Bad Dürkheim
Warum sich der Wurstmarkt für Sekttrinker lohnt
Die Schubkärchler gelten als Hochburg des Schoppenglases – vor allem Schorle geht hier über die Theke, aber auch purer Wein. Doch viele Zäpfler haben ebenfalls Sekt auf der Karte. „Wir haben unseren Einstiegssekt dabei“, sagt beispielsweise Patrick Räch, Pächter des Weinguts Karl Schaefer. Wenige Minuten später haben wir einen Riesling Sekt brut im Glas. „Wenn das der Einstiegssekt ist ...“, sagt Janina Huber mit einem gewissen Respekt in der Stimme. Die frühere Deutsche Weinkönigin begleitet uns bei der kleinen Sektprobe über den Wurstmarktplatz und steuert ihre Expertise bei. Ohne auf das Etikett zu sehen, stellt sie fest: „Genau die Reife, die man mag.“ Tatsächlich haben wir einen Sekt des Jahrgangs 2018 im Glas – für vier Euro. Überall in den Schubkärchlern kostet der Sekt so viel.
Sekt aus einer historischen Lage
Einige Meter weiter wartet der Stand 25, an dem die Helfer des Dürkheimer Hockeyclubs Weine der Ungsteiner Genossenschaft Herrenberg-Honigsäckel ausschenken – und einen Riesling-Sekt. „Er riecht ganz nach dem Stil der Ungsteiner Genossenschaft“, sagt Janina Huber und schiebt nach einem fragenden Blick nach: „Bei den Ungsteinern werden eher reife Trauben geerntet.“ Mit 13 Volumenprozent ist der Sekt etwas schwerer im Alkohol. „Der Grundwein hatte dann etwa 11,5 Volumenprozent“, sagt Huber. Auch das ist erklärungsbedürftig: Bei der zweiten Gärung, die jeder Sekt durchlaufen muss, kommen weitere 1,5 Volumenprozent zum Alkoholgehalt des Grundweins dazu. Der Sekt ist Extra trocken. Auch wenn die Bezeichnung etwas anderes suggeriert: Mit zwölf bis 17 Gramm Restzucker liegt er bei der Restsüße im Mittelfeld. Wer es ganz trocken mag, muss zu Extra Brut (bis zu sechs Gramm) oder Brut (sechs bis zwölf Gramm) greifen. „Wir haben hier einen Sekt aus dem Ungsteiner Weilberg im Glas. Das ist eine große, historische Lage. Und das für vier Euro“, schwärmt Janina Huber.
Am nächsten Stand wartet ein Klassiker: der Sekt „Ordensmeister“ der Winzergenossenschaft Vier Jahreszeiten. „Er lebt von Frische und Säure“, erklärt die Expertin. Der Alkoholgehalt liegt bei zwölf Prozent. „Wie viel Alkohol hatte dann der Grundwein?“, fragt Janina. Richtig: etwa 10,5 Volumenprozent. Sekt werde weniger nachgefragt – und wenn, dann eher von Frauen, erzählt Gabriele Poh vom 17er. Secco oder Seccoschorle seien da schon gefragter. Neugierige Fragen gerade von Auswärtigen werfe immer wieder der Trollschoppen auf, erzählt Poh. Dabei handelt es sich um ein Mischgetränk aus Wein und Sekt.
Alkoholfreier Sekt weckt Kindheitserinnerungen
Wir verlassen den 17er und machen noch einen Stopp beim Schubkarchstand des Weinguts SOPS/Dambach. Auch hier gibt es einen Riesling-Sekt auf der Karte, dieses Mal brut. „Der Stil zielt eher auf die Mineralik ab. Kein Schnickschnack, sehr gradlinig. Gefällt mir gut“, urteilt Janina Huber. In den Schubkärchlern gäbe es noch weitere Sekte zu entdecken, doch wir schlendern in Richtung Weindorf. Dort wollen wir Burgundersekte verkosten, obwohl dort ebenfalls noch viele gute Rieslingsekte warten. Doch zuerst probieren wir einen alkoholfreien Schaumwein. Der Nullino der Lebenshilfe weckt Kindheitserinnerungen bei unserer Expertin: „Der Geschmack erinnert mich an das Zitronen-Wassereis, das ich früher immer bis zum letzten Tropfen aus der Plastikpackung gezuzelt habe.“ Der Nullino werde gut angenommen, erzählt Zäpfler Georgios Xistras. Pur könne er ihn empfehlen. „Aber als Schorle ist er zu schwach.“
Schon ein Klassiker unter den Burgunder-Sekten im Weindorf ist der „Herr Schmitt & die Pinots“ vom Weingut Egon Schmitt. Der Schaumwein besteht zu 80 Prozent aus Chardonnay und zu 20 Prozent aus Spätburgunder. „Den großen Anteil Chardonnay schmeckt man, ebenso wie das 15-monatige Hefelager. Definitiv kein Getränk to go, sondern zum Genießen“, lobt Janina Huber. Wie alle Sekte, die wir im Weindorf probiert haben, kostet das Glas fünf Euro.
Pommes oder Saumagenbrötchen?
Wir halten Ausschau nach einem Rosé-Sekt und werden beim Weingut Wegner fündig. Der Schaumwein wird aus Spätburgunder-Trauben hergestellt, wir haben einen 2021er im Glas. „Eine schöne Karamellnote“, hat Janina Huber erkannt. Der Sekt füllt auf jeden Fall den Mund und hat viel Kraft. „Er passt gut zur Pfälzer Küche“, befindet unsere Expertin. Das gelte für nahezu alle Sekte hier auf dem Wurstmarkt. „Die Säure harmoniert mit eher fettigen Gerichten“, erklärt sie, warum Sekt und Wurstmarkt gut passen. „Zum Saumagenbrötchen würde ich eher einen Rieslingsekt wählen“, sagt Huber und erzählt von einem Trend, der gerade von Wein-Influencern geprägt werde: Sekt und Pommes frites. Bei unserer letzten Station, dem Sektstand von Fitz-Ritter, machen wir die Probe aufs Exempel. Doch zunächst verkosten wir den Palatinum ohne Essensbegleiter. Dabei handelt es sich um eine klassische Champagner-Cuvée: Spätburgunder, Chardonnay und Schwarzriesling. Janina Huber gerät ins Schwärmen: „Reife mit schöner Hefe und trotzdem lebendiger Säure am Gaumen. Und das aus der ältesten familiengeführten Sektkellerei Deutschlands.“
Wie schmeckt der Palatinum zu Pommes? Im Mund absorbiert die Stärke viel Säure, was den Sekt weniger reizvoll macht. „Dann lieber das Saumagenbrötchen“, sind wir uns einig.

Dürfen wir nachschenken?
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Wer nicht lesen will, kann hören: Sie wollten schon immer wissen, wie man die vielen Flaschen Wein, die man zu Hause hat, am besten lagert? Oder welche Unterschiede es zwischen verschiedenen Rebsorten gibt? Dann sind Sie hier genau richtig: In unserem kostenlosen Podcast "Wissensdurst" löchern Vanessa Betz und Rebecca Singer die Weinexpertin Janina Huber mit Fragen rund um das Thema Wein.


