Marnheim
Bestattungsunternehmen zieht in Kirche ein
Ende 2019 hatten die Holzmanns, seit vielen Jahren mit ihrem Betrieb zur Pacht in der Kirchheimbolander Bahnhofstraße ansässig, den Zuschlag im kirchlichen Bieterverfahren erhalten. Bauliche Schäden, aber auch das stark rückläufige gottesdienstliche Leben hatten bei den Kirchenoberen zum Beschluss geführt, sich von dem 1966 als Fertigbau in nur neun Monaten errichteten Gotteshaus zu trennen. Es gab mehrere Interessenten, doch das Konzept von Christina und Uwe Holzmann beeindruckte offenbar am meisten: hier im einstigen Kirchenraum, den moderne Oberlichter dezent und mild beleuchten, einen Ort stimmigen Abschiednehmens und Trauerns einzurichten.
Nun ist die Arbeit fast geschafft, auch wenn noch manch Feinschliff nötig ist. Die baulichen Schäden, erzählt Uwe Holzmann, hätten sich als überschaubar erwiesen, lediglich die Elektrik habe komplett erneuert werden müssen, während die Heizung noch gut ihren Dienst tue. Modernisierungen waren an Sanitäreinrichtungen erforderlich und grundlegende technische Umrüstungen in der früheren Sakristei, wo die Verstorbenen künftig für ihren letzten Weg vorbereitet werden und auch eine Kühlmöglichkeit zu schaffen war.
Der Kirchenraum wird dreigeteilt
Umfangreiche Arbeiten standen damit einhergehend im Außenbereich an, wo eine gepflasterte Zufahrt zu diesen Räumen und außerdem Parkplätze entstanden. Von ihnen führt eine hölzerne Terrasse, bei der sich Schreinermeister Holzmann selbst noch mal richtig ins Zeug legen konnte, barrierefrei in die Kirche.
Auch dort haben das Ehepaar und seine Mitarbeiter in den vergangenen anderthalb Jahren selbst viel Hand angelegt, etwa den großen Raum in ruhiger Harmonie zu den Glasfenstern grau und weiß gestrichen. Einige der Wände hat ein Fachmann mit einem marmorartigen Stucco-Veneziano-Putz in hellem Pastell überzogen. Zum Schluss steht nun noch die Aufarbeitung des Betonbodens an, der am Ende Terrazzo-Charakter haben soll.
Der Kirchenraum werde dreigeteilt, erläutert das Ehepaar. Die mit Abstand größte und flexibel mit bis zu 60 Sitzgelegenheiten ausgestattete Fläche von etwa 250 Quadratmetern rund um den früheren Altar, der leicht erhöht stand, ist für Trauerfeiern bestimmt. Abgetrennt davon wird ein Sarglager eingerichtet. Ein von Pfeilern begrenzter schmaler Streifen zum Friedhof hin ermöglicht, durch Milchglasscheiben abgeschirmt, einen Raum für unterschiedlichste Gelegenheiten – vom persönlichen Abschiednehmen bis hin zu Veranstaltungen, die dem Charakter des Orts entsprechen.
Kein Nachfolger für Schreinerei in Kibo
Vorstellen wollen Christina und Uwe Holzmann, die die behördliche Begleitung vor allem durch die Kreisverwaltung loben, das dann betriebsbereite Domizil von Ulme Bestattungen der Öffentlichkeit am 2. Oktober. Die Reaktionen der Marnheimer, soweit sie ihnen zu Ohren gekommen sind, seien durchweg positiv und aufgeschlossen, erzählen sie. Man sei froh, dass an der Kirche nach langer Zeit wieder baulich etwas gemacht und dass sie, vor allem, wieder einer adäquaten Nutzung zugeführt worden sei.
Nicht unumstritten war die Entfernung einiger alter Bäume, die mit Einverständnis der Kreis-Umweltbehörde gefällt werden durften. Dabei hätten auch Klagen von Grabbesitzern über das viele Laub sowie die Furcht, dass Wurzeldruck die Friedhofsmauer schädigen könnte, eine Rolle gespielt, berichtet Uwe Holzmann. Als Ersatz werden drei Bäume auf der Grünfläche vorm Kirchturm gepflanzt – passenderweise Ulmen.
Von Kirchheimbolanden wird sich Ulme Bestattungen auch nach dem Umzug nach Marnheim nicht gänzlich verabschieden, vielmehr für Angelegenheiten rund um Bestattungen im ehemaligen Blumengeschäft in der Schlossstraße 24 präsent bleiben. Wie andererseits auch die Nutzung der Marnheimer Trauerhalle unabhängig vom Wohnort ist und jedem offensteht. In die Bahnhofstraße, das bisherige Domizil, wird voraussichtlich der Verein „Die Brücke“ als Nachmieter einziehen; für die Schreinerei, die Uwe Holzmann dort ebenfalls lange Jahre betrieb, fand sich kein Nachfolger, „noch nicht einmal ein Interessent“, wie er bedauert.