Speyerer Umland RHEINPFALZ Plus Artikel Tapinoma magnum breitet sich aus: Gemeinden reagieren und rufen Bürger zu Mithilfe auf

Legt ihre weit verzweigten Nester gern in Siedlungsbereichen an und dringt auf der Suche nach Wärme und Nahrung auch in Gebäude
Legt ihre weit verzweigten Nester gern in Siedlungsbereichen an und dringt auf der Suche nach Wärme und Nahrung auch in Gebäude ein: die Ameisenart Tapinoma magnum.

Sie wird vom Umweltbundesamt als problematische, invasive Ameisenart eingestuft: Die Tapinoma magnum vermehrt sich auch im Speyerer Umland. Was können Bürger tun?

Mauern, die aus den Fugen geraten, Gehwege, die unterhöhlt werden, Ameisen, die „aus der Heizung kommen“: Die Rede ist von der Großen Drüsenameise (Tapinoma magnum), die aus dem Mittelmeerraum stammt und durch Warenlieferungen – vor allem mit mediterranen Großgehölzen wie Oliven- und Feigenbäumen sowie Palmen – nach Deutschland und auch in die Pfalz gekommen ist. Hier verbreitet sich das Tier zunehmend, was Städte und Gemeinden sowie Hausbesitzer vor Herausforderungen stellt. „Wir als Ortsgemeinde können nur auf öffentlichen Flächen agieren. Die Ameise kommt aber auch auf Privatgelände vor, daher ist es wichtig, dass sich die Bürger um eine Bekämpfung der invasiven Art kümmern“, sagt Harald Endres (grüne kommunale Liste). Der Beigeordnete von Otterstadt organisiert gemeinsam mit Rheinauens Ordnungsamtsleiter Thomas Hauser und den Bauhofmitarbeitern die Bekämpfung der Ameise, die sich in Otterstadt rasant verbreitet und ganze Straßenzüge befallen hat.

Die Verbandsgemeindeverwaltung bittet, mögliche Tapinoma-Nester zu melden. Auch wenn ein Vorkommen nur durch einen Experten nachgewiesen werden könne, gebe es Anhaltspunkte, wie die Tapinoma magnum von anderen Ameisen unterschieden werden kann: Zerdrückte Tapinoma-Ameisen verströmten einen chemisch süßlichen Geruch, der an Aceton erinnere. Im Gegensatz zu heimischen Ameisenarten bilde sie mehrspurige Ameisenstraßen. Sie entwickle sich aus Nacktpuppen ohne Kokon, die Farbe ihrer Eier und Puppen sei weiß-transparent. Weitere Merkmale, die auf den Befall durch eine Tapinoma-Art hinweisen, sind laut Umweltbundesamt, dass bei Störung Arbeiterinnen schnell und zahlreich aus dem Nest strömen und sich aggressiv verteidigen sowie dass die Tapinoma magnum komplett schwarz gefärbt ist.

Eine Bekämpfungsmaßnahme: Ein Mitarbeiter der Stadt Kehl spritzt heißes Wasser in die Eingänge eines Ameisenbaus, den die Gattun
Eine Bekämpfungsmaßnahme: Ein Mitarbeiter der Stadt Kehl spritzt heißes Wasser in die Eingänge eines Ameisenbaus, den die Gattung Tapinoma magnum angelegt hat. Kehl ist seit einigen Jahren stark von der Ameisenplage betroffen.

Bürger sollen Vorkommen im Rathaus melden

Nach Angaben von Thomas Hauser gibt es regelmäßig Meldungen. Die Verbandsgemeinde dokumentiere die Hinweise und informiere über Bekämpfungsmöglichkeiten. „Wir können die Mittel aber nicht herausgeben, weil es sich um Insektizide handelt“, erklärt Endres. Die Bauhofmitarbeiter seien im Umgang mit den Mitteln geschult. Gleichzeitig erkundige sich die Verbandsgemeinde fortlaufend, ob es alternative wirksame und umsetzbare Bekämpfungsmöglichkeiten gebe. „Wir wollen von den Insektiziden wegkommen und auf einen biologischen Wirkstoff setzen“, sagt Endres. Neben den Meldungen aus Otterstadt gibt es laut Hauser auch einen Tapinoma-Verdachtsfall aus Waldsee und das bestätigte Vorkommen beim Aldi in Neuhofen aus dem vergangenen Jahr. Auch dort werde die invasive Ameisenart dieses Jahr wieder bekämpft.

Die Verbandsgemeinden Römerberg-Dudenhofen und Lingenfeld setzen auf eine ähnliche Vorgehensweise, um das Vorkommen der Tapinoma magnum einzugrenzen: Hinweise aus der Bevölkerung, Dokumentation, Bekämpfung auf öffentlichen Flächen durch den Bauhof und Aufrufe, dass Bürger auf ihrem Grundstück aktiv werden sollen. Nach Angaben von Verwaltungssprecherin Evelyn Nigrin kommt die Ameisenart in allen vier Ortsgemeinden der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen vor. Sie sei mittlerweile in allen Orten weitgehend flächendeckend verbreitet, sodass sich die Meldungen nicht auf einzelne Straßen oder Bereiche beschränken lassen, sagt Nigrin. Auf Grundlage der Hinweise versuchen die Bauhofmitarbeiter, das Vorkommen der Ameisenart einzudämmen. Diese Maßnahmen beschränken sich auf den öffentlichen Raum. Dort, wo die Tapinoma magnum besonders stark verbreitet ist, sei ein externer Schädlingsbekämpfer hinzugezogen worden. Das empfiehlt die Verwaltung auch Bürgern, die einen stärkeren Befall auf ihrem Grundstück feststellen.

Ebenfalls befallen: aufgeschraubte Steckdosen in einem Wohnhaus in Bissersheim bei Grünstadt.
Ebenfalls befallen: aufgeschraubte Steckdosen in einem Wohnhaus in Bissersheim bei Grünstadt.

Hilfreich: „Heißes Wasser, Kieselgur, Flächen entsiegeln“

Bei kleineren Vorkommen der Ameisenart könnten auch einfache Maßnahmen hilfreich sein, sagt Nigrin und nennt als Beispiele den Einsatz von heißem Wasser oder Kieselgur, das im Garten- oder Baumarkt erhältlich sei. Im Einzelfall könne es auch helfen, Flächen zu entsiegeln, da die Ameisenart warme und geschützte Bereiche, insbesondere gepflasterte Flächen, bevorzuge. Wichtig sei, dass Bürgerinnen und Bürger festgestellte Vorkommen der Verbandsgemeindeverwaltung melden. „Da sich Maßnahmen der Verwaltung auf öffentliche Flächen beschränken, ist eine Abstimmung sinnvoll – insbesondere dann, wenn sich Kolonien auch auf angrenzende Privatgrundstücke ausbreiten“, begründet die Verwaltungssprecherin.

In der Verbandsgemeinde Lingenfeld ist die Lage laut Verwaltungssprecherin Jana Hinderberger überschaubar. Es gebe nicht mehr Tapinoma magnum als im vergangenen Jahr. In Westheim sei die Ameisenart im Haardtweg erfolgreich bekämpft worden. Bürger könnten neben Kieselgur und heißem Wasser auch Ameisenköder und Leimringe an Bäumen und Sträuchern anbringen sowie faules Obst und Maden entfernen, um den Ameisen so keine Nahrungsquellen zur Verfügung zu stellen. Laut Hinderberger sind zurzeit Tapinoma-magnum-Vorkommen im öffentlichen Raum aus der Rheinfeldstraße in Lingenfeld, aus dem Gebiet Schloßberg in Weingarten sowie aus dem Bereich Goethestraße und Kalmitstraße, Mozart- und Beethovenstraße sowie Meisenweg in Lustadt bekannt. Die öffentlichen Flächen in diesen Gebieten werden mehrmals mit Kieselgur behandelt. Sollte das nicht wirksam sein, werde je nach Bedarf, Möglichkeit und Ort der Gehweg geöffnet, um die Kolonien zu bekämpfen. Dabei könne auch ein Schädlingsbekämpfer hinzugezogen werden, sagt Hinderberger. Die Kosten für die Bekämpfungsmaßnahmen im öffentlichen Raum beliefen sich momentan auf einen mittleren dreistelligen Betrag, sagt sie. Die Verwaltungssprecherin gibt auch mit, dass vereinzelt einheimische Ameisenarten gemeldet werden, die jedoch unter Schutz stünden und ausdrücklich nicht bekämpft werden dürften.

verendete Tapinoma-magnum-Ameisen.
In einem Bissersheimer Wohnzimmer: verendete Tapinoma-magnum-Ameisen.
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