Wurstmarkt
Der Literarische: Was machen Menschen morgens um 4 Uhr auf dem Wurstmarkt?
Montag, 6 Uhr, Wurstmarkt: Die beiden mittleren Reihen der Schubkarchstände sind schon komplett belegt, drumrum ist es noch recht leer. „Ganz normal würde ich sagen“, schätzt Roger Falkenstein vom Weingut Fitz-Ritter. Der Zäpfler ist seit über 20 Jahren beim Literarischen Frühschoppen dabei und weiß, wie viel hier los sein kann.
Diese Einschätzung teilt Sybille Heissler, Winzerin vom Weingut Heissler: „Es hat sich in den letzten Jahren etwas beruhigt. Seit es die Lautsprecher-Übertragung bei allen Schubkärchlern gibt, muss man ja nicht mehr unbedingt hier in der Mitte sitzen“, sagt sie. Seit einigen Jahren gebe es also die Tendenz, dass die Leute wieder später kommen – es seien nicht mehr so viele, die um 4 Uhr bereits in den Schubkarchständen sitzen.
Trotzdem: Einige Hartgesottene waren vor 5 Uhr da. Zum Beispiel Patrick Weisenburger und Fabian Hubach: „Wir waren schon um 4.12 Uhr hier. Zu dem Zeitpunkt waren ungefähr 12 Leute da“, sagt Hubach. So früh seien sie noch nie da gewesen. „Aber als richtiger Pfälzer muss man das mal gemacht haben“, sagt er und lacht.
Die Tradition, bereits Stunden vor dem eigentlichen Beginn da zu sein und sich gute Plätze zu sichern, hat sich weiterentwickelt. Es habe Zeiten gegeben, als die Leute mit Campingkochern kamen und sich Rührei gekocht haben, wie Bürgermeister Christoph Glogger (SPD) erzählt. Das sei schwierig gewesen, mit dem offenen Feuer. Aber das habe sich wieder gelegt.
In den Schubkärchlern ist von Beginn an gute Stimmung: Überall wird gesungen, gelacht und geschunkelt. Moderiert wird der Literarische Frühschoppen von der ehemaligen deutschen Weinkönigin Janina Huber. Sie freue sich, sagt sie kurz vor Beginn, und sie sei schon ganz gespannt, wie das Programm angenommen werde. Denn es gibt einige Änderungen: „Das ist ja jetzt eher musikalisch als literarisch: Wobei die Musik ja auch literarisch ist, wenn man genauer hinhört“, sagt Huber.
Da hat Huber recht – zumindest ist die Musik durchgängig Pfälzisch: Die Anonyme Giddarischde waren schon mehrfach dabei. Neu in diesem Jahr: die Pfälzer Bands Grand Malör und Woifeschdkänisch. Alle drei passen insofern gut zum Literarischen, als dass sie in Mundart gedichtete Texte singen. Während Grand Malör und Woifeschdkänisch hauptsächlich bekannte Songs in Mundart umschreiben, begeistern die Anonyme Giddarischde mit Liedern voller Pfalzliebe, wie dem „Pfalzlied“ oder „Schorle“.
„Es werd en schäänes Event“
Etwa eine Stunde vor Beginn sind schließlich alle Musiker hinter der Bühne und bereiten sich auf die Auftritte vor. Woifeschdkänisch-Frontmann Monji ist schon aufgeregt, wie er sagt: „Es wär geloge, wenn man sache däd, man is ned aufgeregt. Von daher: Es werd en schäänes Event.“ Und: Für ihn sei es eine sehr große Ehre, auf dem Literarischen spielen zu dürfen. Und auch Steffen Drayß von Grand Malör freut sich – und hat sogar etwas für die Fans vorbereitet: „Wir gucken, was wir draus machen. Wir haben ein paar Dinge eingebaut, die ihr vielleicht nicht so von uns kennt, also: Lasst euch überraschen“, sagt er an die Fans gerichtet im RHEINPFALZ-Liveticker.
Videos und Impressionen
Alle Interviews und Impressionen vom Literarischen Frühschoppen gibt es unter rheinpfalz.de/literarischer



