Bad Dürkheim
Wurstmarkt: Wie schmecken die Weine ohne Alkohol?
Die kleine Probe, bei der uns die frühere Deutsche Weinkönigin Janina Huber durch Schubkärchler und Weindorf begleitet, beginnt bei einem Pionier des entalkoholisierten Weins: am Schubkarchstand 20 des Weinguts Raßkopf-Hofmann. Schon der Vater des jetzigen Chefs Johannes Hofmann tüftelte vor 20 Jahren an einem Wein ohne Alkohol, der Betrieb war der erste, der im vergangenen Jahr alkoholfreien Riesling auf dem Wurstmarkt ausschenkte.
Dieses Jahr können die Gäste aus zwei alkoholfreien Weinen wählen: einem Rosé und einem Riesling. Wir starten mit der Pfälzer Traditionsrebsorte. „Das Riesling-Aroma ist da“, stellt Janina Huber nach einer ersten Probe-Nase fest. Tatsächlich riecht der Wein wie ein echter Pfälzer Riesling, im Mund fällt er dagegen leicht ab. Dennoch schmecke er „weinig“, wie Huber sagt. Dass der Vergleich mit einem „normalen“ Riesling schwierig ist, sei klar, denn schließlich sei Alkohol ein wichtiger Geschmacksträger im Wein, erklärt die Expertin. Dieser wird dem Riesling bei 28 bis 30 Grad in einem Vakuum entzogen. Als Geschmacksträger fungiert dann vor allem Zucker, der je nach Zubereitung über Most oder in Form von Saccharose zugesetzt wird.
Kräftiges Rosa funkelt im Glas
Dass Zucker eine wichtige Rolle spielt, zeigt sich beim zweiten Raßkopf-Hofmann-Wein, dem Rosé: Im Glas funkelt der Wein in einem kräftigen Rosa, was an einen Rosé aus südlicheren Gefilden denken lässt. Geschmacklich erinnert er allerdings eher an einen rosa Fruchtcocktail.
Ein paar Meter weiter steht Sven Ohlinger hinter der Theke des Schubkarchstands von SOPS Dambach. Sein alkoholfreier Riesling hatte Ende August auf dem Grottenfest Premiere. Eingesetzt wurde bei der Produktion ein spezielles Verfahren zur Aromen-Rückgewinnung. Das macht sich vor allem in der Nase bemerkbar, der Wein duftet wie ein frischer Pfälzer Riesling. „Er hat die typischen Rieslingaromen, die an Pfirsich, Apfel und ein bisschen Zitrus erinnern“, erklärt Janina Huber.
Das ältere Publikum interessiert sich dafür
Lockt der entalkoholisierte Wein tatsächlich eher jüngeres, gesundheits- und kalorienbewussteres Publikum an? Das kann Ohlinger bislang nicht bestätigen. Im Gegenteil: Aus seiner Erfahrung sei der alkoholfreie Wein eher bei älteren Gästen gefragt. „Aber der klassische Ur-Pfälzer wird nie ein Stammkunde für alkoholfreien Wein“, sagt Ohlinger. Das sei aber auch nicht so gedacht, schließlich werde Wein in der Region bereits seit der Römerzeit angebaut und der Wurstmarkt seit mehr als 600 Jahren gefeiert – mit Alkohol im Wein. Die alkoholfreie Variante sieht Ohlinger eher als Ergänzung. „Entalkoholisierter Wein ist eine eigene Produktkategorie“, bestätigt Janina Huber.
Ähnlich sieht es Corina Schmitt. Das Weingut Schmitt schenkt im Weindorf ebenfalls alkoholfreien Riesling aus – aber nur als Schorle. „Ich wollte unbedingt einen alkoholfreien Schorlewein“, erzählt Schmitt. Dabei macht ihr Riesling auch pur eine gute Figur und zeigt durchaus typische Riesling-Aromen. Auch hier wurde das Verfahren zur Aromen-Rückgewinnung eingesetzt.
Neben Riesling gibt es auch Sauvignon Blanc
Eindeutig besser geeignet für eine erfrischende Schorle als für den puren Genuss ist der entalkoholisierte Sauvignon Blanc der Vier Jahreszeiten. „Mir fehlt hier die Balance zwischen Süße und Säure“, sagt Janina Huber. Die Genossenschaft beliefert 13 Schubkarchstände und das Hamel-Zelt. Auf einen entalkoholisierten Sauvignon Blanc setzt auch das Weingut Wegner im Weindorf. Dieser Wein kommt mit deutlich weniger Zucker aus als der Sauvignon Blanc der Vier Jahreszeiten. „Auch die Säure ist hier spürbar“, lobt Janina Huber.
Winzer Joachim Wegner erzählt, dass der Wein im Zuge einer Doktorarbeit am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) in Neustadt entstanden ist. Sein Ziel sei es, den Zuckergehalt bei seinen entalkoholisierten Weinen weiter zu reduzieren, sodass sie auch als Essensbegleiter fungieren können. Derzeit, so verrät Wegner, liege ein entalkoholisierter Sauvignon Blanc im Holzfass.
Das typische Aroma fehlt noch etwas
Bei beiden entalkoholisierten Sauvignons auf dem Wurstmarkt fehle ihr noch etwas das typische Sauvignon-Blanc-Aroma, sagt Huber: „Das ist bei den Rieslingen, die wir probiert haben, anders.“ Die Frage nach den Rebsorten-typischen Aromen sei tatsächlich entscheidend dafür, wo die Reise für die alkoholfreien Weine hingehe, ist Wegner überzeugt. Möglicherweise sei das auch eine Frage der Rebsorte.
Mit viel Aroma ausgestattet ist die Cuvée Liberté des Weinguts Fitz-Ritter in den Schubkärchlern. Sie besteht aus zwei pilzwiderstandsfähigen Sorten: Muscaris und Sauvignac. „Wir haben mit Absicht zwei aroma-intensive Rebsorten ausgewählt“, erzählt Johann Fitz. Die Cuvée verströmt schon im Glas das duftig-blumige Muskateller-Aroma, das auch nach dem ersten Schluck bleibt – ganz ohne Alkohol.
Weniger als 0,5 Volumenprozent
Wirklich ganz ohne Alkohol? Alkoholfrei dürfe sich ein Wein nennen, der weniger als 0,5 Volumenprozent enthalte, erklärt Janina Huber: „Aber in der Regel ist da nix drin.“ Das ermögliche auch Menschen, die beispielsweise wegen der Einnahme bestimmter Medikament komplett auf Alkohol verzichten müssten, den Weingenuss, sagt die Weinexpertin. Oder natürlich Autofahrern und Schwangeren.
Einen Tipp hat Huber noch für ausgedehntere Wurstmarktbesuche: Wolle man Weine mit und ohne Alkohol probieren, sollte man immer mit der entalkoholisierten Variante anfangen.



