Adventskalender
7. Dezember: Weihnachten schmeckt nach ... Kutja
Als gelernte Verkäuferin kümmert sich Viktoria Lorenz derzeit hauptsächlich um ihre Kinder und engagiert sich bei der Unterstützung geflohener Ukrainer oder bei der Tafel in Rockenhausen. Wie viele Ukrainer fühlt sich die 38-Jährige der orthodoxen Kirche zugehörig. Das bedeutet unter anderem, dass sie das Weihnachtsfest nach dem gregorianischen Kalender, der in der orthodoxen Kirche gilt, am 6. und 7. Januar feiert. Nicht ganz einfach mit zwei Mädchen, die mit den hier herrschenden katholisch geprägten Gewohnheiten rund ums Weihnachtsfest aufwachsen.
Wie ursprünglich auch in der katholischen Kirche ist für orthodoxe Christen die Vorweihnachtszeit eine Zeit des Fastens und der Vorbereitung. Während heute das Fasten im Advent häufig nur noch eine kleine oder auch gar keine Rolle spielt und stattdessen üppiges Essen und Adventsleckereien üblich sind, gehört der Verzicht auf Fleisch für Viktoria Lorenz ganz selbstverständlich zu den vorweihnachtlichen Wochen.
So kommt es, dass auch in ihrem besonderen adventlichen Gericht Fleisch keinen Platz hat. „Man macht ein Kompott aus Äpfeln oder anderen Früchten, die man zur Hand hat. Früher bei meiner Oma wurden oft getrocknete Früchte benutzt. Aber heute kann man auch Tiefkühl-Obst nehmen oder Marmelade“, berichtet Lorenz. „Dazu gibt es einen Brei, auf ukrainisch heißt er Kutja. Früher hat man den aus Hirse gekocht. Heute nimmt man häufig Reis dafür, weißen oder auch schwarzen. Der wird 30 Minuten lang gekocht, zusammen mit Sukkade, Rosinen und Nüssen. Zucker braucht man normalerweise nicht extra, weil die mitgekochten Früchte den Brei süßen.“ Ein wenig Zimt gibt es noch dazu, je nach Geschmack, und fertig ist die adventliche Schlemmerei.
Doppelte Geschenke
„Ich mag das sehr gerne, das ist lecker. Aber Anastasia und Anita, meine beiden Mädchen, mögen das Gericht nicht so sehr. Jetzt ist Kellogs-Zeit, da passt das nicht mehr so recht dazu.“ Neben Kutja verwöhnt Viktoria Lorenz ihre Familie gerne auch mit anderen ukrainischen Gerichten. „Mein Mann isst sehr gerne Borschtsch. Und Pelmeni – wie eigentlich alle Deutschen. Normalerweise koche ich Borschtsch mit Fleisch, aber jetzt vor Weihnachten gibt es eine Variante ohne Fleisch.“ Und dann wird gefeiert.
Familie Lorenz hat einen Weg gefunden, katholische und orthodoxe Bräuche unter einen Hut zu bringen: „Wir feiern zweimal. Einmal am 24. und 25. Dezember. Und dann zwei Wochen später am 6. und 7. Januar nochmal.“ Zu beiden Gelegenheiten gibt es Geschenke – „genau wie an Ostern, das feiern wir auch doppelt“, lacht Viktoria Lorenz.
Das Rezept
Zutaten: 1/2 Tasse Reis, 1/2 Tasse Mandeln, 1/2 Tasse Walnüsse, 1/2 Tasse Mohn, 1 Tasse Rosinen, 1/2 Tasse getrocknete Aprikosen, 1 bis 3 EL Honig, Zucker oder Ahornsirup, Zimt nach Geschmack, 150 g Trockenfrüchte, 3 Liter Wasser, 1/2 Tasse Zucker
Zubereitung: Für den Brei Reis, Mandeln, Walnüsse, Mohn, 1/2 Tasse Rosinen, Aprikosen, Honig und Zimt in einem Topf mit Wasser aufgießen und etwa 30 Minuten köcheln lassen. Kann warm und kalt gegessen werden. Die Zutaten für das Kompott ebenfalls zusammen in einen Topf geben, aufkochen und köcheln lassen, bis die gewünschte Konsistenz erreicht ist.