Donnersbergkreis Eine Familie im Zeichen des Eisens

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2017 ist ein Gienanth-Gedenkjahr: 1742 – vor 275 Jahren – begann der Bau der Eisenschmelz im Winnweilerer Ortsteil Hochstein und mit ihm die industrielle Präsenz der Familie Gienanth in der Donnersbergregion. Vor 250 Jahren wurde Freiherr Ludwig von Gienanth geboren, und vor 175 Jahren verstarb Freiherr Friedrich von Gienanth. Anlass genug für das Jüdische Museum Winnweiler, zu einer Matinee in die Gienanth-Abteilung des Museums einzuladen.

Das kleine, aber feine und sehenswerte Museum widmet schon seit 2012 drei Räume der „Gienanth-Abteilung“. Hier wird die Geschichte und Bedeutung der Industriellenfamilie sowie ihrer Werke in der Pfalz sehr anschaulich dargestellt. Im Fokus stehen die beiden früher in Hochstein ansässigen Werke – die Kupfer- und die Eisenschmelz. Auch Werner Rasche informierte im ersten Teil der Matinee zunächst über die Bedeutung der Familie Gienanth. 262 Jahre lang war sie mit ihrem Betrieb in Hochstein präsent und damit der größte Arbeitgeber der Region – und einer der größten in der Pfalz. Auch deshalb soll die Erinnerung an die Gienanths hier bewahrt werden. Rasche wies auf besondere Ausstellungsstücke hin: Gusseiserne Ofenplatten mit biblischen Szenen oder Wappen verziert – erstere für sogenannte Bibelöfen, letztere für Wappenöfen. Ein kleiner röhrender Hirsch – die Originalform stammt von einem französischen Modelleur – und ein Ensemble von Raucherutensilien, darunter auch ein „Schafott“ zum Köpfen von Zigarren, verdienten eine besondere Erwähnung. Grabkreuze, Nähmaschinenköpfe und kleine Kunstgussprodukte lohnten ebenfalls ein genaueres Hinsehen. Letztere stellten die Mitarbeitern meist aus Abfall und „schwarz“ her, bevor die Produkte heimlich aus der Fabrik geschleust wurden – oft als Spielzeug für die Kinder zu Hause. Zitat eines Geschäftsführers: „Abends, wenn ich mich zum Zaun wende, sehe ich häufig, wie Taschen darunter durch geschoben werden. Dann drehe ich mich halt wieder zurück.“ Viele Bilder von Familienangehörigen und Mitarbeitern ergänzen die Ausstellung. Interessant ist zum Beispiel der Werdegang eines Lehrlings, dokumentiert durch Bild, Abschlusszeugnis und Jubiläumsurkunden. 1742: ein „Erbbestandsbrief“ und die Geburt des Unternehmens Anhand eines mit Bildern ergänzten Vortrags gestaltete Rasche den zweiten Teil der Veranstaltung. Er beleuchtete den Werdegang der Familie Gienanth und präsentierte die wichtigsten Protagonisten. Der erste in der Pfalz in Erscheinung getretene Gienanth war 1655 in Gimmeldingen der Wappen- und Waffenschmied Peter Georg Gienanth. Die Familie stammte vermutlich aus Burgund – was auch die damalige Namensschreibweise Guinaud erklären würde – und lebte wohl vor dem Zuzug in die Pfalz in der Schweiz. Bis heute ist das aber nicht eindeutig belegt. Johann Nikolaus Gienanth, Enkel von Peter Georg, war Direktor der Dudweiler Schmelz bei Saarbrücken, später Pächter des Wattenheimer Hüttenwerks und des Altleininger Hammers. Um 1739/40 kam er nach Imsbach, um dort Eisenerze, deren Abbau ruhte, zu untersuchen und deren Abbauwürdigkeit festzustellen. Auch die Obrigkeit war an einer Wiedernutzung der Imsbacher/Falkensteiner Erze sehr interessiert. So stellte ihm das Oberamt Winnweiler 1742 einen „Erbbestandsbrief“ aus, der ihm erlaubte, Erze abzubauen und zwischen Hochstein und Schweisweiler eine „Schmelz und Schmitte“ – die spätere Eisenschmelz – zu errichten. Der Brief gilt als Geburtsurkunde der Gienanth`schen Unternehmen in Hochstein. Johann Nikolaus ist Begründer der Hochsteiner Linie der Familie, die sich als einzige von mehreren Linien bis in die Gegenwart fortgesetzt hat. Noch im Jahr des „Erbbestandsbriefs“ startete der Bau des Hochsteiner Werkes, Arbeitsbeginn war wohl 1744. Nach dem Tod des Vaters 1750 übernahm der älteste Sohn Johann Jakob Gienanth die Werksleitung in Hochstein. Unter seine Ägide fielen zwei große Pachtverträge: 1753 das Eisenberger Hüttenwerk, das sein Sohn Ludwig 1800 kaufte, sowie 1771 das Eisenhüttenwerk im Karlstal bei Trippstadt mit fünf Betriebsstätten. Der bedeutendste Gienanth: Ludwig mehrt den Familienbesitz Nach dem Tod des bis zum Kurpfälzischen Bergrat aufgestiegenen Johann Jakob im Jahr 1777 führte seine Witwe mit ihrem Sohn Johann Gideon Gienanth den Betrieb weiter. Dessen Bruder Ludwig Gienanth – ab 1835 Freiherr Ludwig von Gienanth – betrieb ein kleines Hüttenwerk in der Schweiz bei Meiringen im Berner Oberland. Wohl aus Unerfahrenheit hatte er die schwierige Situation dieses Werkes verkannt und scheiterte damit – seine einzige „Jugendsünde“, wie er später bekannte. 1795 holte ihn die Mutter zurück. Ludwig sollte die Gesamtleitung der Gienanth-Werke in Hochstein, Wattenheim/Altleiningen und Trippstadt übernehmen. Er gilt als das bedeutendste Familienmitglied, der den Betrieb sicher durch die politischen Wirren der Revolutionszeit steuerte, alle Schulden tilgte und den Besitz der Familie durch Ankauf weiterer Werke, darunter das Eisenberger und Trippstadter Hüttenwerk, sowie diverser Höfe mit Landbesitz deutlich vermehrte. Zudem stieg er zum zweitgrößten Waldbesitzer der Pfalz auf – um die Holzkohleversorgung sicherzustellen. Doch Ludwigs größtes Problem war eine wohl erbliche Lungen- oder ähnliche Krankheit, an der vier seiner Kinder relativ früh starben. Als letzter im Alter von 37 Jahren Friedrich von Gienanth, der Werksleiter in Eisenberg war und eine Reihe wichtiger Baumaßnahmen initiierte, etwa das heute noch vorhandene Herrenhaus und den Gienanthpark. Auch eine „Alterstorheit“ muss man Ludwig anlasten: Gegen den Rat seiner Söhne kaufte er ein marodes Eisenhüttenwerk in Schönau in der Südpfalz, schaffte es aber trotz Investitionen nicht, es zum leistungsfähigen Betrieb auszubauen. Überraschung an der Spitze und das Ende eines Imperiums 1848 verstarb Ludwig. Nach seinem und dem Tod seiner drei ältesten Söhne musste der in seiner Jugend häufig kränkelnde Carl von Gienanth in den Betrieb einsteigen. Eigentlich war Carl gar nicht für Leitungsaufgaben vorgesehen. Doch er kam mit allen Problemen gut zurecht, lag mit einigen schwierigen Entscheidungen goldrichtig. Dazu gehörten die Umwandlung von Eisenberg und Hochstein vom Hüttenwerk in eine Gießerei, der Bau eines Stahlwerks in Kaiserslautern und der große Einsatz für den Bau einer Eisenbahnlinie im Alsenztal. Auch übernahm er eine Brauerei in Winnweiler – Freiherrlich Gienanth`sche Brauerei – und beteiligte sich erfolgreich an einer Rheinfrachtschifffahrtsgesellschaft. Seine Werke teilte Carl 1881 unter seinen Söhnen auf: An Max von Gienanth fiel Hochstein mit Hammerwerk Schweisweiler, Eugen von Gienanth erhielt Eisenberg mitsamt „Zubehör“, Ludwig von Gienanth bekam Trippstadt sowie das Stahlwerk in Kaiserslautern. Das ehemalige Firmenimperium war zerschlagen. Das Werk in Eisenberg blieb bis 1992 in Familienbesitz und besteht heute noch unter dem Namen Gienanth GmbH als Eisengießerei – allerdings im Besitz der Deutschen Beteiligungs AG in Frankfurt/Main.

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