Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Besseres Essen und mehr Personal: DRK und Kreis wollen bei Ukraine-Hilfe nachjustieren

Bestandteil der „PIK-Station“ zur erkennungsdienstlichen Erfassung ausländischer Personen: ein Fingerabdruck-Scanner. Um die Bea
Bestandteil der »PIK-Station« zur erkennungsdienstlichen Erfassung ausländischer Personen: ein Fingerabdruck-Scanner. Um die Bearbeitungsdauer zu verkürzen, kauft der Kreis ein zweites Gerät.

Seit Anfang März dient die ehemalige Jugendherberge in Steinbach als Erstaufnahmelager für Flüchtlinge aus der Ukraine. Federführend beim Betrieb ist der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes – zur vollen Zufriedenheit der politisch Verantwortlichen. Dennoch sehen alle Beteiligten in der Betreuung der kriegsgebeutelten Menschen Luft nach oben. Zumal die Einrichtung wohl noch länger benötigt wird – privater Wohnraum ist knapp.

Zwar betonte Landrat Rainer Guth am Montag im Kreisausschuss, das Team des DRK-Kreisverbandes unter Führung des Katastrophenschutzbeauftragten Jochen Lunk und des Bereitschaftsleiters Björn Becker organisiere „aufopferungsvoll und souverän“ rund um die Uhr die Abläufe in der Sammelunterkunft in Steinbach. Das sei auch für den Kreis, der als Auftraggeber „die Verantwortung mitträgt, sehr beruhigend“, so Guth. Und mit Blick auf die Ukraine-Hilfe insgesamt dankte er „den Orts- und Verbandsgemeinden samt Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern, dass sie so mitziehen“.

Ergänzend verwiesen die VG-Chefs Rudolf Jacob (Winnweiler) und Michael Cullmann (Nordpfälzer Land) auf die „riesige Hilfsbereitschaft“ – nicht nur in den zentralen Einrichtungen mit den vielen ehrenamtlichen Helfern, sondern auch bei zahlreichen privaten Hilfsangeboten und Aktionen. Dennoch gibt es aufgrund der bisherigen Erfahrungen Bedarf für Nachbesserungen.

Privater Wohnraum nimmt ab

„Die Anzahl der freien Wohnungen sinkt“, sagte Guth. Zum einen die logische Konsequenz daraus, dass „der Anteil der in private Wohnstätten verbrachten Flüchtlinge steigt“. Zwar beobachtet Jacob, dass auch immer wieder Ukrainer die Nordpfalz nach relativ kurzer Zeit wieder verlassen – sei es, weil sie weiterziehen, sei es, weil sie in ihr Heimatland zurückkehren wollen. Trotzdem nimmt die Anzahl insgesamt aufgrund stetiger Neuankömmlinge zu.

Zum anderen „fallen nach und nach Wohnungen aus dem Angebot heraus“, so der Kreischef. Viele Menschen hätten zu Beginn des Kriegs spontan Wohnraum zur Verfügung gestellt, bestätigte Cullmann. Aus unterschiedlichen Gründen müsse dieser aber in vielen Fällen sukzessive wieder frei gemacht werden. Er nannte das Beispiel eines traumatisierten ukrainischen Kindes, das nach Auskunft der gastgebenden Familie jede Nacht schreie – eine belastende Situation für alle Beteiligten.

Längerfristige Unterbringung in „Villa Michel“

Man wolle zwar weiter Kreisbürger motivieren, Flüchtlingen Wohnungen anzubieten, so Guth. Aber es zeige sich, so heißt es in der Beschlussvorlage, dass die ukrainischen Familien „eine längere Bleibeperspektive benötigen“. Dem wird nun dadurch Rechnung getragen, dass die Evangelische Heimstiftung Pfalz ihre „Villa Michel“ auf dem Kirchheimbolander Schillerhain für die längerfristige Unterbringung zur Verfügung stellt.

24 Zimmer sind hier vorhanden, ebenso viele Personen haben inzwischen das Haus bezogen. Es gibt laut Kreis zwei ausgestattete Küchen, zudem habe die Heimstiftung angeboten, von montags bis freitags eine warme Mahlzeit über die Küche des Heilpädagogiums beziehungsweise des Rehabilitationszentrums bereitzustellen. Der DRK-Kreisverband will zur Unterstützung der Bewohner eine Teilzeitkraft in der Villa beschäftigen und zudem für nächtliche Notfälle eine Verbindung zur Einrichtung in Steinbach herstellen.

Essen: tiefgekühlt oder frisch gekocht?

Apropos Steinbach: 50 Flüchtlinge (Stand Mittwoch) sind derzeit dort untergebracht. Optimierungsbedarf gibt es dem Kreis zufolge beim Essen. Einerseits verursache Tiefkühlkost weniger Aufwand beim Einkaufen, spare Geld und ermögliche eine bedarfsgerechte Aufwärmung. Nachteile seien andererseits mehr Verpackungsabfall und eine mindere Qualität gegenüber frisch gekochten Speisen. Nun soll getestet werden, ob mit einer Kombination aus beidem das Essen abwechslungsreicher gestaltet und „die Zufriedenheit vor Ort erhöht werden kann“, so die Beschlussvorlage. Dazu will das DRK einen Koch und eine Hilfskraft einstellen, ferner sollen Flüchtlinge in den Küchendienst eingebunden werden.

Nicht nur in der Küche sieht das DRK die Notwendigkeit für weitere Arbeitskräfte: Für die Registrierung und Testungen der Bewohner, Fahrt-, Wochenend- und Nachtdienste sowie zwei – auch als Urlaubs- oder Krankheitsvertretung – eingesetzte „Minijobber“ wird mit Personalkosten von 26.000 Euro pro Monat kalkuliert. Diese zusätzliche Ausgaben hat der Kreisausschuss abgesegnet.

Verhandlungen über Tagespauschale

Um Geld geht es auch in anderen Bereichen: Die Pauschale von 20 Euro pro Tag und Person, mit der das DRK für die Verpflegung in Steinbach kalkuliert, wird vom Kreis „als zu hoch angesehen“. Hier soll mit dem Roten Kreuz nachverhandelt und gegebenenfalls nach günstigeren Alternativen gesucht werden. Den monatlichen Betrag für Kurierfahrten inklusive Fahrzeug möchte das DRK von 500 auf 1000 Euro erhöht haben. Diesbezüglich sieht der Kreis ebenfalls „noch Abstimmungsbedarf“.

Ferner fällt vermutlich ab 1. Mai – dann soll das Gebäude von der Ortsgemeinde an den neuen Besitzer Timothy Hanauer übertragen werden – für die Nutzung der Räume eine Miete von rund 7000 Euro (inklusive Nebenkosten) an. Die Finanzierung aller Maßnahmen ist vorerst gesichert durch die Hilfe des Landes: Dieses hat den Kommunen im Haushalt 2022 eine Sonderzahlung von 20 Millionen Euro für die Aufnahme und Unterbringung der Ukraine-Flüchtlinge gewährt. Der Kreis rechnet aus diesem Topf mit einem Anteil von rund 365.000 Euro.

Kreis kauft zweites Gerät für Registrierung

Ab 23. Mai benötigen Ukrainer für ihren Verbleib in Deutschland einen elektronischen Aufenthaltstitel. Die erkennungsdienstliche Erfassung erfolgt mittels PIK-Station – die Abkürzung steht für Personalisierungsinfrastrukturkomponente. Daten wie Fingerabdrücke und Foto werden registriert und ans Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geschickt. Pro Person beträgt der Aufwand zirka eine Stunde – bei aktuell rund 550 gemeldeten Flüchtlingen betrage die Bearbeitungszeit etwa 14 Wochen. Weil die Datenleitungen oft überlastet seien, weiche man verstärkt auf Abend- und Wochenendzeiten aus, erläuterte Guth. Zur Beschleunigung kauft der Kreis für 21.000 Euro ein zweites Gerät, auch das hat der Ausschuss einstimmig gebilligt.

Guth betonte, alle Vereinbarungen gelten bis 31. Mai, danach müsse der Kreisausschuss erneut entscheiden.

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