Kirchheimbolanden RHEINPFALZ Plus Artikel Aus nach fast 70 Jahren: Ende September schließt eine Institution in der Stadt

Thomas Stepan vor dem Fotogeschäft, das seit 1973 in der Neuen Alle angesiedelt ist.
Thomas Stepan vor dem Fotogeschäft, das seit 1973 in der Neuen Alle angesiedelt ist.

Das Erscheinungsbild von Innenstädten ändert sich fortwährend, und immer öfter verschwinden auch Ansichten, die doch eigentlich „schon immer da waren“. Ab Oktober wird am ehemaligen Kavaliershaus ein Schriftzug fehlen, der die Neue Allee für Jahrzehnte geprägt hat – weil eine Kirchheimbolander Institution nach fast 70 Jahren schließt.

Thomas Stepan war noch nicht auf der Welt, als sein Vater Karl am 2. Januar 1955 das frühere Foto-Haus Ims in der Edenborner Straße übernahm. Fast 70 Jahre später, am Morgen des 30. September 2023, wird er ein letztes Mal die Ladentür von „Foto Stepan“ in der Neuen Alle aufschließen.

Gedanken bis zuletzt verdrängt

Im Kavaliershaus, an dessen Fassade seit Jahrzehnten in großen Lettern der Name des Geschäfts prangt, war „Foto Stepan“ 50 Jahre lang untergebracht. Von der Edenborner Straße war Karl Stepan nach fünf Jahren in die Vorstadt gezogen, ins mittlerweile abgerissene Reinhardsche Haus neben dem Wolffstift, von dort dann 1973 weiter in die Neue Allee. Sein Sohn Thomas, zunächst im Fotobereich für Bundeswehr und Nato tätig, ab Mitte der 1980er Jahre für die Reproabteilung eines Unternehmens in Frankfurt, übernahm gemeinsam mit seiner Frau Eva-Maria 1995. Und führte das Fotogeschäft mit der gleichen Leidenschaft weiter wie sein Vater.

Inzwischen ist Thomas Stepan 66 Jahre alt. Und hat gut 50 Jahre Arbeit auf dem Buckel. „Da hat mancher schon längst aufgehört“, sagt er. Obwohl er – der wie Vater Karl jahrzehntelang auch als Fotograf für die RHEINPFALZ unterwegs war – schon länger mit dem Gedanken gespielt hat, dass bald Schluss sein könnte, hat er das bis zuletzt im Tagesgeschäft verdrängt. „Durch den Mix Geschäft, Zeitung, Geschäft, Zeitung war immer was los. Da kommt man ja nicht auf die Idee, sich mit der Rente auseinanderzusetzen.“

„Dann ging das Kopfkino los“

So richtig den Schalter im Stepanschen Kopf umgelegt hat dann Rabea Schwab Anfang 2023. Die Kirchheimbolanderin, vielen womöglich noch bekannt von ihrem ehemaligen Reisebüro am Mozartbrunnen, hatte in Worms ein Modegeschäft gegründet, wollte mit diesem aber nach Kibo. Sie fragte bei Thomas Stepan an, dem ehemaligen Vorsitzenden des Verkehrsvereins, und nach kurzer Überlegung stand die Lösung, dass Raab mir ihrer „Samt-Insel“ die Hälfte des großzügigen Fotoladens in der Neuen Allee nutzt.

„Und daraufhin wurde mir klar: Ich wollte ja Ende des Jahres aufhören, Ich bin ja schon angezählt“, blickt Thomas Stepan lachend zurück. „Bis dahin war alles weit weg gewesen, aber dann ging das Kopfkino los.“ Eigentlich habe er ja immer gearbeitet, sagt Stepan – „außer Urlaub und ab und an mal krank“. Und als er sich schon mit dem ungewohnten Gedanken an das Wort Rente beschäftigte, kam dann im Juli die Anfrage seiner neuen Ladennachbarin: ob er denn nicht schon im September aufhören wolle. Mehr Planungssicherheit beim Einkauf der Winterkollektionen für die „Samt-Insel“, die ansonsten erst zum Jahresende, mitten im Winter, den kompletten Laden übernommen hätte. Und diesmal brauchte es keinen langen gedanklichen Prozess: „Ich habe einmal darüber geschlafen und dann gesagt: Ab 1. Oktober ist mein Laden dicht“, schildert Thomas Stepan. Der große Schriftzug am Haus wird ersetzt.

Lohnt ein Fotogeschäft heute noch?

Es ist nicht nur die Aussicht auf den wohlverdienten Ruhestand, die dem 66-Jährigen die Entscheidung erleichtert hat. „Ich würde heute niemandem mehr empfehlen, ein Fotogeschäft zu eröffnen“, sagt er mit Blick auf die Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit. „Handys machen sehr gute Bilder, werden immer besser“, befindet er, „die Leistungsentwicklung geht irre schnell.“ Wenngleich er hinterher schiebt: „Ob das dann jeder bedienen kann, ist eine andere Sache.“ Keinesfalls sei ein professioneller Fotograf überflüssig: „Man sieht doch direkt, wenn ein Foto vom Profi kommt. Ein Bild muss gebaut werden.“ Die Anzahl der Menschen, denen diese Leistung aber Geld wert ist, ist offenkundig deutlich zurückgegangen, seit Apparate, Blitzgeräte und Fotolabor in die Hosentasche passen. Auch Zubehör wird laut Stepan immer weniger gekauft: „Fotoalben legt kaum noch jemand an, selbst Hochzeitsfotos werden oft nur noch digital geordert. Und im Bilderrahmen kann man nicht zum nächsten Bild wischen“, sagt er mit etwas Wehmut. „Das ging schlagartig, innerhalb von zwei Jahren: Von heute auf morgen wurde das alles nicht mehr gebraucht.“

Mit Wirkung zum 30. September hat Thomas Stepan das Familien-Geschäft bereits abgemeldet. Die Schwätzchen mit den Kunden werden ihm sicherlich fehlen, weiß er. Die Foto-Ausrüstung kommt an einen Platz, „wo sie nicht stört, aber auch nicht kaputt geht“. Und dann doch irgendwie griffbereit ist. Falls es doch mal wieder im Auslöserfinger juckt – obgleich sich Stepan auch in naher Zukunft voll ausgelastet sieht. Keramik, Aquarelle, Drechseleien und Radierungen sind schon fast mehr als nur Hobbys, denen sich Stepan seit Jahren hingebungsvoll widmet. Dafür will er nun noch mehr Zeit haben. Ebenso wie für Sport mit seiner Frau, für die Enkel, für seine beiden Dackel und seinen Garten. Dort ist der Foto-Profi zwar noch Lehrling, nimmt von den Nachbarn in den Kappesgärten gerne Tipps an – aber 35 Kilogramm Tomaten sind schon ein stolzer Ertrag fürs gerade mal zweite Gartenjahr.

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