Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Burg Falkenstein bereitet Sorgen

An einigen Stellen der Burg Falkenstein sind Risse zu sehen.
An einigen Stellen der Burg Falkenstein sind Risse zu sehen. Foto: Loeffel

Direkt unterhalb des Donnersbergs befindet sich die Anfang des 12. Jahrhunderts auf einem Vulkan-Schlot erbaute Burg Falkenstein. Besitzerwechsel, Sprengungen und nicht zuletzt der Zahn der Zeit setzten ihr zu. Gemeindevertreter sorgen sich zunehmend um die Zukunft der Ruine, die auch für den Tourismus von großer Bedeutung ist.

„Die Zeit nagt an der Burg, das ist das größte Problem“, betont Ortsbürgermeister Volker Demmerle. Und in der Tat, der Sanierungsbedarf wird bei der Stippvisite auf der Ruine an vielen Stellen deutlich. „Vor allem die Brücke ist gefährdet“, erklärt Demmerle beim Betreten des vor rund 30 Jahren gefertigten Holzbauwerks. Die Balken seien marode. „Ich weiß nicht, wie lange die noch halten. Wenn das so weitergeht, müssen wir sie in ein paar Jahren sperren.“ Stefan Weber, Erster Beigeordneter der Gemeinde, richtet seinen Blick bereits Richtung Winter. „Die Brücke bekommt wenig Sonne ab. Wenn das Holz im Winter dann nass ist, trocknet es noch schlechter.“

Die kalte Jahreszeit ist laut Weber eine Gefahr für das ohnehin schon angeschlagene Gemäuer. Immer wieder zeigt er auf große Risse, etwa am Burgtor. „Da könnten irgendwann Steine rausfallen, wenn nichts gemacht wird.“ Entsetzt ist er, wenn er die in den 1980er Jahren sanierten Bereiche sieht. „Der Sandstein wurde abgestrahlt und einfach mit Beton aufgespritzt. Das hat den Verfall beschleunigt.“ Besser gemacht worden sei dies bei der zweiten Sanierung Anfang der 1990er. „Da wurde richtig gemauert.“ Zu jener Zeit wurde auch das Amphitheater mit rund 250 Sitzplätzen gebaut. Die 1993 eröffnete Freilichtbühne war eine Bedingung der Bundesregierung für die Beteiligung an nötigen Sanierungsmaßnahmen, die der Donnersbergkreis im Zuge der Sperrung der Ruine im Jahr 1989 nicht alleine tragen konnte.

Es fehlt an Geld und Arbeitskraft

Erstmals schriftlich erwähnt wurde die Festung 1135 als Stammsitz der Herren von Falkenstein. Im Laufe der Zeit wechselte die Burg des Öfteren ihren Besitzer, zu denen neben Philipp I., Reichskämmerer und Burgvogt auf dem Trifels, auch das Habsburger Kaiserhaus und später der Donnersbergkreis zählen.

„Seit 1996 ist die Burg im Besitz der Ortsgemeinde Falkenstein“, berichtet Demmerle. Anfangs war das weniger ein Problem. Denn der 2000 gegründete „Verein für Heimatpflege und Erhaltung der Burgruine Falkenstein“ kümmerte sich um die Festung. „Mangels Ehrenamtlichen hat sich der Verein aber vor vier Jahren aufgelöst. Und seitdem ist die Gemeinde für die Pflege und den Erhalt der Ruine zuständig“, bemerkt Demmerle. Ein schwerer Brocken. Es fehlt an Geld und Ressourcen. Der halbtags beschäftigte Gemeindearbeiter komme nicht hinterher, habe mit den öffentlichen Flächen wie dem Friedhof mehr als genug Arbeit. Dabei sollten die Sanierungsarbeiten möglichst schnell angegangen werden, wie Weber betont. „Je früher, desto besser. Denn kleine Mängel bedeuten kleine Kosten.“

Derzeit bleibt Falkenstein laut den beiden Ortsvertretern nur eines übrig: das Notwendigste in Eigenregie zu machen. Vor zehn Jahren habe man beispielsweise mit der Feuerwehr die Burgbeleuchtung erneuert, die nun stromsparender sei. „Vielleicht können wir mit eigenen Mitteln die Beleuchtung zur Straße hin erweitern“, kommt Demmerle in den Sinn. Schließlich sei der mit Bäumen zugewachsene Teil vor der Burg kürzlich vom örtlichen Forstbetrieb gekauft worden. „Die Bäume werden wohl gefällt, dann wäre die Sicht frei“, gibt Demmerle zu Protokoll, der aber auch auf die Grenzen dieser Einsätze hinweist. „Wir sind keine Experten, viele berufstätig und es fehlt generell an Manpower.“

Ärger über Vandalen

Letzteres sei früher anders gewesen. „Da wurde mehr angepackt, aber die Leute sind älter geworden, können das nicht mehr leisten.“ Und die Jugend sei schwer dafür zu begeistern. „Die haben heutzutage andere Sachen im Kopf“, sagt Demmerle, der in seiner Jugend zusammen mit Weber viel auf der Burg war. „Wir haben Geländer gestrichen und viele Teile selbst vom Schutt befreit“, schwelgt Weber in Erinnerungen. Das war nötig, weil die Burg 1647 von den Franzosen gesprengt wurde, die Falkenstein damals belagerten. Rund 150 Jahre später waren es vermutlich ebenfalls die Franzosen, die während der sogenannten Koalitionskriege die Burg zerstörten. Dennoch ist noch einiges erhalten, etwa die Zisterne, Reste des Ritterhauses (Palas), der Schildmauer, des Bergfrieds sowie die Kasematte. „Vor allem der Innenhof ist aber noch komplett voll mit Schutt“, erzählt Weber.

Der Ausblick von der Burg ist toll. „Wir liegen im Landschaftsschutzgebiet Donnersberg. Die Natur und Geschichte sind unsere Pfunde“, sagt Weber. Und die Burg sei etwas Besonderes. „Wo kann man so nah an einer Ruine vorbeifahren?“, fragt er. Beim Blick Richtung Falkensteiner Berge verfinstert sich jedoch seine Miene. „Hier sieht man das Waldsterben, man möchte gar nicht dran denken, wenn es ein heftiges Unwetter mit Starkregen gibt“, ist er besorgt. Schließlich seien viele Bäume tot – „und das fördert die Erosion“.

Apropos Bäume und Pflanzen. Die sind auch auf der Ruine ein Problem. „Der Bewuchs ist sehr stark. Die Wurzeln zerstören das Mauerwerk“, schildert Weber. Als wäre all das nicht genug, wurden vor Kurzem auch zwei große Steine aus der Mauer genommen und runter geworfen. „Da brauchen wir schweres Gerät, um sie wieder richtig einzusetzen“, ärgert sich Demmerle über die noch unbekannten Vandalen.

Potenzial bei Veranstaltungen

Zwischen 5000 und 10.000 Euro kostet die Burg laut Demmerle die Gemeinde pro Jahr. Um das zu finanzieren setzt die Gemeinde auf Veranstaltungen wie den Weihnachtsmarkt und Konzerte. Ein beliebtes Fest wird es künftig aber nicht mehr geben: den Mittelaltermarkt. „Der Co-Veranstalter ist abgesprungen, und für uns als Gemeinde ist das finanzielle Risiko zu groß, das sich im fünfstelligen Bereich befindet“, bedauert Demmerle diesen Umstand. Schließlich sei die Burg eine tolle Veranstaltungskulisse. „Da sehen wir viel unausgeschöpftes Potenzial. Wir müssen uns hier sicher besser vermarkten.“ Es werde etwa darüber nachgedacht, die Burg an Veranstalter zu vermieten.

Weitere Ideen erhofft sich Demmerle aus dem Bürgertreff, der seit Anfang des Jahres regelmäßig stattfinde und schon erste Früchte trage. „Wir haben den Requisitenraum entrümpelt. Dabei ist eine Theatergruppe entstanden“, freut sich der Ortsbürgermeister. Bestenfalls komme es künftig zu Vorführungen, die Geld in die Burgkasse spülen. Das gelingt bereits durch Sommertouren oder Mondscheinführungen, die Weber anbietet. Letztere mache er seit zwei Jahren auch auf Englisch, denn vor allem Amerikaner zeigten ein großes Interesse an Burgen.

Webers und Demmerles Einsatz für die Burg zeigt, dass ihnen die Bedeutung der Ruine für den Ort bewusst ist. „Die 2007 errichtete Burgstubb, der Falkensteinerhof und das Café im Zentrum sind auf Gäste angewiesen“, betont Demmerle, der seit 2009 an der Spitze des 185-Einwohner-Orts steht. Darüber sind sich er und Weber sich einig, dass der Erhalt der Burg auch für den Kreis von Interesse sein sollte. Schließlich sei die Ruine ein Touristenmagnet.

Demmerle will das Thema Burg nun wieder forcieren, schließlich verpflichte Eigentum. Dabei stehe und falle alles mit dem Damoklesschwert Finanzierung. „Fördertöpfe gibt es bestimmt, aber wir müssen erst einmal untersuchen lassen, was gemacht werden muss.“ Ein erster Schritt soll bald folgen. „Wir wollen mit der Bauverwaltung der Verbandsgemeinde Winnweiler Kontakt aufnehmen, um eine Begehung durchzuführen“, sagt Demmerle, dem bewusst ist, dass die Gemeinde stets auf die nächsthöhere Behörde angewiesen ist. „Nicht nur in Sachen Geld, sondern auch in Sachen Fachwissen“.

Diese Steine wurden von Unbekannten auf dem Boden gehievt.
Diese Steine wurden von Unbekannten auf dem Boden gehievt. Foto: Loeffel
Am Burgtor drohen Steine herunterzufallen, wenn der Zerfall weitergeht.
Am Burgtor drohen Steine herunterzufallen, wenn der Zerfall weitergeht. Foto: Loeffel
An einigen Stellen der Burg Falkenstein sind Risse zu sehen.
An einigen Stellen der Burg Falkenstein sind Risse zu sehen. Foto: Loeffel
An einigen Stellen der Burg Falkenstein sind Risse zu sehen.
An einigen Stellen der Burg Falkenstein sind Risse zu sehen. Foto: Loeffel
An einigen Stellen der Burg Falkenstein sind Risse zu sehen.
An einigen Stellen der Burg Falkenstein sind Risse zu sehen. Foto: Loeffel
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