Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wenn die Gäste früher gehen: Wie sich der Wurstmarkt verändert

Ein belebter Abend auf dem Dürkheimer Wurstmarkt.
Ein belebter Abend auf dem Dürkheimer Wurstmarkt.

Weniger Betrieb in den späten Stunden: Der Wurstmarkt verändert sich. Zum Guten oder zum Schlechten?

„Die Leute kommen zwar etwas früher, aber sie würden auch abends länger bleiben, wenn sie könnten“, meint die Festwirtin des Hamel-Zelts, Ilona Böhm. Schließlich locke man die Besucher mit vielen Versprechungen auf den Wurstmarkt, und dann begrenze man ihnen das Partyvergnügen. Zwar dürfe sie bis zwei Uhr geöffnet haben, jedoch würde sich das Hamel-Zelt am Freitag und Samstag nach dem Ende der Musik um 24 Uhr schnell leeren.

Auch sei es schade, wenn bei den Fahrgeschäften die Musik ab Mitternacht aus sei. Für die Besucher sei das nicht so schön. „Die beste Zeit war, als wir bis nachts um zwei Uhr haben auflassen dürfen“, blickt Böhm zurück. „Ein Uhr reicht vollkommen, aber 24 Uhr ist am Freitag und Samstag einfach zu früh“, betont sie. Sie schlägt vor, für Freitag und Samstag eine Ausweitung bis ein Uhr hinzubekommen. „Vielleicht wäre das eine Sache, der sich die neue Bürgermeisterin annehmen könnte“, sagt Böhm.

„Die Leute haben sich daran gewöhnt“, meint Peter Döngi, Sprecher der Weindorf-Winzer. Generell würden um ein Uhr die letzten Bestellungen aufgenommen, um zwei Uhr sei meist Schluss. Das sei ja auch kein Schaden, „denn die Leute waren ja über Tag da“. Am Sonntag seien die meisten Plätze um 23 Uhr leer.

Wo bleibt die Weinfest-Kultur?

Zäpfler Tilo Mundorf hat ebenfalls bemerkt, dass die Gäste heute früher kommen und nicht mehr so lange bleiben: „Der Andrang spät nachts ist deutlich geringer als früher.“ Der „21er“ hat beim Vormarkt laut seinen Angaben jeweils als Letztes zugemacht: Nach den Wochenendtagen, als der letzte Gast etwa um 4 Uhr ging, schloss der Stand am Sonntag um 1.30 Uhr, am Montag um 2.30 Uhr und am Dienstag exakt um 1.26 Uhr. „Es war angenehm frühmorgens, keinerlei Auseinandersetzungen bei den Schubkärchlern, viele Einheimische“, so sein Fazit. Allerdings war früher länger mehr los. Ein Nachbar von Mundorf, inzwischen über 70 Jahre alt, habe ihm berichtet, wie er in jungen Jahren morgens zum Wurstmarkt pilgerte und erst am nächsten Morgen wieder nach Hause kam. „Das gibt es so nicht mehr“, konstatiert Mundorf.

Im Gegenteil, ganze Jahrgänge würden dem Wurstmarkt abgehen. „Ich habe auch den Eindruck, da spielt immer noch Corona mit rein. Die älteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind gar nicht so mit der Weinfest-Kultur aufgewachsen, wie das bei uns der Fall war“, meint der 48-Jährige.

Für den Dürkheimer Wurstmarkt gelten für den Ausschank Mindestöffnungszeiten, die in den Betriebs- und Gestaltungsvorschriften festgelegt sind. Danach müssen die Stände in der Nacht zum Samstag und Sonntag jeweils mindestens bis 1 Uhr offen bleiben, in der Nacht zum Montag bis 22 Uhr und in der Nacht zum Dienstag und Mittwoch jeweils bis 23 Uhr. Im Weindorf muss der Ausschank am Freitag und Samstag bis 24 Uhr und am Sonntag bis 22 Uhr geöffnet sein. Am Montag und Dienstag werden bis mindestens 23 Uhr Getränke serviert. Eine „Sperrstunde“ ist nicht geregelt.

Riesenrad: Hochbetrieb am Nachmittag

Rudolf Barth, Besitzer des Riesenrads Jupiter, hat beobachtet, dass sich die Besucher im Vergleich zum Vorjahr etwas früher auf den Heimweg machen. „Bei uns ist am Wochenende spätestens um ein Uhr Schluss, obwohl wir eigentlich bis zwei Uhr geöffnet sein dürfen“, erzählt der Schausteller. Doch es seien um diese Zeit einfach keine Besucher mehr da, die mit dem Riesenrad fahren wollen. „Bereits um 23 Uhr wird es ruhiger“, erklärt er. Dies sei aber nicht schlimm, da die Besucher früher auf den Platz kämen. „Wir haben zwischen 15 und 16 Uhr schon so richtig Hochbetrieb“, meint Barth.

Einer der Stände, die in den Schubkärchlern am längsten offen hat, ist der 25er, der vom Dürkheimer Hockeyclub betrieben wird. Am Montag war aber auch dort schon gegen 23.30 Uhr Schluss. „Helfer sind genügend da. Aber es fehlen die Gäste zu später Stunde“, erklärt der DHC-Vorsitzende Detlef Nehrdich. Für ein paar wenige Betrunkene mache es keinen Spaß, den Stand offen zu halten: „Uns nicht und denen auch nicht.“

Brill: Die Leute kommen früher

Für Marcus Brill, Chef des Organisationsteams bei der Stadtverwaltung, ist die Frage, wie lange die Schubkärchler denn offen haben, „eine Abstimmung mit den Füßen“. Vorgaben gibt es von der Stadt nur bei den Mindestöffnungszeiten. Bis auf eine Reinigungsstunde ab 5 Uhr könnten die Stände also theoretisch offen bleiben. Allerdings habe sich seit Corona das Besucherverhalten geändert: „Die Leute kommen früher, gehen aber auch früher.“ Wer darüber klage, dass die Schubkärchler früher schließen als gewünscht, der müsse einfach länger bleiben, scherzt Brill.

Keine Klagen kommen indes vom Deutschen Roten Kreuz (DRK): Astrid Schaupp, Vorsitzende des Ortsvereins Bad Dürkheim, beobachtet nicht, dass nachts weniger auf dem Wurstmarkt los ist. Allerdings gebe es deutlich weniger Fälle von Menschen, die so viel trinken, dass sie die Hilfe der Ehrenamtlichen des DRK brauchen. „Für uns ist es schön, wenn wir weniger Ausnüchterungen haben“, sagt sie.

Die Polizei spricht bislang von einem „weitgehend friedlichen“ Wurstmarkt. Aufschluss über das Ende der Feiern auf dem Festplatz gibt die Uhrzeit, wann die Beamten Feierabend machen können: Laut Sandra Giertzsch von der Polizeidirektion Neustadt meldeten die Einsatzkräfte am Samstagmorgen um 3.51 Uhr „kaum noch Besucher“. In der Nacht zum Sonntag war das schon gegen 2.30 Uhr der Fall. Am Sonntag-, Montag- und Dienstagabend kam die Meldung laut Giertzsch gegen Mitternacht – und damit eine halbe Stunde früher als im Vorjahr.

Wurstmarkt-Bad Dürkheim-2023

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