Rockenhausen Ärger über Erd- und Bauschutt-Hügel am Eingang zum Degenbachtal
Rechts das wunderschöne Naturerlebnisbad, im Anschluss das idyllische Stadion Obermühle, gegenüber die gerne und viel genutzten Wohnmobilstellplätze, geradeaus erblicken Wanderer hinter den Tennisplätzen in freudiger Erwartung den Waldrand – und ein paar Meter weiter dann das: Linker Hand türmen sich auf den Parkplätzen mehrere Hügel mit Erdaushub und Bauschutt; Abfallcontainer, Paletten mit Baumaterialien, Bagger und ein mobiles Toilettenhäuschen stehen kreuz und quer in der Gegend herum; die Einfahrt zu den Flächen ist von Schrankenzäunen versperrt (wenn sie nicht mal wieder vom Wind umgeweht werden und mehrere Tage lang auf die Fahrbahn ragen); wo mal Gras gewachsen ist, sind jetzt zahlreiche Pfützen und Schlammlöcher zu sehen. Kurzum: Der Eingang ins Degenbachtal aus Richtung Rockenhausener Stadtmitte ist seit Monaten alles andere als ein Aushängeschild.
Der Anblick bleibt natürlich an so exponierter Stelle Auswärtigen wie Einheimischen nicht verborgen. Manche Spaziergänger unterhalten sich im Vorbeigehen kopfschüttelnd über die meterhohen Ablagerungen. Der Zustand hat nun auch die SPD-Fraktion im Rockenhausener Stadtrat auf den Plan gerufen: Sie wollte in der jüngsten Bauausschuss-Sitzung wissen, „woher das Material stammt, wer die Ablagerungen in welcher Menge und für welchen Zeitraum genehmigt hat“.
Parkboxen zur Hälfte blockiert
Gegenüber der RHEINPFALZ sagt Fraktionsvorsitzender Joseph Blaum, SPD-Ratsmitglieder seien wiederholt von Wanderern „auf das unschöne Bild angesprochen“ worden, auch Nutzer der Wohnmobilplätze hätten sich „sehr enttäuscht“ über das momentane Ambiente gezeigt. Mehr noch: In einschlägigen Internetforen werde Touristen derzeit wegen dieser Situation abgeraten, das ansonsten herrlich gelegene Areal anzusteuern – zumal schon früh morgens bei An- und Abfahrt der dort abgestellten Maschinen Lärm wie auf einer Baustelle herrsche. Mittlerweile sei die Hälfte der durch Holzelemente abgetrennten Parkplätze zweckentfremdet, kritisiert Blaum. Er befürchtet, „das Naherholungsgebiet Degenbachtal wird dauerhaft zur Bauschuttdeponie“.
Stadtbürgermeister Michael Vettermann und Beigeordneter Sascha Schläfer (beide FDP) können zwar auf RHEINPFALZ-Anfrage den Unmut verstehen. „Wenn man aber Baumaßnahmen hat, müssen die Firmen den Erdaushub nun mal irgendwo lagern“, betont Schläfer. Auch in der Vergangenheit sei der Parkplatz am Stadion immer mal wieder zu diesem Zweck genutzt worden. Gleichwohl räumt er ein, dass es „momentan massiv ist und zum Teil wüst aussieht“. Es sei durchaus nachvollziehbar, dass sich Passanten darüber beschwerten.
„Jeder will Glasfaser, aber...“
Konkret hätten in den vergangenen Monaten vor allem zwei Betriebe Material an der Obermühle „geparkt“: die Firma Jung, die beim Ausbau der städtischen Straßen Kämswiese und Weidengarten tätig gewesen ist, sowie das Unternehmen Pfalzconnect. Dieses versorgt als Partner des Kreises im Zuge des „Weiße-Flecken-Programms“ Bereiche, denen bislang weniger Bandbreite als 30 Megabit/Sekunde zur Verfügung stand, mit schnellem Internet. „Sie hatten mehrere Baustellen in der Stadt, wollten eigentlich im November fertig sein. Kurzfristig sind dann immer wieder Aufträge dazu gekommen“, so Schläfer, der ergänzt: „Jeder will einen Glasfaseranschluss haben. Aber der dafür notwendige Aushub soll möglichst weit weg gefahren werden.“
Grundsätzlich sei es keine Pflicht, sondern ein Entgegenkommen der Stadt, den Firmen ein solches Gelände zur Zwischenlagerung anzubieten. Das spare diesen Fahrten nach außerhalb und sei gängige Praxis in vielen Kommunen, sagt der Beigeordnete. Da im Stadion wegen der Corona- und Winterpause derzeit kein Fußball gespielt und auch das Naturbad erst im Frühjahr wieder öffnen werde, habe man den Standort eingangs des Degenbachtals als vorübergehende Lösung für akzeptabel gehalten. Erforderlich sei darüber hinaus die Einwilligung des VG-Bauamtes.
„Stellen Platz wieder her“
Vettermann fügt an, es handele sich stets „um eine zeitlich befristete Geschichte zur Unterstützung von Bauprojekten in der Stadt, die wir dadurch auch beschleunigen können“. Ferner seien die Betriebe dazu verpflichtet, nach Abschluss ihrer Maßnahmen „alles wegzuräumen und den Platz wieder ordentlich herzustellen.“ Größtenteils werde die Erde ja erneut an den betreffenden Stellen eingebaut, so Schläfer. Was übrig bleibt, müsse das jeweilige Unternehmen dann abfahren und entsorgen.
Auch künftig könne es immer mal wieder vorkommen, dass auf diesen Flächen für eine gewisse Zeitspanne Baumaterialien deponiert werden. Aber fürs Erste verspricht der Beigeordnete Besserung: „Wir haben die Zusage, dass bis März alles verschwunden ist, was jetzt noch dort liegt.“ Und Vettermann bekräftigt: „Es ist verständlich, dass die Leute sagen: Was ist denn das für ein Dreckhaufen? Aber wir wollen ja auch, dass Arbeiten zügig vorangehen und sind froh, wenn die Firmen Zeit für uns haben.“ Die Stadt versuche daher zu helfen, wo es ihr möglich sei, sagt der Bürgermeister. „Ich denke, in der Bevölkerung ist die Akzeptanz dafür vorhanden.“