehemann Udo Schecker zum Kreise der Projekt-Initiatoren. Udo Schecker hatte das Viktoriastift vor gut 30 Jahren erworben und zwischenzeitlich mit dem Gedanken geliebäugelt, dort einen Reiterhof zu bauen. Derlei Pläne aber waren versandet. Schecker war es auch, der in den Erhalt der mit den Jahren arg heruntergekommenen Gebäudesubstanz investiert hatte. Unter anderem sind Gebäudeteile mit neuem Dach versehen worden.

Gebäude-Ensemble vor 100 Jahren erbaut

Im vergangenen Jahr ist das Landgut 100 Jahre alt geworden. Der Finkenbacher Kaufmann Heinrich Lieser hatte sich – mit Eisenwarenhandel zu Reichtum gelangt – das Hofgut bauen lassen. Ab 1919 entstanden das im neubarocken Stil erbaute Herrenhaus auf dem Hügel sowie die beiden Flügel mit landwirtschaftlichen Nutzgebäuden.

Bauherr Lieser aber hatte nur vier Jahre lang Vergnügen an seinem prunkvollen Zuhause, ging er doch pleite. Das Anwesen wurde an das Viktoriastift in Bad Kreuznach verkauft – daher rührt auch der heutige Name. 50 Jahre lang wurden die Gebäude genutzt, dienten als Kinder- wie als Altenheim, während der Zeit des Nationalsozialismus als Müttergenesungsheim. Als das Altenheim 1972 seine Pforten endgültig schloss, wurde das rund 60 Hektar umfassende Areal verkauft.

Filmchen vom Villa-Innern geistern durchs Netz

Kernstück des Geländes, über das eine Eigentümergesellschaft verfügt, sind die am Ortsrand Gersweilers Richtung Schiersfeld liegenden Gebäude, die nun seit ziemlich genau einem halben Jahrhundert leerstehen. Lediglich „Geisterjäger“ scheinen sich in jüngerer Vergangenheit für die düster anmutende Anlage interessiert zu haben. Davon zeugen jedenfalls so einige Videoclips, die im Internet frei zugänglich sind. Das Viktoriastift wird innerhalb einer Szene, die verwaiste Bauten heimsucht und verbotenerweise erkundet, als ein „Lost Place“ (verlorene Stätte) geführt.

Die Videoclips der Eindringlinge zeigen, wie sich in der hohen Eingangshalle der „Geistervilla“ der Schutt türmt. Das hat sich offenkundig geändert: Die Internetpräsenz der Ferienpark-Planer zeigt ein Foto der säuberlich aufgeräumten Halle. Der Spuk ist zu Ende, die Geisterjäger verbannt – das Areal ist seit einigen Jahren kameraüberwacht.

Von dreistelliger Millionen-Investition die Rede

Als Parkresort Palais Victoriastift soll es dann einmal allen offen stehen. Das Herrenhaus soll zu einem „Club“ werden, in dem der Puls des Ferienparks schlägt. Auf gut sechs Hektar sollen in nördlicher Richtung Apartments und kleinere Häuser entstehen, die als Urlaubsdomizil, aber auch als Zweitwohnsitze dienen könnten. Hotel, Restaurant und Einrichtungen, die dem Ferienspaß wie dem Wohlbefinden dienen – Stichwort Sport und Wellness – sollen ebenfalls entstehen. Wesentliches Element ist eine Seenlandschaft. Was den geplanten See angeht, sind auch noch die meisten Fragen des laufenden Planverfahrens offen. Das Büro IGR Rockenhausen begleitet besagtes Prozedere zur Bebauungsplan-Änderung.

Die Bauherren indes hoffen, dass sie gleich im Jahr 2024 loslegen können. Die Fertigstellung solle etappenweise erfolgen. Auszugehen sei von gut zwei Jahren Bauzeit. Die Rede ist von einem dreistelligen Millionenbetrag, der in den Park fließen soll. Die Rede ist auch von bis zu 180 Jobs, die im Resort entstehen sollen – in „Deutschlands einzigartigem nachhaltigem Ferienpark“, der nach Vorstellungen der Projektgesellschafter in Finkenbach-Gersweiler entstehen werde.

Gute Aussichten für Genehmigung von See

Für den Ferienpark liegt bereits seit genau 30 Jahren ein rechtskräftiger Bebauungsplan vor, der für das gut sechs Hektar große Areal des Viktoriastifts „Erholungs-, Rehabilitations- und Freizeitanlagen“ vorsieht. Die Projektträger-Gesellschaft hat eine Änderung des Plans angestoßen, das Verfahren läuft seit vergangenem Jahr, ist aber noch nicht abgeschlossen. Im Wesentlichen geht es um die Anlage eines Sees.

Dem künstlichen Gewässer steht, wie die Untere Wasserbehörde der Kreisverwaltung mitteilt, nichts im Wege, weil kein Grundwasser angetastet und auch der Moschel nichts entnommen werden soll. Gespeist werden soll der See aus der Oberflächen- und Dachentwässerung des Areals. Die Obere Wasserbehörde bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd weist darauf hin, dass noch der Antrag aussteht, Wasser in die Moschel ableiten zu dürfen. Vorgesehen ist, dass der See auch als Rückhaltebecken dem Hochwasserschutz dient.

Wenig einladend: das Herrenhaus des Viktoriastift-Ensembles. Die Aufnahme entstand im Jahr 2001, unmittelbar vor den der Substan
Wenig einladend: das Herrenhaus des Viktoriastift-Ensembles. Die Aufnahme entstand im Jahr 2001, unmittelbar vor den der Substanzerhaltung dienenden Sanierungsarbeiten am denkmalgeschützten Ensemble.
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