Winnweiler
Es darf wieder geschwommen werden
Bürgermeister Rudolf Jacob war die Freude, dass es jetzt endlich losgehen kann, am Dienstag beim „Anschwimmen“ von Georg Mayer deutlich anzusehen. Zwei verlorene Saisons muss so eine Verbandsgemeinde erst mal wegstecken – Gesamtkosten von knapp sechseinhalb Millionen Euro sind schon eine Hausnummer. „Die größte Einzelinvestition aller Zeiten“, wie er hervorhob.
„Dass wir um eine Generalsanierung des Bades nicht herumkommen würden, war aber auch klar“, so Jacob. Die letzte große Sanierung fand 1964 statt. Los ging es im September 2018 mit der Ausschreibung der Schlüsselgewerke Wassertechnik, Edelstahlbecken und Rückbau. Im November begannen die Arbeiten.
Verzögerungen bleiben nicht aus
Wie bei jedem großen Bauprojekt kam es auch in Winnweiler zu unvorhergesehenen Verzögerungen. Das Wetter schlug Kapriolen, Lieferungen kamen nicht rechtzeitig an, Arbeiter aus dem Ausland konnten coronabedingt nicht auf die Baustelle, beim Edelstahlgewerk wurde die Vergabe angefochten, was die Arbeiten um Monate verzögerte. Beim Kerngebäude, das eigentlich erhalten werden sollte, gab es Schwachstellen im Keller, die eine Sanierung unmöglich machten, sodass dieses komplett abgerissen werden musste, bei den Tiefbauarbeiten zeigt sich, dass die vier Meter im Boden liegende Gewässerverrohrung gebrochen war, was sich nicht nur auf die Bauzeit auswirkte, sondern auch Zusatzkosten in Höhe von 500.000 Euro verursachte. Wie nicht anders zu erwarten, erwiesen sich alle Probleme aber letzten Endes als lösbar.
Alles in allem waren an der Sanierung 21 Gewerke beteiligt, die Gesamtkosten betrugen 6,6 Millionen Euro, allein 900.000 davon waren Planungskosten. Die danach größten Einzelposten waren die Edelstahlarbeiten in den beiden Becken, die Wassertechnik, der Rohbau des Technik- und Eingangsgebäudes und der Aufsichtsturm. Auch die neue Großwasserrutsche schlug mit 300.000 Euro zu Buche.
Vom Land gab es dazu eine Förderzusage in Höhe von 940.000 Euro, mit weiteren 122.000 Euro wird noch gerechnet. Der Rest bleibt an der Verbandsgemeinde Winnweiler als Trägerin des Bades hängen.
Neue Technik sorgt für Einsparungen
Das Bad ist ausgelegt für 3000 Badegäste täglich. „So viele werden es aber im Grunde nie, bei schönem Wetter kann die 2000er Marke allerdings auch mal überschritten werden“, so Jacob. Und natürlich ist das gesamte Bad barrierefrei.
Für die Wassererwärmung sorgt ein Blockheizkraftwerk, dessen Strom, 60.000 Kilowattstunden jährlich, außerdem für die Pumpe genutzt wird. Einen zusätzlichen „riesigen Energie-Einspareffekt“, wie Jacob sagt, gibt es dank der neuen Beckenabdeckung: Weil der Wärmeverlust nachts sehr groß ist, werden die beiden Wasserflächen mit Folien abgedeckt, die über große Rollen laufen und tagsüber in eigens installierten Schränken verstaut werden.
Neu im Bad ist auch der Aufsichtsturm mit der verglasten und klimatisierten Kommandozentrale. Er befindet sich zwischen Schwimmer- und Nichtschwimmerbecken, somit können beide perfekt eingesehen werden.
Wiederverwendet werden konnten die Platten des Beckenumgangs, die Liegen und Bänke. Neu ist das erhabene Sonnendeck. Im Keller darunter befinden sich die acht großen Filtergehäuse, in denen das Wasser aufbereitet wird, indem durch ein Granulat läuft – „das Prinzip Kaffeemaschine“, wie Jacob verdeutlicht.
VG fördert Schwimmkurse für Vorschulkinder
Stolz ist Jacob darauf, dass das 50-Meter-Schwimmerbecken nicht einem der vielerorts Standard gewordenen Kombibecken weichen musste. „Wir haben deswegen unter den Nutzern eine Umfrage gemacht – das Ergebnis war eindeutig und wurde letztlich auch vom Land akzeptiert.“ Für Jacob ist das ein Zeichen, dass der Trend wieder weg von reinen Spaßbädern geht, dass wieder mehr geschwommen wird. Dem will die VG auch Rechnung tragen, indem sie gezielt das Schwimmenlernen bei Kindern fördert, etwa durch kostenlose Schwimmkurse für alle Vorschulkinder der VG. Dafür gibt es ein entsprechendes Fortbildungsangebot für Kita-Personal beim DLRG. Außerdem wurde das Alter für freien Eintritt angehoben: Erst mit zehn Jahren müssen Kinder erstmals zahlen. Schulen können das Bad zu bestimmten Zeiten kostenlos nutzen. Auch werden allgemein Schwimmkurse angeboten – derzeit gibt es bereits 25 bis 30 Voranmeldungen.
Im Schwimmbad, das als Eigenbetrieb geführt wird, gibt es drei festangestellte Mitarbeiter, die im Winter bei den Wasserwerken eingesetzt werden. Dazu kommen zwei Teilzeitkräfte für Kasse und Reinigung. Außerdem gibt es drei Aushilfen mit Rettungsschwimmer-Abzeichen in Silber, die Verträge auf Arbeitszeitbasis haben. Der Kiosk ist verpachtet.
Seit vielen Jahren erste Preiserhöhung
Bei den Eintrittspreisen hat man sich zum ersten Mal seit vielen Jahren, wie Jacob betont, zu einer Erhöhung durchgerungen. Die Einzelkarte für Erwachsene kostet 3,20 Euro, Kinder unter Zehn zahlen nichts, ab Zehn kostet es 1,70 Euro. Die Zwölferkarte für Erwachsene ist für 35,20 Euro zu haben, für Kinder kostet sie 18,70 Euro. Für eine Dauerkarte zahlen Erwachsene 64 Euro, Kinder 34 Euro. Familienkarten kosten für zwei Erwachsene 98 Euro, für jedes Kind ist ein Aufschlag von 17 Euro zu zahlen. 440 Dauerkarten wurden bereits verkauft. Wegen der coronabedingten Einschränkungen werden derzeit übrigens keine Einzelkarten verkauft, und Zwölferkarten nur im Zusammenhang mit der Luca-App. Für Frühschwimmer wird zweimal die Woche ab 7 Uhr geöffnet, die normalen Öffnungszeiten sind 12 bis 19 Uhr, bei schönem Wetter ist auch länger möglich, bei schlechtem kann das Bad zwischen 13 und 16 Uhr geschlossen werden.