1. FC Kaiserslautern
Nach 0:3 Niederlage: FCK-Trainer kündigt sehr harte Entscheidungen an
Kurz vor der innerlichen Eruption drehte sich Torsten Lieberknecht um und schritt davon. Der Trainer des Fußball-Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern war nach der 0:3 (0:3)-Niederlage am Freitagabend vor 15.043 Zuschauern bei Holstein Kiel ziemlich angefressen. In ihm brodelte es sichtlich. Seine Mannschaft hatte – wieder einmal – eine denkwürdige Auswärtsleistung geboten und war abermals in alte Muster verfallen. Muster, die der Verein geglaubt hatte, in Gesprächen und mit verschärftem Training, aus den Köpfen der Spieler ausradiert zu haben.
Doch dem ist nicht so. Das „Virus“, wie Lieberknecht die in regelmäßigen Abständen wiederkehrenden diskussions- und fragwürdigen Leistungen des FCK auswärts bezeichnet, grassiert immer noch. Es zieht sich durch die Saison wie ein roter Faden. Lieberknecht und die Vereinsführung haben auch bislang keine Medizin dagegen gefunden. Und die Spieler sind ratlos oder geben sich zumindest so. Eine Lösung scheint demnach nicht in Sicht. „Mir fehlen ein bisschen die Worte“, sagte Lauterns Innenverteidiger Jacob Rasmussen am Freitag. Der Däne kam im Winter und soll dazu beitragen, dass die Abwehr stabiler wird. In Kiel misslang dies – zumindest in der ersten Halbzeit. Zwar begann der FCK mit einer Viererabwehrkette, die in der zweiten Halbzeit in eine Dreier- und Fünferkette wechselte, gut und hätte nach sehr guten Chancen durch Naatan Skyttä (4.) und Marlon Ritter (9.) führen müssen. Womöglich wäre die Partie ganz anders verlaufen, wenn Kaiserslautern einen Treffer erzielt hätte. Lieberknecht sprach später gar von Schlüsselszenen im FCK-Spiel. So aber schossen Kiels Umut Tohumcu (15.), Philipp Harres (36.) und David Zec (40.) den FCK ab. „Wenn du zur Halbzeit 0:3 zurückliegst, dann geht es um Charakter und Willen. Da geht es um die Ehre“, sagte Rasmussen. Viel davon war nicht zu sehen in Kiel.
Lieberknecht kritisiert Mannschaft
Daher redete sich Torsten Lieberknecht, eigentlich ein Mensch, der selten die Fassung verliert, in Rage. Er kritisierte ungewohnt scharf öffentlich die Mannschaft. „Ich hasse es grundsätzlich, Spiele zu verlieren, ich halte gerne den Kopf hin und stelle mich vor die Mannschaft, aber das ist Eigenverschulden der Spieler. Bei uns ist es eine Frage der Einstellung, der Konzentration, der Eigenmotivation, deshalb sind wir froh, dass wir 46 Punkte haben. Trotzdem gibt es einige Jungs, die schauen müssen, ob sie alles dafür tun, auswärts, auch den vielen Fans, alles zurückzugeben“, schimpfte Lieberknecht: „Für mich ist es total wertvoll, mit dieser Niederlage Erkenntnisse zu gewinnen, In meinem Kopf rattert es sehr viel. Ich muss ein bisschen vorsichtig sein, was ich von mir gebe. Wir haben noch vier Spiele vor uns. Ich werde mit Sicherheit Entscheidungen treffen, die sehr, sehr hart ausfallen werden.“
Was dieser verbale Bannstrahl im Detail bedeutet, darauf wollte Lieberknecht nicht näher eingehen. Geschäftsführer Thomas Hengen ergänzte. „Wir haben heute viel gesehen, haben schöne Erkenntnisse gewonnen, auch für die Personalplanung.“ Sprich: Der diese Saison endende Vertrag des einen oder anderen Spielers wird nicht verlängert. Und: Der eine oder andere ausgeliehene Akteur wird nicht verpflichtet.
Hengen stellt sich hinter Trainer Lieberknecht
Auch Hengen sprach von Mentalität, Charakter, Einstellung. Seine verbalen Rundumschläge richteten sich am Freitag an die Adresse der Spieler. Trainer Lieberknecht steht den Worten Hengens zufolge nicht zur Debatte. Er richte sich nach Fakten und Lieberknecht sei ein Trainer mit einem der besten Punkteschnitte.
Der FCK-Coach war am Freitag wieder zum großen Teil Blitzableiter. „Ich übernehme gerne die Verantwortung, aber mit unserem Plan heute war alles aufgezeigt, wie wir zu Toren kommen. Kiel wusste zu Beginn nicht wohin, das Stadion begann schon zu murren“, sagte Lieberknecht.
Aus dem Murren wurden später Jubelschreie. Kiel war an diesem Freitagabend dem FCK in einigen Punkten überlegen. Der Bundesliga-Absteiger lief beispielsweise 125 Kilometer, der FCK 115. „Das hat aber auch damit zu tun, dass wir in der zweiten Halbzeit mit unserem 5-3-2-System eher tiefer standen und die Innenverteidiger nicht mehr auf ihre zweistellige Laufleistung kommen, das ist systematisch zu erklären“, erläuterte Lieberknecht: „Wenn du aber ein Gegentor bekommst, darfst du kein zweites bekommen, da musst du standhaft bleiben, musst an deinem Plan festhalten. Wir waren auf alles vorbereitet. Wenn das nicht gemacht wird, ist es eine Frage der Konzentration.“
„Jeder Spieler hat mit sich zu kämpfen“
Seinen Unmut präzisierte Lieberknecht dann weiter. „Fakt ist, die Mannschaft ist immer perfekt auf den Gegner vorbereitet. Hält sie sich daran, dann bekommst du deine Torchancen. Wenn wir diese verwerten, dann haben wir wahrscheinlich ein anderes Spiel in Kiel. Doch nach dem Rückstand verlieren wir auswärts den Kopf, machen individuelle Fehler und halten uns vor allen Dingen, nicht mehr an den Plan. Letztendlich hat dann fast jeder Spieler mit sich zu kämpfen. Das ärgert mich maßlos“, kritisierte der FCK-Trainer. Seine Worte jedenfalls deuten darauf hin, dass es zum Saisonende hin, ungemütlich wird auf dem Betzenberg für den ein oder anderen Spieler.
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