Donnersberg
Feilen am Wald der Zukunft
Ein Bild, das auffällt. Ringsum graue, trockene Stämme und Gezweig abgestorbener Gewächse. Und mittendrin ein Baum in dichtem, saftig-leuchtendem Grün. „Als Förster muss man, wenn man unterwegs ist, beobachten und schauen: Was verändert sich, wo geht die Reise hin?“, erklärt Förster Martin Teuber. Dieses Bild war für ihn einprägsam. Rundum tote Eichen – und mittendrin dieser so kerngesund wirkende französische Ahorn. Fast eine Aufforderung, dieser Konstellation an diesem kargen, vom Klimawandel so gezeichneten Hang westlich von Steinbach mehr Aufmerksamkeit zu widmen bei der Frage, wie sich Wald hier erhalten lässt. Und um mehr als Walderhalt könne es hier unter den Vorgaben des Klimawandels nicht gehen.
Zusammenarbeit mit Genressourcen-Zentrum
Vor gut drei Jahren war dieser Teil am Südhang des Donnersbergs, der mit großflächig absterbenden Eichen und Schwarzkiefern damals schon wie ein Baumfriedhof wirkte, ein Alarmsignal für das Ausgreifen des Klimawandels auf die Region. Inzwischen hat Teuber auf der Fläche eine Art Baumartenlabor untergebracht, gestützt auf die Wahrnehmung dessen, was hier offenbar noch zurechtkommen könnte mit den kargen Bedingungen. Der französische Ahorn ist ein solcher Baum, selten in Rheinland-Pfalz, aber hier an solchen Standorten schon immer vorhanden, auch an ähnlich schwachen Standorten an der Mosel sei er zu finden, erklärt Teuber.
Wem beim Wandern und Spazierengehen hier mit grünem Gewebe bedeckte Holzgestelle auffallen, die sich den Hang hinaufziehen, der ist auf dieses „Waldlabor“ gestoßen. „Wir haben ja das forstliche Genressourcen-Zentrum in Trippstadt, das Samen der rheinland-pfälzischen Wälder sammelt, bewertet und einlagert“, berichtet Teuber. Darin findet sich Saatgut von Pflanzen aus eben solchen kargen Standorten wie hier oder an der Mosel. Bäumchen aus forstlichen Pflanzschulen wären zwar auch verfügbar, doch hätten die nicht dieses Genmaterial. Aus optimaler Versorgung kommend, würden sie hier zudem erstmal einen „Pflanzschock“ erleiden, potenziert noch um die Mängel des Standortes. Deswegen sei die Idee gewesen, von Trippstadt gezielt Saatgut trockentoleranter Bäume von kargen Standorten zu nehmen, es hier anzupflanzen und zu sehen, wie sich die Pflanzen entwickeln.
Der Erosionsgefahr entgegenwirken
So wurde Saatgut von Baumarten wie eben dem französischem Ahorn oder von Mehlbeere, Speierling, Elsbeere, Wildapfel, Wildbirne oder Sommerlinde hier in den spröden, steinigen Boden eingebracht. Pro Baumart seien letzten November drei Saatflächen angelegt worden. Holzgestelle und die grüne Gewebeabdeckung schützen die Anlagen vor dem Appetit von Vögeln und Wild. Mitgewirkt habe auch ein Kollege aus Trippstadt.
„Der Saaterfolg war unterschiedlich“, bilanziert Teuber. Mal ist die Fläche ganz voll von frischen Trieben, mal tut sich wenig. Und bei der Sommerlinde hätten sich die Mäuse bedient. Insgesamt findet Teuber den Erfolg aber ermutigend. Es tue sich einiges unter den Kisten. Die müssten nun einstweilen etwas „mitwachsen“, also aufgestockt werden, um die jungen Pflanzen in der ersten Wachstumsphase noch zu schützen und zu verhindern, dass sie durch die grüne Gewebeauflage hindurchwachsen. Es ist auch ein gewisser Aufwand erforderlich, etwa für die erste Wachstumsphase Wasser heraufzubringen.
Wenn die Pflanzen den Sommer überstehen, könnten sie nächstes Jahr in der Fläche ausgebracht werden. „Es wird ein anderer Wald sein, als wir ihn kennen. Aber es ist eine waldähnliche Struktur“, blickt Teuber in die Zukunft. Die Notwendigkeit, hier Wald zu erhalten, ergibt sich schon aus dem Risiko, die Fläche ansonsten der Erosion preiszugeben. „Wenn die Erde mal weg ist, dann ist sie weg. Dann ist hier Felsen, und dann wächst gar nichts mehr.“
Es ist nicht die einzige Aktion dieser Art. Wenige hundert Meter weiter wurden in einer Einfriedung auch Zerreichen gesetzt, eine sehr trockentolerante Baumart, die vor allem in Ungarn mit trockenem Klima sehr gut klarkommt.
