Saarschleife
Naturwunder Deutschlands: Wo das Saarland tatsächlich schöner als die Pfalz ist
Es lohnt sich, beizeiten da zu sein. Die Cloef heißt der Felsen hoch übe r der Saarschleife, von dem aus sich ein fantastischer Ausblick auf den Flussbogen und das ganze Land bietet. Um 9.30 Uhr öffnet der Baumwipfelpfad, an dessen Ende ein 42 Meter hoher Aussichtsturm aus Holz und Stahl steht. Wer den Mut hat, von ganz oben hinunterzuschauen, dem stockt der Atem, der hält inne.
Wer früh da ist, hat die Aussicht noch ganz für sich allein, kann tief einatmen und weit blicken. Oben der hellblaue Himmel, unten die tiefblaue Saar – und dazwischen das Grün des Waldes. Ein Moment zwischen Himmel und Erde.
Seit zehn Jahren gibt es diesen Baumwipfelpfad mit Aussichtsturm nun, und der Clou ist: Man kann ihn vom Anfang an bis zum allerobersten Aussichtspunkt mit dem „Scheesje“, dem Kinderwagen, dem breiten Zwillingsbuggy oder dem Rollstuhl befahren.
Hat man den Wipfelpfad tatsächlich zunächst durcheilt, um als Erster vom Turm ins Tal zu blicken, sollte man gemächlich noch mal zurück zum Anfang und alle Stationen des Pfades in aller Ruhe durchlaufen. Auf spielerische Weise erfahren Kinder alles über Bäume und die Natur längs der Saarschleife. Wer will, kann unterwegs auch ein Comic-Rallye-Heft ausfüllen und erhält am Ende eine Urkunde. (Erwachsene bekommen keine!). Nach einer bis maximal zwei Stunden hat sich Urlaubsgefühl eingestellt.
Die Kinder wollen nun toben, die Erwachsenen sich mal setzen. Gut, dass sich am Ausgang des Wipfelpfades der Eingang zum riesigen Abenteuerpark befindet. Der Nachwuchs kann hier – bei Bedarf – stundenlang auf mehreren Ebenen klettern, hüpfen, an Seilbahnen schwingen, schaukeln, rutschen und spielen. Alles im Schatten der hohen Bäume, auch mit vielen Bänken überall. Mit oder ohne Abenteuer auf dem Spielplatz ist es nun Mittag, und der Magen meldet sich. (Wie Sie auf dieses Signal am besten reagieren, ist hier nachzulesen.)
Am Vormittag die Saarschleife von oben bestaunt, da bietet sich für den Nachmittag eine andere Perspektive an. Unterhalb der repräsentativen Alten Abtei, heute Hauptsitz des Porzellanherstellers Villeroy & Boch, legt die „Maria Croon“ zur Saarschleifenrundfahrt ab, eine gemütliche Ausflugsfahrt durch die gesamte Schleife, bei der das Boot in der Mettlacher Schleuse eingeschlossen und anfangs angehoben und am Ende abgelassen wird.
Mettlach ist ein schönes Städtchen, dessen nette, kleine Fußgängerzone mit Outlet und historischen Bauten anschließend zum Bummel einlädt.
Wer Lust auf eine Schifffahrt hat, aber keine zwei Stunden auf der Saar verbringen möchte, steuert die Personenfähre am Saarufer bei Dreisbach an und läutet die große, graue Glocke.
Fährmann Matthias Mann erscheint dann sofort und bringt die Fahrgäste, auch wenn’s nur einer ist, umgehend in ein paar Minuten ans andere Ufer. Zurück geht’s auf die gleiche Weise. Auf den noch 60-jährigen Fährmann ist Verlass.
Als er am späten Nachmittag kurz vor Feierabend eine Mutter mit Kind vom anderen Ufer abholt, sagt er, er müsse noch auf eine andere Frau mit Kind warten, die er am Mittag rübergebracht hatte. „Die wurde mit dem Auto abgeholt“, antwortet die Passagierin. Alles gut also, der Fährmann kann das Boot zurücksteuern und beruhigt Feierabend machen.
Der nasse Fahrgast
Matthias Mann liebt seinen Beruf. „Die Leute sind entspannt“, sagt er, „die kommen, erzählen, haben Zeit. Das ist etwas anderes, als eine Fähre zu steuern, bei der die Leute schnell zur Arbeit oder nach Hause müssen.“ Sein ungewöhnlichstes Erlebnis? „Einmal, da kam einer, der trug ein nasses T-Shirt und nasse Hosen und hatte keine Schuhe an. Da habe ich den gefragt, was ihm denn passiert sei“, schildert der Fährmann, „da hat der gesagt, er sei mit einer Gruppe von elf Personen unterwegs gewesen, die eine Zehnerkarte gekauft habe. Die hätten gelost und der, der leer ausging, musste schwimmen.“ Da schenkte der Fährmann dem Schwimmer die Rückfahrt.
Ein Anwohner erzählt später diese Geschichte von der Fähre. Er sei einmal von einem Touristen gefragt worden, wie das Boot am Fähranleger denn heiße. Er habe „Welles“ geantwortet, woraufhin der Tourist verärgert gesagt habe: „Na das Boot da am Anleger; da liegt doch nur eines.“ Der Fragesteller habe offenbar „Welles“ als pfälzisches und saarländisches Wort für „welches?“ verstanden. Dabei heißt das Fährboot tatsächlich „Welles“.
Das Saarschleifenland war schon zur Römerzeit vergleichsweise dicht besiedelt. Der Archäologiepark Villa Borg liegt nur acht Kilometer von der Cloef entfernt und zeigt, wie die Römer gelebt haben. In der Taverne kann man sogar essen und trinken wie die Römer.
Zur Römerzeit lebten in den Wäldern an Saar und Mosel Wölfe rudelweise. Die bei uns zeitweise ausgerotteten Tiere kehren langsam zurück, den Saar-Hochwald haben sie schon erreicht, Saar und Mosel selbst noch nicht. In Merzig können die Tiere gefahrlos beobachtet werden: Im Wolfspark Werner Freund leben gut 20 Wölfe aus aller Herren Länder, hinter Gittern. Der Eintritt ist frei, angeleinte Hunde sind erlaubt. Die zehn Kilometer lange „Traumschleife Wolfsweg“ führt um den Park.
Wer mal dort ist, merkt schnell, dass ein Tag gar nicht ausreicht, um sich im Saarschleifenland alles Interessante anzusehen. Der kann dem Gedanken nähertreten, einen Kurzurlaub in der Gegend zu machen mit Übernachtung im Hotel, im Wohnmobil – oder echt retro in der Jugendherberge.
Eintritt Cloef
Für den Baumwipfelpfad mit Aussichtsturm und den Abenteuerspielplatz gibt es immer mal wieder Rabatt-Aktionen. Zuletzt wurde – nur im Online-Verkauf – ein Oster-Kombi-Ticket für Familien zu 44 Euro angeboten. Aber aufgepasst: Der Scanner an den Eingängen erkennt den QR-Code des Online-Tickets zuweilen nicht richtig und verweigert den Zugang. Wer keine Lust auf Diskussionen an der Schranke hat, kauft die Tickets besser vor Ort. Die Fähre kostet 2,50 Euro für Erwachsene und einen Euro für Kinder und Fahrräder.