Donnersbergkreis
Waldbild am Donnersberg beunruhigend stark im Wandel
„Im Moment sieht es hier schlimm aus. Hier war zuvor intakter Wald“, sinniert Teuber in der Waldabteilung „Am Turm“ auf einer neu entstandenen Lichtung unmittelbar an der ehemaligen US-Radaranlage. Spuren der Waldarbeit sind unübersehbar, die meisten gefällten Stämme wurden rausgezogen und aufgepoltert am Rand des Weges, der am Fernsehturm vorbei zum Parkplatz führt. Manche liegen noch im Gewirr von Totholz. Einige intakte Fichten ragen am Rand der neuen Lichtung auf. Ihre Perspektiven sind aber nicht gut. „Wenn wir nicht im forstlichen Sinn ein Super-Frühjahr und -Sommer kriegen, also nass und kalt, dann werden die Fichten hier komplett verschwinden“, so Teubers Prognose. Entlang dieses Weges, den viele Spaziergänger nutzen, wird sich der Einschlag fortsetzen.
„Wir holen die weg, die kaputt sind“, erklärt Teuber das Vorgehen des Forstes. „Schnell rein muss ich, wenn der Käfer noch drin ist. Wenn die Rinde weg ist, kann der sich nicht entwickeln.“ Immerhin schädigten die Borkenkäfer nicht das Holz selbst, das also noch verwertet werden kann und auch verwertet wird. Den Kampf um den Erhalt der Fichte an diesen Standorten sieht Teuber aber verloren. Der dafür erforderliche Aufwand sei wirtschaftlich nicht mehr vertretbar.
Doppelproblem: Trockenheit und Borkenkäfer
Der Fichte macht schon seit längerer Zeit ein Doppelproblem den Garaus: die Trockenheit und der genannte Borkenkäfer. Zwei Faktoren, die sich bedingen, denn Wärme und Trockenheit fördern die Entwicklung des Schädlings. Drei Jahre hintereinander hat er es geschafft, sich pro Jahr jeweils über drei Generationen zu vermehren. Ein exponentieller Zuwachs ist die Folge, anders formuliert: Die Populationen explodieren regelrecht.
Eigentlich sei die Fichte am Donnersberg nicht so ein Riesenthema wie etwa im Hunsrück, wo sie quadratkilometerweise wächst und ihre Ausfälle bedrohliche Ausmaße angenommen haben. „Bei der letzten Forsteinrichtung vor fünf Jahren hatten wird fünf Prozent. Davon ist der Großteil schon weg, wir sind jetzt vielleicht bei eins, zwei Prozent“, beziffert demgegenüber Teuber den Anteil am hiesigen Baumartenmix. Aber: „Am Donnersberg fällt das halt massiv auf. Wenn Sie von Kirchheimbolanden über Dannenfels auf den Donnersberg geschaut haben, dann waren da letztes Jahr riesige braune Flecken.“ Das sind nun die Stellen, wo die Fichte sukzessiv eingeschlagen wird. Man wird diese wachsenden Lücken dann immer deutlicher wahrnehmen.
Immerhin hat sich der Markt gedreht. Nachdem die Holzpreise letztes Jahr so tief im Keller waren, dass sich nicht mal die Kosten des Einschlags erlösen ließen, sei die weltweite Nachfrage nach Holz nun so extrem angestiegen, dass regelrechter Mangel herrsche, Holz nach China und in die USA exportiert werde, und die Preise entsprechend gestiegen seien. Teubner sieht da einen Corona-Effekt am Werk: Weltweit wird renoviert, saniert, gebaut, was das Zeug hält.
Buchen bedroht vom „Sonnenbrand“
Die Fahrt durch den Forst führt weiter in den Dannenfelser Gemeindewald oberhalb der Ortslage. Hier stehen vor allem Fichten und Buchen, zumeist schlanke, hochaufragende Stangen. Bei den Fichten ist die Notlage nicht zu übersehen, viele haben kaum noch Rinde. Aber auch den Buchen geht es schlecht. „Die ist tot, die ist tot, die auch“, deutet Teuber in die Kronen, wo totes Geäst und aufgeplatzte Rinden Ungutes anzeigen.
Und wenn die Fichten hier wegfallen, stehen die Buchen stärker im Sonnenlicht, das ihnen so direkt nicht guttut. „Buchen bekommen Sonnenbrand“, erklärt Teuber. Die Auswirkungen seien ähnlich wie eine Thrombose beim Menschen. Das Absterben der Kronen birgt dann Gefahren und Pflichten für die Sicherung der Verkehrswege, denn Buchen haben nicht die langen, starken Fasern, die Fichten als Bauholz so attraktiv und wertvoll machen. Die Krone einer Buche kann regelrecht auseinanderbrechen.
Verjüngen kann sich die Fichte hier nicht mehr, weil es keine Samenbäume mehr gibt: „Die Fichten sind tot.“ Über die Naturverjüngung werden auf den Lichtflächen nun Kiefern, Lärchen, Birken nachwachsen, auch Douglasien, die laut Teuber momentan noch stabilste Nadelbaumart. Auch die Tanne, lange Jahre waldbaulicher Hoffnungsträger als Alternative zur Fichte als Bauholzlieferant, hat zunehmend Probleme durch Käferbefall.
„Hier hat es hunderte Jahre für die Buche gereicht“
Die Buche bleibt Thema auf der Weiterfahrt durch Teubers Revier. Massive Ausfälle hat er festgestellt an manchen Hängen. „Im ganzen Wildensteiner Tal stirbt die Buche ab. Dicke Buchen, dünne Buchen.“ Und das ist eine größere Hiobsbotschaft als die vom Sterben der Fichten. Denn die Buche ist der Baum, der mit 60 Prozent den stärksten Anteil am hiesigen Baumbestand hat. Nun muss Teuber feststellen: „Die Buche ist kein Baum, der uns durch den Klimawandel bringt.“ Das Problem trete zwar nicht großflächig auf, sondern betreffe vor allem die Trockenstandorte: Aber: „An denen hat es hunderte Jahre für die Buche gereicht.“
Auch einer der touristisch beliebtesten Orte am Donnersberg, der Aussichtspunkt am Adlerbogen, passt in diesen Gesamtbefund. Buchen gebe es hier fast gar keine mehr, nur noch Eichen, und auch die sähen nicht gut aus. Der Bereich lichte sich immer stärker, teilweise kürze man hier hin und wieder die Bäume um die absterbenden Kronenteile. Freilich, auch das sei kein hochwertiger Standort. Doch früher sei der Adlerbogen aus der Ferne in deutlich bewaldeterem Umfeld nicht so deutlich zu sehen gewesen wie jetzt. „Hier kommen Jahr für Jahr immer mehr Bäume weg.“
Donnersberger Wald mit Prognosefunktion
Auf der Rundfahrt durch den Wald oberhalb von Dannenfels gibt es aber auch Erfreuliches. Besser als gedacht hat sich das Ergebnis der Bürgerpflanzaktion entwickelt, die letztes Jahr unmittelbar vorm ersten Lockdown noch möglich gewesen ist und an der sich unerwartet viele Menschen beteiligt hatten. Gut 60 Prozent der gepflanzten Bäumchen seien angewachsen und entwickelten sich gut, viel mehr als er sich erhofft habe, so Teuber.
Der Wald am Donnersberg verdient ein genaueres Hinsehen, nicht nur weil er neben der forstwirtschaftlichen auch eine große Bedeutung hat für Tourismus und Naherholung. Teuber sieht am Donnersberg auch eine gewisse Prognosefunktion. Folgen des Klimawandels, hat er festgestellt, würden hier zuerst sichtbar.