Winnweiler
Freibad öffnet wieder – Erster Badegast: Der 92-jährige Georg Mayer
Obwohl, von einem Schwimmzug kann eher weniger die Rede sein: „Ich lag oben auf dem Sprungbrett“, erinnert sich der topfitte Senior. „Mein sieben Jahre älterer Bruder saß neben mir. Unten im Wasser schwamm mein Vater.“ Die beiden hatten offenbar abgesprochen, dass es an der Zeit sei, dass der knapp sechsjährige Georg endlich schwimmen lernen sollte. Denn: „Plötzlich packte mich mein Bruder – und schmiss mich einfach ins Wasser. Als ich platschend und zappelnd wieder auftauchte und an den Beckenrand wollte, stieß mich mein Vater einfach immer wieder von sich weg und rief: ,Schwimm!’ Das hab ich dann auch gemacht. Und so habe ich an diesem einem Tag im Sommer 1935 das Schwimmen gelernt.“
Früher wäre es auch nicht gegangen, denn 1935 war das Öffnungsjahr des Bades. Davor mussten die Leute aus Winnweiler und Umgebung mit Badeplätzen an der Alsenz und am Lohnsbach, wie es in der Ortschronik heißt, vorlieb nehmen. Wobei – ein Freibad nach heutigen Vorstellungen war es natürlich nicht, vielmehr handelte es sich um einen mit einer Mauer eingefassten Schwimmteich, dessen Boden die gewachsene Erde bildete. In der Gegend gab es zahlreiche Teiche dieser Art – auch der inzwischen verschwundene Kirchheimbolander Thielwoog hat sich aus ähnlich bescheidenen Anfängen entwickelt.
Erste Renovierung in den 1960er Jahren
Immerhin gab es damals schon ein Kassenhäuschen, Umkleideräume, sogar Einzelkabinen – und natürlich den von Mayer schon erwähnten Drei-Meter-Sprungturm. „Die Wasserfläche war 120 Meter lang“, erinnert sich Mayer, „und nach 50 Metern gab es eine Brücke“.
In dieser Gestalt konnte das Bad gut 30 Jahre lang genutzt werden. Eine erste umfangreiche Renovierung wurde in den 1960er Jahren fällig. Damals kostete das Ganze 600.000 D-Mark. Für die aktuelle Umgestaltung waren mit Planung rund sechseinhalb Millionen Euro fällig. Nach Gründung der Verbandsgemeinde kam noch eine Heizung dazu, aber das war es dann auch. Bis 2014 schließlich begonnen wurde, eine umfangreiche Modernisierung zu planen. Im Herbst 2018 folgte der erste Spatenstich, und bis 2020 wurde gebaut. Der vagen Hoffnung auf einige Öffnungstage machte dann allerdings die Corona-Pandemie einen dicken Strich durch die Rechnung. Bis jetzt.
Am Dienstag noch unklar, ob geöffnet wird
Dabei stand selbst am Dienstagnachmittag noch nicht endgültig fest, ob das Bad tatsächlich am Mittwochmorgen öffnen würde. Die Landesregierung hatte zwar prinzipiell grünes Licht für den 2. Juni gegeben, es aber versäumt, die genauen Modalitäten mitzuteilen. „Man sollte ja erwarten, dass so eine Schwimmbadöffnung im Juni für das Land nicht als völlige Überraschung kommen würde, aber offenbar war keine Zeit, sich über so etwas vorher mal Gedanken zu machen“, kommentierte VG-Chef Rudolf Jacob am Dienstag gallig, bevor er sich entschloss, das Ganze auf seine Kappe zu nehmen. „Wir orientieren uns bis auf weiteres an den Regeln vom vergangenen Jahr“, so Jacob.
Vorerst kein Verkauf von Einzelkarten
Im einzelnen bedeutet das: Außerhalb des Wassers muss eine Maske getragen werden, alle drei Stunden wird desinfiziert, es können sich maximal 550 Gäste gleichzeitig im Bad aufhalten, die Bahnen werden abgeteilt und dürfen nur jeweils in einer Richtung beschwommen werden, und die warmen Duschen im Umkleidetrakt können nicht genutzt werden. Und ganz wichtig: „Einzelkarten werden wegen der Pflicht zur Kontaktverfolgung derzeit nicht verkauft. Das Bad nutzen können nur Besitzer von Dauerkarten, denn die werden ohnehin registriert, und von Zwölferkarten in Verbindung mit der Luca-App“, so Jacob. Später denke man eventuell daran, auch Einzelkarten an Nutzer der App zu vergeben.
Georg Mayer braucht das nicht zu kümmern, er hat wie immer eine Dauerkarte. Bis vor etwa fünf Jahren ist er in der Hochsaison täglich 2000 Meter geschwommen. Jetzt will er es etwas ruhiger angehen lassen: „Fürs Erste reichen mal 500 Meter.“ Vom Erscheinungsbild des neuen Schwimmbads ist er begeistert: „Ach du lieber Gott, sagenhaft!“, lautet sein unmissverständliches Urteil. Ein ganz wichtiger Punkt hat sich übrigens seit den Anfangsjahren zum Glück geändert: „Der Bademeister damals konnte selbst nicht schwimmen.“