Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wie viel Strom der Wurstmarkt „frisst“

Viele bunte Lichter prägen das Bild auf dem Platz in der Dunkelheit. Die meisten sind LEDs.
Viele bunte Lichter prägen das Bild auf dem Platz in der Dunkelheit. Die meisten sind LEDs.

Durch die Energiekrise dürfen Denkmäler nicht mehr beleuchtet werden. Bei Volksfesten wie dem Wurstmarkt gibt es jedoch keine Beschränkungen. Das wird derzeit oft kritisiert. Immerhin wird auf dem Wurstmarkt Ökostrom verwendet. Aber die Menge ist schon gigantisch.

Frank Hakelberg, Hauptgeschäftsführer des deutschen Schaustellerbundes mit Sitz in Berlin ärgert es, dass jetzt wieder die Volksfeste in der Kritik stehen. „Immer wenn eine Krise ist, landet das Thema schnell bei uns auf dem Tisch“, muss er feststellen. Das sei schon bei Corona so gewesen, als man einfach zwei Jahre lang die Volksfeste „platt gemacht“ habe, ohne zu berücksichtigen, dass an der frischen Luft die Ansteckung viel geringer sei. In der Energiekrise stünden die Volksfeste wieder in einem schlechtem Licht, bedauert Hakelberg. Dabei hätten die Schausteller das Thema Energie schon lange auf dem Schirm und deshalb auch schon die Beleuchtung auf LED-Technik umgerüstet. Dadurch seien Einsparungen bei Lichtanlagen und Dekorationen von bis zu 90 Prozent möglich gewesen.

Neue Steuerungssysteme

Auch die Fahrgeschäfte würden immer wieder nachgerüstet, weil sie neue Normen einhalten müssten. So gebe es jetzt Steuerungssysteme, durch die es gelungen sei, den Stromverbrauch auf den Volksfesten kontinuierlich zu senken, in der Regel seit dem Jahr 2010 zwischen 20 bis 30 Prozent. „Wir machen da was geht“, versichert Hakelberg. Schließlich sei die Branche angesichts der steigenden Energiekosten dazu gezwungen. So würden Transporte besser geladen und geplant, um Fahrten zwischen den Volksfesten effizienter zu machen und Treibstoff zu sparen. In einem Essensstand würden nicht mehr alle Fritteusen betrieben, wenn dies bei weniger Andrang auch nicht erforderlich sei. Außerdem sei es technisch bei neuen Fahrgeschäften möglich, Bremsenergie aufzufangen und beim Anfahren wieder zu nutzen. Gas sei bei den Schaustellern sowie nicht so das große Thema. „Wenn Gas, dann wird sowieso nur das Abfallprodukt Propangas benutzt.“

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Minus von acht Prozent

Von einer großen Reduzierung des Stromverbrauchs kann zumindest beim Wurstmarkt keine Rede sein. Wie der Leiter der Dürkheimer Stadtwerke, Peter Kistenmacher, auf Anfrage erläuterte, wurden beim letzten Wurstmarkt 2019 rund 256.000 Kilowattstunden Strom verbraucht. Zehn Jahre zuvor waren es 278.000 Kilowattstunden, was einem Minus von acht Prozent entspricht. „Ich hätte mehr erwartet“, gibt Kistenmacher auch angesichts der LED-Umstellung in dieser Zeit zu. Man könne jedoch erkennen, dass sich die Maximalleistung bei den Fahrgeschäften deutlich verringert habe. „Die Motoren ziehen beim Anfahren nicht mehr so viel Leistung, hier erkennt man, dass eine modernere Technik zum Einsatz kommt“, erläutert er. Das sei beispielsweise bei den Zählern in der Trafostation gut erkennbar. „Die Zeiger gehen nicht mehr unruhig rauf und runter“, so der Stadtwerke-Chef.

Viel Strom werde aber auch nach wie vor an den Essensständen verbraucht. Dies sei aber schwierig anhand der Zahlen zu verdeutlichen. Denn bei den Stadtwerken würden die Stromkosten in der Wurstmarktbilanz nicht in die einzelnen Teilbereiche aufgesplittet. Jede einzelne Bude und jedes Fahrgeschäft bekomme einen Zählerkasten, damit man mit den Betreibern am Ende des Wurstmarkts einzeln abrechnen könne. Dies geschehe zum Großteil sogar in der letzten Wurstmarktnacht, da viele Fahrgeschäfte gleich wieder zum nächsten Volksfest reisen.

Vergleichbar mit 73 Haushalten

Den Stromverbrauch des neun Tage dauernden Wurstmarkts ist laut Kistenmacher vergleichbar mit dem Jahresverbrauch von 73 durchschnittlichen Privathaushalten. Immerhin hilft die Stadt Bad Dürkheim dabei, dass diese Bilanz einen grünen Anstrich bekommt, denn die PV-Anlage auf der Saline produziert genau so viel Kilowattstunden im Jahr wie auf dem Wurstmarkt verbraucht wird. Außerdem wird der Wurstmarkt mit Ökostrom versorgt.

Laut Kistenmacher steht dem Wurstmarktplatz genug Energie zur Verfügung. Die Gefahr, dass irgendwo in der Kurstadt der Strom knapp wird, wenn gerade auf dem Platz sämtliche Geräte auf Volllast laufen, bestehe nicht. „Wir haben ja auf dem Gelände eine Trafostation mit sechs großen Trafos, die direkt ans 20 KV-Netz angeschlossen sind“, betont Kistenmacher. Es könne nur auf dem Platz selbst eng werden, schränkt er ein. „Wir haben jetzt schon gemerkt, dass beispielsweise die Standbetreiber mehr Spülmaschinen oder sonstige technische Geräte brauchen. Da müssen wir schauen, dass das auf dem Platz selbst keine Probleme verursacht“, verdeutlich der Stadtwerke-Chef. Zu diesem Zweck werde der Verbrauch bei den unterirdisch verlaufenden Leitungen genau gemessen.

In Relation zur Gästeanzahl betrachten

Schausteller-Vertreter Hakelberg verweist außerdem darauf, dass man sich auch den Pro-Kopf-Verbrauch ansehen müsse. Bei dem Wurstmarkt sind dies bei geschätzten 600.000 Besuchern 0,4 Kilowattstunden. Zu Hause würden dieselben Leute entweder genauso viel, wenn nicht so gar mehr Strom verbrauchen. „Volksfeste sind immer in Relation zur Anzahl der Gäste zu betrachten, die sich dort vergnügen“, lautet deshalb das Fazit des Deutschen Schaustellerbundes.

Bei den Essensständen wird viel Energie verbraucht. Die meisten haben mehrere Geräte in Betrieb.
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Die Trafostation: Ohne sie wäre es auf dem Platz dunkel.
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