Kolumne
Rapper Apache 207 als Winzer: Eine Indianer-Schorle, bitte!
Liebe geht bekanntlich durch den Magen. Deutsch-Rap anscheinend auch. Zumindest zeigen das die Entwicklungen in den Supermarktregalen. Capital Bra macht in Tiefkühlpizza und Eistee, Shirin David serviert rosa Eistee mit Süßigkeiten-Geschmack, und wer es gerne hochprozentig mag, kann sich Wodka von Künstlern wie Rapper Eko Fresh, Bonez MC oder sogar Sido ins Glas kippen. Geschmack: egal. Hauptsache der Name steht drauf. Das darf dann auch gerne ein bisschen mehr kosten.
Auf den Zug aufgesprungen
Denn die Menschen dürstet es nach mehr als nur Musik von ihren Idolen. Sie wollen sich ihnen nahe fühlen. Ein Stück vom Ruhm im Glas, quasi. Auf diesen Zug ist auch der Ludwigshafener Goldjunge Apache 207 aufgesprungen. Seit er 2019 mit seinem Song „Roller“ reihenweise Rekorde bei Spotify und Youtube gebrochen hat, ist der 24-Jährige in der Deutschrap-Szene ein hohes Tier. Mit Sonnenbrille, Badelatschen und einer Prise Selbstironie hat er sich in die Herzen der jungen Hörerschaft getextet.
Doch wie schmeckt eigentlich so eine Art von Erfolg? Offensichtlich nach Wein. Nach einer weißen Cuvée. Zumindest hat der „Pälzer Buh“, wie er sich in diesem Zusammenhang selbst nennt, jetzt seinen ersten eigenen Wein rausgebracht. Und wie es sich für die Pfälzer gehört, sollte die Cuvée mit dem Namen „Too Sad To Disco“, zu deutsch „Zu traurig für Disco“, auf einem Weinfest vorgestellt werden. Namensgeber ist das aktuelle Album es Rappers. Tickets für das Event gab es ähnlich unkompliziert wie bei Willi Wonkas Schokoladenfabrik: mit einer Prise Glück. 14.000 Menschen hatten sich registriert, 600 durften am Ende eine Eintrittskarte bezahlen, um mitzufeiern. Ort der Party war das Weingut Faubel in Maikammer, das den Wein in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler entwickelt hat. Es herrschte eine strikte Kleiderordnung: weiß oder beige. Wer anderes trug, musste draußen bleiben. Es sollte auf den Bildern schließlich schön aussehen! Gruppenzwang mal anders.
Der Star hält Abstand
„Apache bleibt gleich“, rappt der Ludwigshafener in einem Lied. Deshalb lieben ihn die Fans. Er ist am Boden geblieben, weiß, woher er kommt. Gut, die 600 Auserwählten hatten an dem Abend nicht viel von ihrem Neu-Winzer. Der feierte seinen Wein lieber im hinteren VIP-Bereich des Weinguts mit ausgewählten Gästen. Da war es aber auch nicht so überfüllt wie im Bereich für die Normalos. Abstand und so. Auch auf eine Rede ihres Sängers warteten die Besucher vergebens. Das übernahm das Management. Gegen Ende des Abends gab’s für die übrig gebliebenen Fans, die teilweise aus Hamburg angereist waren, dann aber doch die Gelegenheit, ein Foto mit ihrem Idol zu machen. „Ihr seht alle gut aus“, sagte der 24-Jährige. Immerhin.
Die Cuvée aus Riesling und Sauvignon blanc, die laut Apaches Management und Weingutleiter Gerd Faubel „perfekt zum Chillen ist“, soll auch den Nicht-Weinkennern schmecken. Selbst wenn nicht, Schorle geht bekanntlich immer. Zu kaufen gab es sie allerdings nur an diesem einen Abend zum Preis von 10 Euro pro 0,75 Litern. Aber wer weiß, vielleicht gibt es sie bald auch im Supermarkt um die Ecke zu kaufen. Für das eigene Stückchen Indianer im Glas.
Apache 207 – ein großer Sohn der Stadt Ludwigshafen? Ein Streitfall .
Apache 207 setzt bei seinem ersten Fernsehauftritt ein politisches Statement.