Kreis Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Städtepartnerschaften zwischen Herzblut und Nachwuchs-Flaute

Der französische Staatspräsident Charles de Gaulle (rechts) und der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer unterzeichnen am 22.1
Der französische Staatspräsident Charles de Gaulle (rechts) und der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer unterzeichnen am 22.1.1963 im Pariser Elysée-Palast den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag.

Vier Partnerschaftsvereine in und um Bad Dürkheim wollen die deutsch-französische Freundschaft pflegen. Welche neuen Wege sie dabei gehen – und welche Probleme sie sehen.

Vor über 60 Jahren markierte der Élysée-Vertrag einen Wendepunkt für die deutsch-französischen Beziehungen. „Heute ist die Freundschaft selbstverständlich“, sagt Elli Menge. Damals war sie alles andere als das.

In der Folge des Vertrags sprossen Städtepartnerschaften aus dem Boden, die kommunale Arbeit ging später im Ehrenamt auf. Menge gehört dem deutsch-französischen Freundeskreis Weisenheim am Berg und St.-Gengoux-le-National an. Die anfangs kommunale Arbeit ging später in Vereine und damit ehrenamtliche Hände über. Spätestens seitdem sind die Partnerschaften Begegnungen mit und aus der Bürgerschaft. „In unserer Satzung ist verankert, dass wir die Partnerschaft mit Leben füllen“, sagt Matthias Weber, Vorsitzender des Freundeskreis Freinsheim-Marcigny.

(von links) Ingrid Panzel, Pierre Amblard, Matthias Weber, Elli Menge, Alexander Grieb und Alexander Bücker-Flürenbrock engagier
(von links) Ingrid Panzel, Pierre Amblard, Matthias Weber, Elli Menge, Alexander Grieb und Alexander Bücker-Flürenbrock engagieren sich in den Partnerschaftsvereinen in und um Bad Dürkheim im Rahmen der deutsch-französischen Woche.

In diesem Kontext sehen die Vereinsvertreter auch die Veranstaltungen anlässlich der deutsch-französischen Woche, die vom 17. bis 24. Januar begangen wird. Es gehe darum, die Arbeit der Vereine zu zeigen und Interesse für die jeweiligen Partnerstädte zu wecken, die allesamt in der Region Burgund liegen. Nicht aus Zufall. Rheinland-Pfalz und Burgund sind bereits 1962 und damit noch vor dem Elysée-Vertrag eine Partnerschaft eingegangen.

Herausforderung: Nachwuchsgewinnung

1966 knüpfte sich auf regionaler Ebene zwischen Bad Dürkheim und Paray-le-Monial die offizielle Bande. Ihr folgte neben den Partnerschaften in Weisenheim und Freinsheim auch die Partnerschaft zwischen Wachenheim und Cuisery. Alle werden seit Beginn von Bürgern mitgetragen. Diese Bürgerebene funktioniert bis heute. „Die Freundschaften laufen seit Jahrzehnten“, sagt Ingrid Panzel vom Wachenheimer Partnerschaftsverein. Sehr herzlich seien die Begegnungen, sehr persönlich – das sagen die Vereinsvertreter übereinstimmend. Sie sagen auch, dass die Vereine insgesamt überaltern. Anfängliche Kinder- und Jugendbegegnungen seien erfolgreich gewesen, doch überdauert habe keine. Die Generation zwischen 30 und 50 winke heute oft ab. Die Angst vor Verpflichtung bei einem Alltag zwischen Beruf und Familie ist zu groß. „Vielleicht muss man es punktueller denken“, sagt Alexander Bücker-Flürenbrock.

Politischer Gegenwind

Der zweite Vorsitzende des Freundeskreis Freinsheim-Marcigny spricht das Vermitteln von Praktika oder Sprachaufenthalte an. Vielleicht auch eine Begegnung von Jugendlichen auf halber Strecke unter einem verbindenden Thema. Das bisherige – die Aussöhnung zweier Länder nach dem Krieg – ist längst nicht mehr existent. „Wenn der Bedarf nicht mehr da ist, dann ist es halt so“, will Alexander Grieb aber auch nichts erzwingen. Zumal die politische Landschaft mit dem Erstarken des Front National den Partnerschaftsvereinen und Freundkreisen nicht in die Karten spielt. Das sei etwas, das man betrachte, sagt Pierre Amblard. Der gebürtige Franzose ist seit Jahren äußerst rührig im Wachenheimer Partnerschaftsverein und hat durch sein Engagement im vergangenen Jahr für eine Verdopplung von dessen Mitgliederzahlen gesorgt. Aber: Die deutsch-französische Freundschaft werde nicht bestehen, wenn es von der Politik nicht mehr gewollt sei, so Amblard weiter.

Konzert, Stadtführung, Ausstellung, Begegnung

Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund haben sich die Partnerschaftsvereine im Sommer 2025 Gedanken gemacht, wie man die Menschen wieder für die Verbindungen ins Nachbarland interessiert. Nach einer Tagung des rheinland-pfälzischen Partnerschaftsverbands hat man Kontakt geknüpft, sich um Fördergelder aus dem deutsch-französischen Bürgerfonds bemüht. Bücker-Flürenbrock spricht von einem sich anschließenden „geschmeidigen“ Austausch. Herausgekommen ist ein Angebot von sechs Veranstaltungen. Den Auftakt macht ein Konzert, es folgen eine Karikaturen-Ausstellung, zwei Stadtführungen, eine Filmvorführung und ein deutsch-französischer Tag der Generationen. Was den Akteuren mit dem Aufstellen des Programms bereits gelungen ist, ist die Vernetzung untereinander. Die wollen die Vereine künftig fortsetzen. Vor allem aufgrund der politischen Entwicklungen. Auf dem, was gewachsen ist, lasse sich aufbauen. „Gerade bei der weltpolitischen Lage ist es umso wichtiger, dass die Botschaft der Partnerschaften wieder in den Vordergrund rückt“, betont Pierre Amblard. Und die heiße nach wie vor Frieden.

Veranstaltungen

Samstag, 17. Januar, 19 Uhr: Konzert mit Melange à Deux und Ami, Bürgersaal Von-Busch-Hof, Freinsheim, Karten kosten 18 Euro, ermäßigt 10 Euro; Anmeldung und Kartenreservierung telefonisch beim IPunkt 06353 989294 oder per E-Mail an: anmeldung@freinsheim-marcigny.de
Dienstag, 20. Januar: Beginn der Karikatur-Ausstellung „Die deutsch-französische Freundschaft“, Gewölbekeller im Haus Catoir, Römerstraße 20, Bad Dürkheim; Ausstellungszeiten: 20. bis 30. Januar, Dienstag-Freitag, 14–17 Uhr, Eintritt frei
Mittwoch, 21. Januar, 15 Uhr: Zweistündige Führung mit Glühwein durch Friedelsheim zum Thema „Frieden“, Treffpunkt: Protestantische Kirche, Kirchgasse 6; Anmeldung und Information per E-Mail an info@wachenheim-cuisery.com oder bei Pierre Amblard, Tel. 0160 98375217, Teilnahme kostenfrei
Donnerstag, 22. Januar, 19 Uhr: Filmvorführung „Ein Tag im September“ mit Sektempfang, Haus Catoir, Römerstraße 20, Bad Dürkheim, Eintritt frei
Freitag, 23. Januar, 14 Uhr: Zweistündige Führung durch das französische Wachenheim mit Rotwein und Baguette, Treffpunkt: Simultankirche St. Georg, Anmeldung und Information per E-Mail an info@wachenheim-cuisery.com oder bei Pierre Amblard, Tel. 0160 98375217, Teilnahme kostenfrei
Samstag, 24. Januar, 15 Uhr: Nachmittag der Generationen im Bürgerhaus Weisenheim am Berg, Eintritt frei

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