Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Besondere Führung: Auf französischen Spuren durch Wachenheim

Pierre Amblard mit einer Gruppe Neugieriger vor dem Franzosendenkmal.
Pierre Amblard mit einer Gruppe Neugieriger vor dem Franzosendenkmal.

Pierre Amblard ist Franzose, Gästeführer und ein „Kind“ der deutsch-französichen Freundschaft. Er hat nun eine Führung auf französischen Spuren durch Wachenheim angeboten.

Am 22. Januar 1963 unterzeichneten der französische Staatspräsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer den Elysee-Vertrag. Der Deutsch-Französische Freundschaftsvertrag trat 1963 in Kraft, er sollte das Ende der „Erbfeindschaft“ nach vielen verlustreichen Kriegen besiegeln und die beiden Völker aussöhnen.

Städtepartnerschaften und Jugendaustauschprogramme sollten die Freundschaft erlebbar machen. Bereits 1969 gab es Begegnungen zwischen Wachenheim und der späteren Partnerstadt Cuisery in Burgund. 1973 wurde die Städtepartnerschaft dann auch offiziell eingerichtet und 1985 der deutsch-französische Freundeskreis gegründet, der noch heute aktiv ist.

Der Kampf gegen den Drachen als Sinnbild

Der Lyoner Pierre Amblard erzählt in der Georgskirche, in der die „französische“ Führung durch Wachenheim beginnt, aus seiner eigenen Lebensgeschichte: Seine Mutter schickte ihn 1968 mit 14 zum Schüleraustausch nach Deutschland, damit sich sein Deutsch verbessere, sein Vater war hingegen vor allem davon überzeugt, dass ihm in Deutschland Disziplin beigebracht werde. Seine Tante warnte ihn noch jüngst davor, in Deutschland krank zu werden, denn: „Die Deutschen machen in Krankenhäusern Experimente“. Sie bezog sich unbewusst auf Verbrechen während des Nationalsozialismus, was zeigt, wie lange Vorurteile „bleiben“.

Pierre Amblard selbst machte in Deutschland gute Erfahrungen in einer Austauschfamilie aus Hannover, die er regelmäßig besuchte. Später wurde er Trauzeuge seines Austauschschülers und absolvierte freiwillig seinen Militärdienst in Neustadt an der Weinstraße, was damals noch für viele Franzosen unverständlich war. In St. Martin lernte er schließlich seine heutige Frau kennen. Ein gelungenes Beispiel der deutsch- französischen Freundschaft auf privater Ebene.

Für Amblard ist das Deckenbild des Heiligen St. Georg, der den Drachen besiegt, in der Georgskirche Leitmotiv: So wie der Heilige Georg den Drachen besiegt hat, müsse man Rassismus und Vorurteile besiegen.

Künstler, Erfinder, Ingenieure

Im Laufe der Führung durch Wachenheim zeigt Amblard Spuren Frankreichs in Wachenheim: Er erwähnt das Brunnendenkmal von Dom Perignon, dem Erfinder der Sektherstellung, der im Hof der Sektkellerei Schloss Wachenheim steht, zeigt im protestantischen Teil der Simultankirche eine Rosette, auf der Luther, Jesus, Zwingli und Petrus Valdes, ein Franzose, zu sehen sind. In der Ludwigskapelle befindet sich eine Skulptur des Heiligen St. Louis.

Ganz in der Nähe der Kirchen steht das ehemalige „Hotel Harmonie“. Es war seinerzeit für Reisende gedacht, die mit dem Zug kommen sollten – allerdings wurde der Bau der Zugtrasse, mit dem ein französischer Ingenieur betraut worden war, nie in die Tat umgesetzt. Amblard verweist auf die Wachtenburg, die man von weitem sieht: Während des Pfälzischen Erbfolgekriegs gegen Frankreich wurde der Burgfried zerstört.

Amblard sucht weiter nach Spuren Frankreichs

Auch Amblard wollte für Spuren in Wachenheim sorgen und einen Barockgarten an der Stadtmauer gestalten. „Der Haken war das Hacken“, witzelt er: Er fand nicht genügend Mitstreiter für sein Projekt. In der Nähe der Stadtmauer verweist Amblard auf die „Napoleonbank“, einen Nachbau, in den 50ern und 60ern wurden die meisten zerstört, die Steine abgetragen. Der untere Teil des Baus diente als Sitzbank, am oberen steinernen „Balken“ konnten die Marktfrauen ihren Korb ablegen.

Gegenüber befindet sich das Kriegerdenkmal von Wachenheim. Amblard ist noch auf der Suche nach weiteren historischen Spuren Frankreichs in der Umgebung und begrüßt als Teil des Vorstands gern neue Mitglieder im deutsch-französischen Freundeskreis. Eine Freundschaft müsse man pflegen, sie sei nie selbstverständlich, sagt er – und verweist dabei nochmal auf den gefährlichen Drachen, den man wie St. Georg besiegen müsse.

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