Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Mehr als 80 Jaworte: Der Wurstmarkt – ein Fest der Liebe (mit Bildergalerie)

Kirsten und Matthias aus Otterbach haben im Riesenrad Ja gesagt.
Kirsten und Matthias aus Otterbach haben im Riesenrad Ja gesagt.

Mehr als 80 Paare haben sich auf dem Wurstmarkt das Jawort gegeben, ihr Ehegelöbnis erneuert oder sich einen Segen geholt. Wir haben einige begleitet.

Großer Bahnhof morgens halb elf: Hochzeitsgesellschaften, Besuchergruppen, mehrere Fernsehteams und Schaulustige mischen sich mit ersten Festgästen. Zwischendrin zwei Dutzend Frauen und Männer in Schwarz: Die Aktion „Traut Euch“, umgesetzt vom protestantischen Kirchenbezirk Bad Dürkheim/Grünstadt, hat beim Wurstmarkt insgesamt 22 Pfarrerinnen und Pfarrer im Einsatz. Von 11 bis 22 Uhr gibt es Trauungen und Segnungen, geplant oder spontan, Zeremonien, individuell, intim und mittendrin im Volksfesttrubel. Organisiert hat die Aktion das neu eingerichtete Segensbüro „Blessed Pfalz“, das Menschen in besonderen Momenten des Lebens begleitet. Dietmut Meyer, Pfarrerin für besondere Aufgaben, und Eventmanagerin Petra Tröblinger sind seit Wochen im Stress, koordinieren die Zeitfenster für die Kurz-Rituale parallel an vier Orten. Manche Paare haben ein Jahr vorher gebucht, andere eher kurzfristig. Auch möglich sind „Pop-Ups“, spontane Trauungen und Segnungen für Kurzentschlossene.

Erste Station: Das Riesenrad

Fürs große Glück ist Platz genug in der kleinsten Gondel: Celina Gerber und Alexandra Schindler aus Bad Dürkheim strahlen aus ihren Winzerkitteln. Nach 20 Minuten haben sie wieder Boden unter den Füßen – und im Riesenrad Ja gesagt. Auch für Pfarrerin Kerstin Bartels war die Trauung in einer der 36 Gondeln eine Premiere. Eine Stunde lang wird das „Jupiter“-Riesenrad für insgesamt 24 Paare zur Himmelsleiter. Es sind langjährig Verheiratete, frisch Verliebte, aber auch Frauen, die als Freundinnen den Segen wollen. Rituale, so bunt und vielfältig wie die Menschen – begleitete Momentaufnahmen des Lebens.

Zweite Station: Die Schubkärchler

Mittags um halb eins ist „De Änser“ Anlaufstelle für traufreudige Paare. Ein Banner weist auf die besondere Gelegenheit am besonderen Ort hin. Lutscher in Herzform liegen auf einem Stehtisch. Drinnen im Stand markieren ein Holzkreuz mit Blumenstrauß im Dubbeglas den Altar. Das Ehepaar Achtermann ist seit 19 Jahren verheiratet und lässt sich nochmals aufeinander ein: Tochter Andrea schaut zu, findet das „sehr spaßig und inspirierend“. Es war eine Zehn-Minuten-Zeremonie unterm Zeltdach, persönlich und berührend. Schaulustige machen Fotos. Ein Trompeter spielt „Somewhere Over The Rainbow“.

Ja im Weindorf statt goldener Hochzeit: Gabriele und Friedrich Jung aus Gries (Westpfalz) haben ihr Versprechen erneuert.
Ja im Weindorf statt goldener Hochzeit: Gabriele und Friedrich Jung aus Gries (Westpfalz) haben ihr Versprechen erneuert.
Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst traut Eric und Melanie Martin in der Michaeliskapelle .
Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst traut Eric und Melanie Martin in der Michaeliskapelle .
Eine Schorle zwischendurch: Simon Krug (rechts) und Julian Kraul.
Eine Schorle zwischendurch: Simon Krug (rechts) und Julian Kraul.
Ein Banner in den Schubkärchlern weist auf die Aktion hin.
Ein Banner in den Schubkärchlern weist auf die Aktion hin.
Hochzeit ganz in Schwarz
Hochzeit ganz in Schwarz
Pop-Up-Segnung am Brautbogen: Dekan Stefan Kuntz im Außeneinsatz.
Pop-Up-Segnung am Brautbogen: Dekan Stefan Kuntz im Außeneinsatz.

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Dritte Station: Das Weindorf

Ganz in Schwarz mit einem Blumenstrauß heiraten hier Jasmin und Christian. Das Gothic-Ehepaar habe viele Höhen und Tiefen überstanden, heißt es. Zum Abschluss ein andächtiges Vaterunser. „Ihr seid bunte Vögel“, freut sich die Pastorin und drückt dem Paar einen pastellfarbenen Plüsch-Pokémon als Glücksbringer in die Hand. Heiraten im Weindorf sei der „Wille, nach 13 Jahren Ehe alles vollständig zu machen“, sagt die Braut und künftig mit „ein bisschen Leitung von oben“ durch das Leben zu gehen.

Ähnlich sehen das auch Gabriele und Friedrich Jung: Seit 50 Jahren verheiratet holen sie ihre goldene Hochzeit im Weindorf-Pavillon nach. Enkelin Aurie bindet ihnen dunkelblaue Segensbändchen mit dem Spruch „Dich schickt der Himmel“ um das Handgelenk. Dazu erklingt „Plaisir d’Amour“ auf der Mundharmonika. „Die Kirche gibt die Möglichkeit, die Liebe zu feiern, spontan und unkompliziert“, sagt Lara Sturm, Pressesprecherin der Evangelischen Kirche der Pfalz. Ob Ehe, Partnerschaft oder Freundschaft – sämtliche Beziehungen können von Gott gestärkt werden.

Vierte Station: Der Michelsberg

Aufstieg auf den Michelsberg: Der Trubel ist nur noch fernes Rauschen. In der Michaeliskapelle Romantik unter dem Kronleuchter: Der Raum kuschelig eng, Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst traut Eric und Melanie Martin aus Bad Dürkheim in ihrem vierten standesamtlichen Ehejahr. Bürgermeisterin Natalie Bauernschmitt (CDU) ist mit dabei, findet schöne Worte und überreicht als Präsent der Stadt den Hochzeitswein. Familie und Freunde feiern die beiden, lassen Glöckchen klingen. Vor der Kapelle spielt eine Band „Perfect“.

Auf einer Anhöhe rahmt ein Brautbogen den Panoramablick auf das Weinfest. Weißer Tüll weht im Wind. Ein magischer Ort für Kurzentschlossene. Dekan Stefan Kuntz und Pfarrerin Anja Behrens aus Speyer zelebrieren hier neben Trauungen auch spontane Segnungen. Der 608. Wurstmarkt – ein Fest der Liebe.

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