Bad Dürkheim
Wie ist es, auf dem Wurstmarkt zu heiraten? Ein Pfälzer Paar erinnert sich
Der Wurstmarkt ist in vollem Gange, Gläser klirren, auf dem Festplatz herrscht Trubel – nur oben auf dem Michelsberg ist es ruhig. Hier feiern die Bad Dürkheimer Eric und Melanie Martin ihren ersten kirchlichen Hochzeitstag – mit Blick auf das größte Weinfest der Welt. In der Michaelskapelle haben sich der 45-Jährige und die 40-Jährige am 14. September 2024 das Ja-Wort gegeben. Eine ungewöhnliche Hochzeit, von der beide auch ein Jahr später noch schwärmen. „Wir wurden von der Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst getraut und sogar die Bürgermeisterin von Bad Dürkheim war dabei. Das war eine große Ehre für uns“, erinnert sich das Paar, das seit 2012 zusammen ist. 2017 folgte die standesamtliche Hochzeit, 2020 und 2021 wurden die gemeinsamen Söhne geboren. Beide haben noch ein Kind aus einer vorherigen Beziehung.
„Wir wollten eigentlich nicht mehr kirchlich heiraten. Nach sieben Jahren war das als Ehepaar auch gar kein Thema mehr. Aber das Event auf dem Wurstmarkt hat einfach gepasst, es war etwas Besonderes“, erzählt Eric Martin.
81 Wurstmarkt-Ehepaare
Die Trauung war Teil der Aktion „Traut Euch“, umgesetzt vom protestantischen Kirchenbezirk Bad Dürkheim/Grünstadt. Organisiert wurde das ganze vom Segensbüro „Blessed Pfalz“, das Menschen in besonderen Momenten des Lebens begleitet. „Die Kirche darf ruhig auch an ungewöhnlichen Orten präsent sein“, sagt Initiatorin Diemut Meyer, Pfarrerin für besondere Aufgaben bei „Blessed“. 22 Pfarrerinnen und Pfarrer waren 2024 auf dem Wurstmarkt im Einsatz, insgesamt 31 Paare ließen sich trauen, 51 weitere segnen.
„Ich habe das Event im Internet gesehen und fand es total einzigartig, weg vom Standard. Da habe ich uns einfach angemeldet. Mein Mann war zu dem Zeitpunkt auf der Nachtschicht“, erinnert sich die 40-jährige Melanie Martin. Am nächsten Morgen habe sie ihm dann mitgeteilt: „Wir heiraten übrigens noch mal im September.“ Beide müssen bei der Erinnerung laut lachen. Unkonventionell waren auch die Einladungen: „Ich habe einfach in mein Facebook-Profil geschrieben, dass wir an dem Tag heiraten. Wer vorbeikommen will, darf kommen“, sagt die Ehefrau. Hochzeit gefeiert wurde nach der Trauung übrigens an den Schubkarchständen – nach einem Outfit-Wechsel. „Wir haben eine Runde ausgegeben und den Trubel vom fest genossen. Alles in Brautdirndl und passendem Anzug“, erzählen die beiden.
Auch skeptische Stimmen
Riesling, Romantik, Riesenrad – davon war nicht jeder in der Familie begeistert. „Es gab auch skeptische Stimmen gerade von der älteren Generation. Besonders, weil das Fest auf dem Wurstmarkt stattfinden sollte“, erzählt Melanie Martin. Aber eine Standard-Hochzeit, wie beide es nennen, wäre nie in Frage gekommen. „Wir sind kein normales Standard-Paar, wir nehmen das Leben locker, passen in keine Schublade“, erklärt die 40-Jährige. Es musste außergewöhnlich sein. Am Ende hätten sie aber auch die Skeptiker überzeugt. Eric Martin: „Es war sehr persönlich, wie auf uns zugeschnitten und hat sich in keinem Moment gezwungen angefühlt.“
Besonders schön für beide: Dass die Kirche auf sie zugekommen sei. „Das war ganz nah bei den Menschen. Völlig ungezwungen und nicht so schwer und ernst, wie man es vielleicht kenn“, erinnern sich beide. Der Segen Gottes sei ihnen bei ihrer Hochzeit wichtig gewesen. „Bei der standesamtlichen Hochzeit hat man das ja nicht – dieses festliche. Wer sich vor Gott etwas verspricht, das ist noch mal was anderes“, erklärt die 40-Jährige. Tatsächlich sind sich beide einig: Diese Hochzeit habe sie näher zusammenwachsen lassen, sie noch mehr zu einer Einheit gemacht.
Auch die 50 Gäste, darunter Arbeitskollegen, Familie, Freunde und einfache Wurstmarktbesucher hatten nach der Trauung die tolle Atmosphäre und Ungezwungenheit gelobt. „Und unsere Kinder sagen jedes Mal, wenn sie die Kapelle auf dem Michelsberg sehen: Da haben Mama und Papa geheiratet“, eine Sache, die die Eltern sehr stolz macht. Würden die beiden die Hochzeit wiederholen? „Auf jeden Fall! Wir können es auch nur jedem weiterempfehlen. Es war nicht nur für uns etwas ganz Besonderes“, sagt Eric Martin. Und auf dem Wurstmarkt Hochzeitstag zu feiern – das habe definitiv auch etwas für sich.
Weitere Trauungen 2026 geplant
Am 19. September 2026 gibt es mit „Blessed“ wieder die Möglichkeit, sich das Jawort auf dem Wurstmarkt zu geben. Das Angebot richtet sich an alle Liebenden. Egal ob gleichgeschlechtlich oder hetero, frisch verliebt oder schon seit 30 Jahren zusammen. Anmeldungen sind jetzt unter der Mail blessed@evkirchepfalz.de schon möglich. Mehr Informationen folgen Anfang nächsten Jahres auch auf dem Instagram Kanal @blessed_pfalz.