DREISEN RHEINPFALZ Plus Artikel Baccara: Ehemalige Diskothek steht noch da wie in den 70er Jahren

Eberhard Klingler in seiner früheren Disco. Ob sich die Tanzfläche im Baccara irgendwann wieder füllt?
Eberhard Klingler in seiner früheren Disco. Ob sich die Tanzfläche im Baccara irgendwann wieder füllt?

Wer eine Zeitreise in eine andere Epoche unternehmen will, ist hier richtig. Damals wurde ein Saal benötigt, der bewirtschaftet werden darf. Ein Tanzboden aus Metall, Sitznischen, eine lange Theke und eine glitzernde Discokugel hielten Einzug. Und so sieht es noch heute aus in der Diskothek Baccara, die am Freitag, 23. September, Treffpunkt ist für das Warm-up der Kerweborsch zur „Draser Kerwe“.

Fast alles entspricht dem Stand von 1979, als Eberhard Klingler die Diskothek eröffnete. Der Radio- und Fernsehtechniker aus Bobenheim-Roxheim legte damals schon als DJ Platten in Frankenthaler Discos auf. Durch einen Zufall entdeckte er ein Inserat von Reinhard Mayer, der in Gundersweiler das Bam Bam betrieb und seinen Standort in Dreisen verkaufen wollte. Klingler – den meisten unter dem Namen Eddy bekannt – überlegte nicht lange, schon ging es los in Dreisen. Im Erdgeschoss entstand die Kneipe Bierbrunnen, in der auch heute noch die lange Theke und die Bar von 1979 vorhanden sind.

Musik prägt eine Generation

Im Saal im ersten Stockwerk entstand die Diskothek Baccara, die schnell zum Treffpunkt für Jung und Alt wurde. „Wir hatten sechs Tage in der Woche auf“, erinnert sich Klingler. Viele Jugendliche fanden den Weg nach Dreisen, auf dem Parkplatz stand fast jeden Abend Mofa an Mofa. Man verabredete sich mit Freunden zum Tanzen und genoss unbeschwerte Stunden. Natürlich kamen auch Ältere ins Baccara. Die Musik prägte eine ganze Generation.

Funkelnde Lichter von der Decke, die von einer Lichtorgel gesteuert wurden, und die glitzernde, mit Hunderten von kleinen Spiegeln bedeckte Discokugel sorgten für eine ganz besondere Atmosphäre. Aus den kleinen Sitzecken ließ sich das Geschehen wunderbar beobachten. Die Renner unter den Getränken waren Hütchen (Cola-Cognac) und Bomber (Cola mit Rotwein), aber auch Cocktails waren gefragt.

Mode aus einer anderen Zeit

In diesen Jahren hatten auch die Tanzschulen Hochkonjunktur, und so fand sich zumeist ein Publikum ein, das wusste, was sich auf der Tanzfläche gehört. Ein weiteres markantes Zeichen dieser Zeiten war die Kleidung, die zu jedem Discobesuch gehörte. Rüschenblusen mit Puffärmeln, Lackröcke, Leggins, Schulterpolster und Karottenhosen lagen im Trend. Angeheizt wurde dies durch Tanzfilme wie Flashdance. Der aufkeimende Fitnesstrend machte Leggings und Neonfarben in den 1980er Jahren salonfähig. Jahre zuvor trugen die Männer noch Hemden mit langen Krägen – gerne brustoffen –, dazu Schlaghosen oder sogar einen weißen Anzug. Aus den Lautsprechern dröhnte „ You're The One That I Want“ von John Travolta und Olivia Newton-John, Penny McLeans „Lady Bump“, Donna Summers „ I Feel Love“ oder „Yes Sir, I Can Boogie“ des – genau – spanischen Gesangsduos Baccara. So mancher wird sich aber auch noch an die eine oder andere Schmuserunde erinnern.

Auf die Einhaltung des Jugendschutzgesetzes wurde akribisch geachtet, erinnert sich der 71-Jährige. Gegen 22 Uhr musste Klingler den Saal aufhellen, und alle, die jünger als 18 waren, mussten gehen. Dann gehörte der Tanzboden den älteren Semestern. Für Klingler war das Baccara ein Glücksgriff. „Man brauchte fünf bis sechs Personen, um den Laden am Laufen zu halten“, berichtet er. Es gab nicht nur Musik vom Plattenteller, auch Liveauftritte von Künstlern standen immer mal wieder auf dem Programm – darunter sogar mal eine Tanzgruppe aus Australien oder auch Rockgruppen aus der Vorderpfalz.

Auch Jürgen Drews war da

Der wohl populärste Star war Jürgen Drews, der sich 1982 im Baccara die Ehre gab. „Das war schon ein Erlebnis“, sagt Klingler. Mit einem weißen Cabrio sei der Schlagerstar vorgefahren. Es gab ein zweistündiges Konzert, wobei die Musik eingespielt wurde. Auch der damals im Saarland lebende Sänger und Komponist Frank Farian, der es mit „Boney M.“ und anderen Produktionen zu Weltruhm brachte, fand den Weg nach Dreisen.

Auch in anderen Orten der Region hatten sich nach und nach Discos etabliert, die Besucher im Baccara wurden internationaler. Sehr viele amerikanische Soldaten kamen aus Sembach und bereicherten die Abende. „Die von der US Air Force waren feine Kerle“, erinnert sich der Klingler an jene Zeit zurück. Für ihn war das auch ein klasse Geschäft, denn der damalige hohe Dollar-Kurs beflügelte die Feierlaune der Soldaten.

Schluss nach mehr als 40 Jahren

Die Stimmung sei ein wenig gekippt, als einige Soldaten vom Stützpunkt North Point das Baccara für sich entdeckten. In der Disco habe es zwar keine Prügelei gegeben, stellt Klingler mit Stolz fest. Aber draußen auf der Straße sei es gelegentlich zu handgreiflichen Auseinandersetzungen gekommen. Das sei jedoch eher die Ausnahme geblieben.

Ende der 1980er Jahre erlebte das Discofieber dann einen tiefen Einschnitt. Als Auswirkung des sogenannten Pillenknicks habe es immer weniger junge Gäste gegeben. Das Discoleben im Baccara beschränkte sich fast nur noch aufs Wochenende – erst 2010 wurde endgültig zugeschlossen. Eberhard Klingler widmete sich intensiv seinem Bierbrunnen und vermietete des Baccara für private Veranstaltungen. Dazu zählten auch Baccara Revival Partys. Vor wenigen Monaten hat sich Klingler komplett aus dem Geschäft zurückgezogen und den Komplex verkauft. Vielleicht ergebe sich eine Idee, dem fast schon historischen Baccara wieder Lebensatem einzuhauchen, hofft er.

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