Adventskalender RHEINPFALZ Plus Artikel 9. Dezember: Weihnachten schmeckt nach ... Burgunderbraten mit Schneebällchen

Sabine Wienpahl als Baby mit Uroma Babett – die Thüringischen Klöße werden noch immer nach dem alten Rezept gekocht.
Sabine Wienpahl als Baby mit Uroma Babett – die Thüringischen Klöße werden noch immer nach dem alten Rezept gekocht.

„Ich liebe einfach Weihnachten und die Vorweihnachtszeit.“ Sabine Wienpahl freut sich sichtlich auf das bevorstehende Fest und die Zusammenkunft der gesamten Familie an Heiligabend. Bei der Menü-Auswahl folgt die Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Kirchheimbolanden einer lange gelebten Familientradition.

Bei den Wienpahls kommt am Heiligen Abend wie in jedem Jahr Burgunderbraten mit zweierlei Kartoffelklößen auf den Tisch: die Pfälzer Variante, „Schneebällchen“ genannt, sowie original „Thüringer Klöße“. Das Gericht gibt es in ihrer Familie schon so lange sie denken kann. „Schon meine Mutter, Oma und Uroma haben das an Heiligabend so gemacht“, berichtet die gebürtige Kaiserslauterin. Ein Teil ihrer Familie stamme aus Ostdeutschland. Die beiden Kartoffelkloßrezepte würden in Gedenken an ihre verstorbenen Großmütter gekocht.

So gesehen säßen ihre Vorfahrinnen an Weihnachten mit am Esstisch, berichtet Wienpahl nostalgisch. Die „Thüringer Klöße“ werden nach Art von „Uroma Babett“ zubereitet, deren Original-Rezept sie bis heute verwende. Alle weihnachtlichen Koch- und Backrezepte ihrer Verwandtschaft hat sie bereits vor Jahren auf Initiative ihrer Mutter aufgeschrieben. „Das geht sonst alles verloren“, hat diese sie gewarnt. Bis heute gibt es ebenfalls die „Spitzbuben“, auch als „Linzer Mandelgebäck“ bekannt, von „Oma Emma “ im Hause Wienpahl. Zum Traditionsessen reisen ihre beiden Söhne und die Enkelkinder aus München und Rheinhessen an. Anders als in früheren Jahren, trifft sich die Familie hierzu zwar bei ihren Eltern in Kaiserslautern. Das Kochen übernehmen in diesem Jahr jedoch Sabine Wienpahl und ihr Mann Holger. Das Menü lässt sich sehr gut vorbereiten.

Ein bisschen Andacht muss sein

Der Weihnachtsbaum im Hause Wienpahl wird – anders als in ihrer eigenen Kindheit – bereits zum ersten Advent und nicht erst an Heiligabend aufgestellt. Am ersten Adventssonntag erhält er zunächst nur den Lichterschmuck. An jedem weiteren Advent kommen weitere Dekorationselemente hinzu. Die traditionellen Christbaumkugeln sind seit ihrer Kindheit in der Familie. Es folgen moderne Elemente wie ein Weihnachtsmann mit Gitarre, eine silberne Girlande und schließlich die Christbaumspitze. In ihrer Kindheit ist der Baum immer erst zu Heiligabend geschmückt worden. Wienpahl erinnert sich lachend auch an ein weiteres elterliches „Christbaum-Ritual“: Jedes Jahr habe ihre Mutter sich bei ihrem Vater beklagt, dass er „den hässlichsten Baum von allen“ ausgewählt habe. In späteren Jahren seien die Eltern auf einen künstlichen Weihnachtsbaum umgestiegen. „Seitdem ist Ruhe“, erzählt Sabine Wienpahl schmunzelnd.

Am Ablauf des Heiligen Abends ist aber alles beibehalten worden. In diesem Jahr wird wieder erst gemütlich gegessen und später beschert. Nur die beiden Enkel dürfen schon vor dem Familienessen ihre Geschenke auspacken. „Kinder bringen eine ganz andere Stimmung ins Fest“, schwärmt Sabine Wienpahl von ihren drei- und fünfjährigen Enkelkindern. Und natürlich darf auch das Vorlesen der Weihnachtsgeschichte nicht fehlen. „Ein bisschen Andacht muss sein“, sagt sie.

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Die Rezepte

1. Schneebällchen

Zutaten für 4 Personen: 550 Gramm Kartoffeln, mehlig kochend, 2 Eier, 80 Gramm Mehl (550), 10 Gramm Stärkepulver, etwas Salz, Pfeffer und 2 Prisen Muskatnuss

Zubereitung: Die Kartoffel schälen und in Salzwasser kochen. Durch eine Kartoffelpresse drücken. Etwas abkühlen lassen. Die Kartoffelmasse mit Ei, Mehl und Stärkepulver verkneten. Mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen. Aus dem Teig kleine Knödel formen. Wasser in einem Topf erhitzen. Die Schneebällchen in siedendem Wasser ziehen lassen.

2. Burgunderbraten

Zutaten für 4 Personen: 1 Kilo Rinderbraten, Salz und Pfeffer, 2 Esslöffel Senf (mittelscharf), 50 Gramm Butterschmalz, 1 kleine Möhre, 2 mittelgroße Zwiebeln, 1 kleine Lauchstange, 1 Esslöffel Tomatenmark, etwas Thymian, Rosmarin und Liebstöckel, 300 Milliliter Wein, rot, Burgunder, 100 Milliliter Fleischbrühe, 100 Milliliter Sahne, Soßenbinder (dunkel), 2 Esslöffel Weinbrand

Zubereitung: Das Fleisch unter kaltem Wasser abspülen und trockentupfen. Mit Pfeffer aus der Mühle und Salz einreiben und komplett mit Senf bestreichen. Einen Bräter in den Backofen stellen und auf 200 Grad vorheizen. Möhre, Lauch und Zwiebeln in große Stücke schneiden, die Kräuter von den Stielen zupfen und die Hälfte davon in den Bräter geben.

In einer Pfanne das Butterschmalz stark erhitzen und das Fleisch darin kräftig von allen Seiten anbraten. Sobald es gut gebräunt ist, das restliche Gemüse dazugeben und ebenfalls mit anbraten. Das Fleisch auf das Gemüse im Backofen setzen.

Zu dem angebratenen Gemüse in der Pfanne das Tomatenmark geben und anbraten, dann mit Rotwein und Brühe ablöschen. Den Bratsatz loskochen und alles über den Braten im Ofen gießen. Mit Deckel schließen und abgedeckt etwa 90 Minuten garen lassen. Danach den Deckel entfernen und weitere 30 Minuten bei gleicher Hitze weitergaren.

Das Fleisch aus dem Bräter heben und im ausgeschalteten Ofen ruhen lassen, bis die Soße zubereitet ist. Den Bratensatz mit dem Stabmixer pürieren und dabei die Sahne einfließen lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken und dem Soßenbinder sämig rühren. Mit Weinbrand verfeinern. Soße zum Braten servieren.

3. Oma Babetts Thüringer Klöße

Zutaten für 4 Personen: 3,5 Kilo rohe Kartoffeln, 1 Brötchen, 200 Gramm Butter, 2 Teelöffel Salz

Zubereitung: 2/3 der Kartoffeln schälen, waschen und gut abtropfen lassen. Danach auf einer Reibe fein reiben. Damit der Kartoffelteig weiß bleibt, reibt man die Kartoffeln direkt ins Wasser. Danach gibt man die geriebenen Kartoffeln in ein sauberes Geschirrhandtuch und presst sie so trocken wie möglich. Den Kartoffelsaft, der beim Auspressen in einer Schüssel aufgefangen wird, benötigt man, um die Kartoffelstärke, die sich darin absetzt, später bei der Teigzubereitung zu verwenden. Die restlichen 1/3 Kartoffel werden geschält, gewaschen und gewürfelt und gut mit Wasser bedeckt gar gekocht. Danach mit der Flüssigkeit durch ein Sieb streichen. Den Kartoffelbrei noch einmal stark aufkochen lassen.

Das Brötchen würfeln und in heißer Butter goldbraun rösten und abkühlen lassen. Die ausgepressten Kartoffeln zwischen den Fingern auflockern und zerreiben. Leicht salzen. Die gewonnene Kartoffelstärke und den heißen Kartoffelbrei zugeben. Die rohen und die gekochten Kartoffeln in einem großen Topf auf kleiner Flamme mit einem Holzlöffel gut miteinander vermischen. Die rohen Kartoffeln werden vom heißen Kartoffelbrei und durch das vorsichtige Zugeben von heißem Wasser gebrüht. Sobald der Kloßteil eine homogene leicht klebrige Konsistenz hat, können die Klöße geformt werden. Dabei werden die Brotwürfel in die Mitte der Masse gegeben. In einem großen Topf mit reichlich Salzwasser erhitzen. Die Klöße darin etwas 20 Minuten gar ziehen lassen – bitte nicht kochen. Mit einer Schaumkelle herausheben und in eine Schüssel legen. Frisch servieren!

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