Donnersbergkreis
„Für jeden etwas dabei“: Noch gibt es freie Ausbildungsplätze
Vor allem viele kleine und mittlere Unternehmen tun sich in der Krise schwer damit, in den Nachwuchs zu investieren. Denn zunächst mal kostet das immer Geld – Geld, das in den Betrieben knapp ist wie selten zuvor. Daher appellierte Peter Weißler, der Leiter der für die Westpfalz zuständigen Arbeitsagentur Kaiserslautern-Pirmasens, im Corona-Sommer an die Unternehmer, Jugendlichen „die Chance für den Einstieg ins Berufsleben zu geben“. Es sei verständlich, dass das Thema Ausbildung in vielen Betrieben in den vergangenen Monaten zurückgestellt worden sei. Doch klar sei auch: „Nur die frühzeitige Ausbildung des Nachwuchses sichert die Fachkräfte der Zukunft.“
Aus dem Donnersbergkreis sind in diesem Jahr 8,9 Prozent weniger Ausbildungsstellen gemeldet worden als im Vorjahr. Das sei unauffällig, sagt Weißler, und liege im Westpfalz-Schnitt. Ende August 2019 waren es im Kreis 404 Stellen gewesen, ein Jahr später 368. Zurückgegangen ist aber auch die Anzahl der Bewerber, und zwar noch etwas stärker: Waren es vor einem Jahr noch 499 gewesen, sind es diesmal 447. Damit kommen im Schnitt weniger Bewerber auf eine Ausbildungsstelle.
Ausbildungsmarkt hängt hinterher
Noch knapp jeder Vierte dieser Bewerber sucht nach wie vor nach einer Stelle – und noch viele Stellen warten auf den passenden Interessenten. Obgleich es eigentlich höchste Zeit ist für die Bewerber, sei das zu erwarten gewesen, sagt Weißler. Denn der Bewerbungs- und Einstellungszeitraum hänge gegenüber normalen Jahren etwa vier Wochen hinterher – weil sowohl Betriebe als auch Jugendliche anderes im Kopf hatten und das Thema auf die lange Bank geschoben haben. Daher dürften im September noch einige Verträge unterzeichnet werden. Der Chef der westpfälzischen Arbeitsagentur geht davon aus, dass es am Ende nicht mehr unversorgte Bewerber sein werden als im Jahr 2019: 85 waren es da zum Stichtag 30. September gewesen. All jenen, die noch auf der Suche sind, rät er, sofern noch nicht geschehen, möglichst schnell ein Gespräch mit der Berufsberatung der Arbeitsagentur zu vereinbaren.
Bei der jüngsten Erhebung Anfang September gab es noch fast 100 unbesetzte Stellen für angehende Azubis im Kreis. Vom Maler und Lackierer über Verkäufer, Augenoptiker, Koch bis hin zum zahnmedizinischen Fachangestellten. „Es ist noch für jeden etwas dabei“, sagt Peter Weißler. Wichtige Voraussetzung sei Flexibilität, „gerade im ländlichen Bereich ist auch Mobilität sehr wichtig“. Viele Jugendliche pendeln aus dem Donnersbergkreis nach Kaiserslautern, Bad Kreuznach oder Worms. „Da ist es mit dem ÖPNV (Öffentlicher Personennahverkehr) nicht immer ganz einfach“, weiß Weißler.
Börse auf dem Betze fehlt
Eine nicht ganz einfache Situation sei es in den vergangenen Monaten für die Schüler gewesen, „weil wir diesmal nicht durchgängig an den Schulen sein konnten“. Mittlerweile werde allerorts versucht, die Beratung vor Ort wieder zu ermöglichen. Seit Mitte August sind wieder Berufsberater an den Schulen. Allerdings sei der Jahrgang, der nun in die Ausbildung startet, immerhin „noch orientiert worden“.
Mehr Gedanken macht sich der Leiter der Arbeitsagentur Kaiserslautern-Pirmasens um den nun folgenden Ausbildungsjahrgang. Denn dem habe schon die Beratung als Vorentlassklasse gefehlt. Und nun müsse er auf etliche weitere Möglichkeiten verzichten, bei denen Kontakte zwischen Firmen und angehenden Azubis entstehen. So sei es corona-bedingt beispielsweise unmöglich gewesen, die Ausbildungsbörse im Fritz-Walter-Stadion auszurichten, die seit zwölf Jahren in Zusammenarbeit der Arbeitsagentur mit dem 1. FC Kaiserslautern angeboten wird. In früheren Jahren hatten sich dort Anfang September stets mehr als 100 Betriebe vorgestellt, rund 4000 Schüler hatten das Angebot Jahr für Jahr angenommen.